30.08.2026 10:15
ZDF-Fernsehfilm "Eine Wingwoman verliebt sich nicht"
epd Es gibt Tage, da regrediert frau ganz gern. Männern geht es nicht anders, doch sie tun das meist auf andere Weise. An solchen Tagen suchen manche Frauen nach einem so richtig schlichten Liebesfilm. Und wenn frau sämtliche Bridget-Jones-Filme schon dreimal gesehen hat, landet sie womöglich in der ZDF-Mediathek bei "Eine Wingwoman verliebt sich nicht". Eine vom Alltag erschöpfte Frau könnte es zum Feierabend wirklich schlimmer treffen als mit diesem Fernsehfilm. Denn er erfüllt auf unterhaltsam humoreske Weise, was das ZDF-"Herzkino" leisten soll.
Der alberne Titel stellt allerdings eine gewisse Hürde für Suchende dar: Was bitte ist eine Wingwoman? Eine Superheldin mit Flügeln? Nein, als Wingwoman wird in diesem Film eine Frau bezeichnet, die sich - noch so ein Anglizismus - gewerblich als Datingcoach betätigt. Sie gibt sich beispielsweise als Freundin oder Schwester aus, wenn sie eine Klientin in freier Wildbahn bei der Männerjagd unterstützt. Zu Deutsch, es handelt sich um eine vor Ort aktive Kupplerin.
Die blondgelockte "Flügelfrau" Caro (Chiara Schoras) - geschieden von einem italienischen Lebenskünstler, Tochter kurz vor dem Abi - betätigt sich höchst erfolgreich in ihrem Gewerbe. Sie ist mit all ihren kleinen Fehlern und Schwächen rundum sympathisch, und wenn sie in ihren bunten Klamotten durch ein ebenso fröhlich-bunt inszeniertes Berlin läuft wie eine stämmigere Version von Sarah Jessica Parker in "Sex in the City", muss man sie mögen.
Caro, die sich an einem Kaffee-Kiosk unter der Hochbahn selbst unsterblich verliebt, ist zwar attraktiver als die meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen, die beim ZDF-"Herzkino" vor dem Fernseher abhängen, hat aber auch schon ein paar Falten und ist gerade noch ausreichend nahbar und zur Identifikation geeignet. Ein bewährtes Besetzungs-Konzept.
Nur bei der Hochbahn haben es Regie, Kamera und Schnitt mit ihrem Leitmotiv übertrieben, denn Züge auf Stelzen fahren hier gefühlt jede zweite Szene durchs Bild. Dit is Balin, wir haben es verstanden.
Too good to be true
Caro verguckt sich in eine ebenso klassische männliche Romantic-Comedy-Besetzung für die schon etwas ältere ZDF-Zuschauerin. Dieser Typ Mann lässt sich als Kreuzung von Welpe und Teddybär beschreiben, hier wird er von Tom Beck gegeben: Kulleraugen, strubbelige Out-of-Bed-Frisur. In diesem Fall ergänzt von einem ebenso gepflegt ungepflegten Vollbart. So einer beißt nicht. Und er sieht nicht nur gut aus, sondern gibt auch noch dem Bettler Geld.
Gutaussehend und ein gutes Herz? Vielleicht ein bisschen viel, denkt Caro. To good to be true. Ist ja auch nicht wahr, dass Männer wie Kinder oder Kuscheltiere sind, aber das hier ist ein ZDF-Herzkino-Film und deshalb kommt, anders als im Leben, auch kein dickes Ende nach. Relax, alles wird gut. Aber weil Caro so etwas wie vielleicht "ein bisschen viel" immerhin mal denkt, fühlt man sich von diesem Film nicht für ganz so dumm verkauft vor wie von anderen Produktionen aus diesem Genre.
Bis sich die beiden Herzchen am Ende haben, gibt es ein paar Verwicklungen, von denen hier nicht zu viel verraten sein soll. Der Kern des Problems besteht darin, dass sich eine von Caros zahlenden Klientinnen, eine berühmte Pianistin, ausgerechnet in - genau! - verguckt! Muss Caro als Dating-Profi da nicht zurückstehen? Sarah Bauerett spielt den zickig-spröden Klassik-Star Anya Urbanski. Mit ihrer viel zu direkten, zielstrebigen und stets an ihren eigenen Interessen orientierten Art schlägt diese Anya Männer zuverlässig in die Flucht und sucht daher bei Caro Hilfe.
"Eine Wingwoman verliebt sich nicht" ist eine überdurchschnittlich gelungene Produktion mit sympathischen beziehungsweise interessanten weiblichen Hauptrollen. Den Film kann frau durchaus gucken, ohne hinterher an schlimmem Fernseh-Kater zu leiden, der sich bei der leichten Frauen-Unterhaltung sonst oft einstellt.
infobox: "Eine Wingwoman verliebt sich nicht", Fernsehfilm, Regie: Wolfgang Eißler, Buch: Oliwia Strazewski, Kamera: Pascal Schmit, Produktion: Constantin Film (ZDF-Mediathek, seit 21.8.26, ZDF, 30.8.26, 20.15-21.45 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 30.08.2026 12:15
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Eißler, Strazweski, Kaiser
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