07.09.2026 08:49
Podcast "Springerstiefel - Alpha oder Opfer?" in ARD Sounds
epd Der ARD-Podcast "Springerstiefel" der Hosts Hendrik Bolz und Don Pablo Mulemba beschäftigt sich mit dem Wiedererstarken des Rechtsextremismus im Osten Deutschlands. Jedenfalls tat er das in den ersten beiden Staffeln. Alles gesagt? Ansichtssache. Kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern und angesichts der starken Umfragewerte der AfD in den beiden Ländern hätte man ruhig im Osten bleiben können. Aber die Macher des Ende August veröffentlichten Podcasts haben es sich trotz offensichtlicher Aktualität anders überlegt: Die dritte Staffel mit dem Titel "Alpha oder Opfer?" erweitert den Blick und richtet ihn auf die sogenannte Manosphere, die ihre Wirkmacht zuerst im Internet entfaltet, aber dort nicht Halt macht.
Unter Manosphere versteht man eine Internetblase, in der es vor allem um Männlichkeit geht, um Disziplin also, Härte, Fitness - was sonst? Frauen kommen in dieser Blase vor allem als männliche Projektionen vor: Sie sollen gefügig sein und sich unterordnen, Männern gefallen. Die zentrale These des Podcasts ist, dass es ideologische Gemeinsamkeiten der Manosphere mit Rechtsextremismus gibt. In beiden Milieus fänden junge Männern einfache Antworten auf die komplexe Frage "Welcher Mann möchte ich sein?".
Diese Verbindung kommt nicht von ungefähr. Autorinnen wie Veronika Kracher betonen seit Jahren die unheilige Allianz zwischen Frauenhass, Antifeminismus und Rechtsextremismus. Dennoch wird im Podcast der Erläuterung dessen, was beide miteinander verbindet, zu wenig Platz eingeräumt. Eher beiläufig verweisen die Hosts zum Beispiel darauf, dass es in der Manosphere ähnliche Männlichkeitsideale gibt wie bei einzelnen AfD-Politikern.
Das ist eine Schwäche des Podcasts, denn starke Thesen benötigen starke Argumente. Und die Macher setzen viel an Vorwissen voraus. Damit stellt sich auch die Frage nach der Zielgruppe. Für Menschen, die noch nie von Andrew Tate, einem der wichtigsten Akteure der Manosphere gehört haben, ist der Podcast zu voraussetzungsvoll. Für internet- oder feminismusaffine Menschen ist das sicherlich anders. Aber wen will man mit dieser Staffel des Podcasts erreichen?
Dennoch ist Staffel drei des Podcasts wie die beiden ersten sehr hörenswert. Wie in Staffel eins und zwei treffen Bolz und Mulemba mehrere Protagonisten und eine Protagonistin, die pars pro toto für die Suche nach Identität, Zugehörigkeit und politischen Überzeugungen stehen. Die Hosts kommen diesen sehr nah. Selten zeigen sich Männer so verletzlich, ehrlich und geläutert. Es sind starke Persönlichkeiten, auch und gerade deshalb, weil sie Schwäche zeigen und man ihnen bei der Reflexion, aber auch bei der schmerzhaften Identitätssuche zuhören darf.
Bolz und Mulemba geben sich auch in Staffel drei persönlich und reflektiert. Es sind große Hörmomente, wenn eigene Sexismen infrage gestellt werden oder sie sich eingestehen, dass die männlichen Idealvorstellungen - Nicht weinen! Immer stark sein! Keine Gefühle zeigen! - zu Depressionen führen können. Vielleicht liegt die Stärke solcher Podcasts weniger in der analytischen Stringenz als in der Fähigkeit, emotionale Resonanz hervorzurufen.
infobox: "Springerstiefel - Alpha oder Opfer?", fünfteilige dritte Podcast-Staffel mit Hendrik Bolz und Don Pablo Mulemba, Regie: Dena Zarrin, Julius Wußmann, Buch: Dena Zarrin, Judith Geffert, Kiana Lensch, Julius Wußmann, Produktion: ACB Stories (ARD Sounds/MDR/NDR/RBB, seit 18.8.26)
Zuerst veröffentlicht 07.09.2026 10:49
Schlagworte: Medien, Internet, Kritik, Kritik.(Internet), Podcast, Rechtsextremismus, Männer, Frauen, Bolz, Mulemba, Zarrin, Wußmann, Geffert, Lensch, ema
zur Startseite von epd medien