Markus Lanz: Medien sollten sich mit der AfD auseinandersetzen - epd medien

03.09.2026 12:34

Keine Ausgrenzung von AfD-Vertretern, aber inhaltliche Auseinandersetzung mit deren Positionen: Dafür plädiert ZDF-Moderator Markus Lanz in einem Interview mit der "Zeit".

Talkshow-Moderator Markus Lanz

Hamburg (epd). Der Talkshow-Moderator Markus Lanz lehnt eine Ausgrenzung von AfD-Politikern ab. "Ich erlebe oft, dass man AfD-Politikern nicht einmal die Hand gibt. Das hat etwas Ideologisches, Verhärtetes und befremdet mich", sagte Lanz der Wochenzeitung "Die Zeit". Sein journalistisches Selbstverständnis laute: "Wir sind doch Journalisten! Wir reden erst einmal mit jedem."

Zugleich plädierte Lanz in der am Donnerstag erschienen "Zeit"-Ausgabe dafür, sich inhaltlich stärker mit den AfD-Positionen auseinanderzusetzen. "Wenn wir jedes konservative Argument den Rechten überlassen, ist es irgendwann ein rechtes Argument. Wir sollten uns den Diskurs zurückholen. Möglichst unideologisch, möglichst faktenbasiert." Durch die dauerhafte Ausgrenzung habe die AfD ihren Auftritt in den sozialen Medien "so perfektioniert, dass die anderen Parteien kaum eine Chance haben".

Angst vor weiterer Radikalisierung

Persönlich sei er in seiner Sendung "angstfrei", sagte Lanz der "Zeit". Angst könne er sich bei seiner Arbeit nicht leisten: "Sonst könnte ich im entscheidenden Moment nicht ein bisschen härter rangehen." Mit Blick auf die politische Rechte in den USA und Europa äußerte sich der ZDF-Moderator jedoch besorgt. "Davor habe ich tatsächlich Angst: dass etwas nachkommt, das noch viel radikaler ist." In den USA seien die jungen Rechten, die derzeit hochkämen, bereits an einem Punkt, an dem ihnen selbst Donald Trump "zu soft" sei.

Lanz moderiert seit 2008 im ZDF die Talkshow "Markus Lanz", die in der Regel dreimal wöchentlich zu sehen ist. In der Talkshow sei er nicht "auf Krawall aus", sagte Lanz der "Zeit". Es gebe auch keine Vorgaben vom Sender, welche Positionen in der Sendung vertreten werden dürften und welche nicht. Nach Angaben des ZDF hat Lanz in den mehr als 17 Sendejahren Tausende Interviews geführt.

Im Interview mit der "Zeit" sagte Lanz, er habe dem Fernsehen immer misstraut. Schon bei seiner Zeit bei RTL sei es ihm wichtig gewesen, hinter den Kulissen Karriere zu machen: "Jemanden vor die Kamera zu holen, ist ein völlig willkürlicher Akt. Aber genauso willkürlich kann man wieder ins Großraumbüro gesetzt werden."

jup/dir



Zuerst veröffentlicht 03.09.2026 14:34 Letzte Änderung: 03.09.2026 16:03

Schlagworte: Medien, Fernsehen, ZDF, Talkshows, Lanz, NEU

zur Startseite von epd medien