03.09.2026 13:43
Paris/Valletta (epd). Reporter ohne Grenzen (RSF) hat empört auf den Freispruch des maltesischen Unternehmers Yorgen Fenech reagiert. Dem Unternehmer war vorgeworfen worden, er sei Drahtzieher des Mordes an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia gewesen. Ein Gericht in Valletta sprach Fenech am Mittwoch vom Vorwurf der Beteiligung an dem Verbrechen frei. RSF fordert die maltesische Regierung auf, Maßnahmen zum Schutz von Journalisten und der Medienfreiheit zu ergreifen. Auch das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) äußerte sich enttäuscht über den Freispruch.
Der Leiter des Prager Büros von RSF, Pavol Szalai, sagte, der Freispruch zeige, dass die maltesischen Behörden bei der Suche nach den Drahtziehern hinter dem Mord versagt hätten. Für die Familie von Caruana Galizia sei es sehr schmerzhaft zu sehen, dass der Mann, dem vorgeworfen wurde, er habe den Mord an der Journalistin in Auftrag gegeben, nun als unschuldig gelte. Szalai forderte Gerechtigkeit und beklagte, dass die maltesische Regierung keine Maßnahmen ergriffen habe, um Journalisten besser zu schützen.
Daphne Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 durch eine Autobombe auf Malta getötet worden. Die Journalistin hatte nach Angaben von RSF zuletzt über Korruption in Zusammenhang mit einem auf Malta geplanten Gaskraftwerk berichtet.
Fenech war Direktor des Kraftwerkkonsortiums. Er war 2019 festgenommen worden, nachdem sein Chauffeur ausgesagt hatte, dass er als Vermittler zwischen Fenech und den Auftragsmördern tätig gewesen sei. Fenech wiederum beschuldigte nach Medienberichten den Stabschef des damaligen Ministerpräsidenten von Malta, er sei der Drahtzieher des Mordes gewesen. In den Jahren 2021 bis 2025 wurden insgesamt fünf Männer wegen Beteiligung an dem Mord an der Journalistin verurteilt.
Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen stimmten acht der neun Geschworenen in Valletta für den Freispruch von Fenech. Der Prozess hatte am 1. Juli begonnen.
Atmosphäre der Straflosigkeit
Ein 2021 veröffentlichter Untersuchungsbericht zu dem Mord an Caruana Galizia war zu dem Schluss gekommen, dass die maltesische Regierung eine "Atmosphäre der Straflosigkeit" geschaffen habe, die sie mitverantwortlich für die Tat mache. RSF warf der Regierung vor, dass sie die in dem Bericht vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz von Journalisten bis heute nicht umgesetzt habe.
Das ECPMF im Leipzig beklagte, die maltesische Regierung habe zweifach versagt: Sie habe die Journalistin nicht geschützt, als sie noch lebte und sie habe es nicht geschafft, nach dem Mord Gerechtigkeit herzustellen. Dies sei eine verstörende Botschaft. Das Zentrum forderte die maltesische Regierung auf, Maßnahmen umzusetzen, die sicherstellten, dass keine weiteren Journalisten in Malta getötet würden.
Malta belegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen derzeit Platz 67 von 180 Ländern, das ist der fünftschlechteste Platz unter den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union.
dir
Zuerst veröffentlicht 03.09.2026 15:43 Letzte Änderung: 03.09.2026 16:09
Schlagworte: Medien, Journalismus, Pressefreiheit, Malta, Justiz, Roether, NEU
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