03.09.2026 08:24
Berlin (epd). In der deutschsprachigen Berichterstattung über den Islam hat sich nach Ansicht von Experten seit den islamistischen Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA wenig verändert. "Nach wie vor wird die Themenagenda stark von der Verbindung des Islam mit Terrorismus, Krisen, gegebenenfalls auch Unruhen und Protesten oder mit den immer wieder konfliktbeladenen Migrationsdebatten dominiert", sagte die Berliner Kommunikationswissenschaftlerin Carola Richter dem Evangelischen Pressedienst (epd). Themen, die im Zusammenhang mit Kultur oder religiösem Leben stünden, machten laut einer Studie einen unteren einstelligen Prozentbereich der Berichterstattung aus.
Die Islamberichterstattung komme weitgehend ohne Muslime und Musliminnen aus. "Sie werden nicht gehört, man berichtet über sie", sagte Richter weiter, die zusammen mit anderen Forschern 2022 eine repräsentative Studie zur deutschen Medienlandschaft gemacht hat. "Ich war tatsächlich sehr überrascht, wie wenig sich im Vergleich zu der Zeit um das Jahr 2001 und 9/11 verändert hat."
Nach dem 11. September habe es in der Berichterstattung einen Rückgriff auf bereits bestehende, latente Muster gegeben. Diese seien durch das Attentat noch einmal massiv verstärkt worden. "Seit der sogenannten Islamischen Revolution 1979 im Iran gibt es eine Rahmung des Islam als Problem und als potenzielle Gefahr für den Westen. So hat sich bereits im Vorfeld von 9/11 das Bild eines gewaltvollen und politisch-ideologischen Islam verfestigt", sagte Richter.
In Deutschland sei es bereits in den 90er Jahren zu einer sehr starken Fokussierung auf das Feindbild "Ausländer" gekommen, führte Richter weiter aus. Dazu sei dann nach 2001 als zweites Bild der Islam als bedrohliche Religion hinzugekommen. "Beides konnte einfach miteinander verwoben werden."
Die Medien sieht Richter dabei in der Verantwortung. "Die klassischen Massenmedien sind nach wie vor ein wesentlicher Treiber dafür, welche Bilder in der öffentlichen Meinung reüssieren können." In den vergangenen Jahren sähen sich viele Medien allerdings eher als Getriebene mit Blick auf Meinungsbildung in den sogenannten sozialen Medien.
hei
Zuerst veröffentlicht 03.09.2026 10:24
Schlagworte: USA, Terrorismus, Medien, Islam, INT
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