07.09.2026 06:10
Bielefeld (epd). Der Kultstatus der vor 60 Jahren gestarteten Fernsehserie "Raumpatrouille" beruht nach Einschätzung des Filmexperten Georg Seeßlen auch auf ihrer "gestalterischen Naivität" und den "oft unfreiwillig komischen Dialogen". Was die Serie heute noch sehenswert mache, sei der Spaß der Beteiligten, sich einmal mit ganzem Herzen dem "Trivialen" und Fantastischen hinzugeben, sagte Seeßlen dem epd. Man sehe in jeder Szene das Gemachte, die Kulisse. "Dass sich 'Orion' trotz Beschränkungen und Improvisationen selbst so ernst nahm, das ist im Nachhinein das Unterhaltsame daran."
Mit "Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion" startete am 17. September 1966 die erste deutsche Science-Fiction-Serie im deutschen Fernsehen. Nur wenige Tage vorher war in den USA bereits die erste Folge von "Star Trek" zu sehen, die in Deutschland 1972 unter dem Titel "Raumschiff Enterprise" gezeigt wurde.
Im Gegensatz zu "Star Trek" habe die von der ARD produzierte "Raumpatrouille" eher konservative Vorstellungen bedient, sagte Seeßlen. Die deutsche Serie sei "weit hinter dem Anspruch des Genres" zurückgeblieben. Die militaristische Organisation, der ziemlich deutliche Sexismus und der vorherrschende Kommando-Ton habe sie "zu einer Art deutscher 'Anti-Star-Trek'" gemacht: "Vielleicht macht die Serie sogar unfreiwillig deutlich, wie sehr die deutsche Unterhaltung noch im autoritären und konservativen Geist der Nachkriegszeit steckte."
Dabei habe "Raumpatrouille" versucht, ein "futuristisches" Bild zu liefern, sagte Seeßlen. Wahrscheinlich spiele das Design auch eine Rolle dabei, dass man die Serie auch heute noch gern ansehe. Während "Star Trek" beständig Verhaltens- und Gesellschaftsmodelle ausprobiert habe, habe es bei der deutschen TV-Serie "nur dieses 'Wir gegen die anderen'" gegeben. Die Science-Fiction-Serie habe in den 60er Jahren in eine Zeit gepasst, in der sich das deutsche Fernsehen den aus damaliger Sicht "niedereren" Genres und Medien der Popkultur zu öffnen versucht habe, erklärte der Filmkritiker und Autor.
Die Schwarz-Weiß-Serie "Raumpatrouille" mit Dietmar Schönherr als Major Cliff Allister McLane und Eva Pflug als Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk erzielte zum Teil Einschaltquoten von über 50 Prozent. Im Jahr 2003 wurde für das Kino ein Zusammenschnitt mehrerer Folgen unter dem Titel Raumpatrouille "Orion - Rücksturz ins Kino" veröffentlicht.
lwd
Zuerst veröffentlicht 07.09.2026 08:10 Letzte Änderung: 07.09.2026 09:10
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Serien, Geschichte, INT, NEU
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