Wikimedia-Chefin: Wikipedia ist kein Auslaufmodell - epd medien

02.09.2026 03:45

In politisch angespannten Zeiten sind verlässliche Informationen besonders wichtig. Die offene Online-Wissensdatenbank Wikipedia sieht sich gegen Fake News gut gerüstet.

Berlin (epd). Die deutsche Ausgabe der Online-Enzyklopädie Wikipedia ist nach Ansicht des Unterstützervereins Wikimedia Deutschland vor Propaganda und Falschinformation geschützt. Gerade vor Wahlen habe die Community funktionierende Mechanismen, um damit umzugehen, sagte Wikimedia-Vorständin Franziska Heine in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd).

So gebe es User, die bestimmte Wikipedia-Seiten abonniert haben und Änderungen in einem Eintrag mitbekommen. Bei Wahlen werde das noch sensibler gehandhabt. "Wenn es Falschinformation gibt, wird diese in kürzester Zeit wieder gelöscht, beziehungsweise der vorherige Eintrag wird wieder hergestellt", sagte Heine wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag

Wikipedia seit 25 Jahren online

Einzelne Ehrenamtliche könnten "sensible Seiten" für das Editieren, also für Änderungen, auch sperren. "Rückblickend sind wir damit eigentlich immer sehr gut durch solche heißen Phasen hindurchgekommen. Das ist auch meine Erwartung für die anstehenden Wahlen", sagte die Wikimedia-Chefin.

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia gibt es seit 25 Jahren. Sie versteht sich als freie Wissensdatenbank. Die deutschsprachige Version ist mit aktuell mehr als 3,1 Millionen Artikeln nach der englischen die größte der insgesamt rund 350 Sprachversionen. Der Verein Wikimedia Deutschland unterstützt im Hintergrund die Menschen, die ehrenamtlich zur Wikipedia beitragen.

Weniger Suchanfragen durch KI

Als Herausforderung nannte Heine unter anderem das veränderte Suchverhalten im Internet: "Viele nutzen für Suchanfragen nur noch generative KI wie ChatGPT, Perplexity und andere." Damit landeten weniger Suchanfragen über die klassischen Suchmaschinen direkt auf den Wikipedia-Seiten. Zudem leide die Server-Infrastruktur mittlerweile unter dem Ansturm von Anfragen durch große KI-Firmen. Alle paar Minuten würden die Inhalte der Wikipedia-Seiten von diesen komplett kopiert.

Diese Entwicklung beobachteten die vielen ehrenamtlichen Wikipedianer mit Sorge. Das gelte auch für die Zunahme KI-generierter Texte, die aber in der offenen Wissensdatenbank nichts verloren hätten. Die Regeln der deutschsprachigen Wikipedia verbieten KI-generierte Inhalte. "Das heißt, es gibt immer mehr Arbeit für die Freiwilligen, KI-erzeugte Texte zu erkennen, Änderungen rückgängig zu machen, Quellenangaben zu checken etc.", erläuterte Heine.

Dennoch sei Wikipedia kein Auslaufmodell, sagte sie: "Diese Large-Language-Models auf denen die KI basiert, sind auf unsere Inhalte angewiesen." Eine KI könne das originäre Erschaffen von Information nicht ersetzen.

Meldung aus dem epd-Basisdienst



Zuerst veröffentlicht 02.09.2026 05:45

epd-Gespräch: Lukas Philippi

Schlagworte: Medien, Internet, Wikipedia, INT

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