Die Biene, die von Kindern geliebt wird - epd medien

05.09.2026 13:15

Vor 50 Jahren summte die "kleine freche schlaue Biene Maja" zum ersten Mal über die deutschen Fernsehbildschirme. Bis heute ist die Biene aus der ZDF-Zeichentrickserie eine beliebte Identifikationsfigur für Kinder: neugierig, offen und mutig.

ZDF und Kika feiern 50 Jahre "Biene Maja"

Seit 2013 gibt es "Die Biene Maja" in einem digital animierten Format

epd "Maja, alle lieben Maja", heißt es in Karel Gotts Titellied zum Zeichentrick-Klassiker "Biene Maja". Und zumindest mit Blick auf die Zielgruppe ist das nicht übertrieben: Als das ZDF vor 50 Jahren mit der Ausstrahlung der in Japan produzierten Serie begann, schauten regelmäßig drei bis vier Millionen Kinder zwischen drei und 13 Jahren den Abenteuern von Maja und ihren Freunden zu. Die am 9. September 1976 gestartete erste Staffel war derart erfolgreich, dass der Sender 52 weitere Folgen in Auftrag gab.

Unter den begeisterten Kindern war auch Michael Stumpf. Beim Start der Serie war er fast vier Jahre alt, seit acht Jahren leitet er die ZDF-Hauptredaktion Kinder und Jugend. "Maja", erzählt er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), "gehört tatsächlich zu den ikonischen Figuren meiner Kindheit". Der Titelsong sei "Kindheits-Soundtrack". Er sagt: "Maja ist einfach ein tolles Vorbild. Sie begegnet der Welt mit Neugier, Mut, Offenheit und Toleranz. Sie stellt Fragen, entdeckt Neues und zeigt, dass auch die Kleinsten etwas bewegen können."

Optimismus, Abenteuerlust und Staunen über die Natur

In Koproduktion mit dem französischen Sender TF1 gab das ZDF Jahrzehnte später eine Neuauflage als digitale Animationsserie in Auftrag, die 2013 erstmals ausgestrahlt wurde, mit einem Titellied von Helene Fischer. Die Digitalisierung stieß nicht überall auf Gegenliebe. Zu den Kritikern gehörte der kürzlich verstorbene Josef Göhlen, einst ein Vorgänger Stumpfs als Leiter der Kinder- und Jugendredaktion im ZDF und "Vater" der Original-Maja. Für Göhlen war die Neuauflage eine "Verunstaltung": Den "vorsichtigen Pinselstrich" des Originals "hat das lautstarke bunte Pixel ersetzt, die normale authentische Sprache wurde gegen eine kindlich-kindische ausgetauscht".

Dem Erfolg der neuen Fassung tat das keinen Abbruch, es gab drei weitere Staffeln. Stumpf erklärt die ungebrochene Faszination für die Serie mit der typischen "Mischung aus Optimismus, Abenteuerlust und dem Staunen über die Natur." Maja stehe "für Freundschaft, Zusammenhalt und den respektvollen Umgang miteinander, selbst über vermeintliche Grenzen und Unterschiede hinweg." Diese Eigenschaften machten die Figur und das Setting seit Jahrzehnten so nahbar und relevant: "Jede Generation kann darin etwas Eigenes für sich entdecken: den Wunsch, die Welt zu erkunden, Freundschaften zu schließen und seinen eigenen Weg zu finden."

Attraktive Identifikationsfigur für Kinder

Medienwissenschaftlerin Maya Götz leitet beim Bayerischen Rundfunk das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen. Maja, sagte sie dem epd, symbolisiere "als kleines Wesen in einer geschäftigen Welt", wie sich viele Kinder fühlten. Und sie zeige, wie aus einer vermeintlichen Schwäche Stärke werden könne: "Maja hilft ihren Freunden und anderen Wesen, wenn sie in Not sind, und erweist sich dabei immer wieder als ausgesprochen kompetent." Darüber hinaus sei sie in eine feste Freundesgruppe eingebunden, sie werde allseits gemocht und wertgeschätzt. Das mache sie zu einer besonders attraktiven Identifikationsfigur.

Die Medienforscherin hat "ein interessantes Phänomen in der Rezeption" erkannt: Lieblingsfigur der Kinder neben Maja ist ihr Freund Willi, der in den 1912 und 1915 erschienenen "Biene Maja"-Romanen von Waldemar Bonsels gar nicht vorkommt und erst für die TV-Serie entwickelt wurde. Willi ist nicht besonders helle und somit das Gegenstück zu seiner Freundin. Auf Maja projizierten die Kinder laut Götz die anerkannten eigenen Eigenschaften und Stärken, für alles andere müsse Willi herhalten.

Keine Angst vor Spinne Thekla

Wie Göhlen sieht auch Götz deutliche Unterschiede zwischen dem Klassiker und der computeranimierten neueren Version: Das Original sei damals mit Blick auf Grundschulkinder konzipiert worden. Einige Folgen hätten lebensbedrohliche und entsprechend spannende Szenen enthalten, etwa wenn die Spinne Thekla Maja oder einen ihrer Freunde fange. Bei Befragungen hätten Erwachsene im Rückblick berichtet, dass ihnen das als Kind durchaus Angst gemacht habe.

Die Neuverfilmung hingegen richte sich auch an Kinder im Vorschulalter: "Die Staffeln enthalten daher kaum beängstigende Momente und sind etwas humorvoller angelegt." Die Medienwissenschaftlerin betont jedoch: Gerade die Ecken und Kanten der ersten Serie hätten für viele Kinder im Grundschulalter ihren Reiz gehabt.

infobox: Anlässlich des Jubiläums hat der Kika zum 1. September das "Biene-Maja"-Angebot auf kikaninchen.de, in der Kikaninchen-App sowie in der Kika-App um Mitmachaktionen und Hintergrundwissen rund um Maja und Bienen erweitert. Auf kikaninchen.de können Kinder Maja in einer sogenannten "Themenwelt" entdecken, mit Videos und Filmen, Figurenporträts, Gewinnspiel und Rätseln. Am Sonntag, 6. September, zeigt das ZDF ab 6 Uhr vier Folgen der Animationsserie aus dem Jahr 2013, um 6.50 Uhr folgt der Zeichentrickfilm "Die Biene Maja - Ihre schönsten Abenteuer". Auch in den folgenden Kindersendungen geht es um die Welt der Bienen. Ab 9.25 Uhr setzt der Kika das Jubiläumsprogramm fort.



Zuerst veröffentlicht 05.09.2026 15:15

Tilmann Gangloff

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kinder, Geschichte, ZDF, Zeichentrick, Biene Maja, Gangloff

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