08.09.2026 07:10
Köln (epd). Der WDR-Rundfunkrat plant, seine Sitzungen künftig im Livestream zu übertragen. Das Erweiterte Präsidium werde dafür einen entsprechenden Beschlussvorschlag ins Plenum einbringen, teilte die Geschäftsstelle des Rundfunkrats dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Neben der formellen Entscheidung sei wichtig, dass die Konferenztechnik des neuen Sitzungssaals im generalsanierten WDR-Filmhaus einsatzbereit sei. Im besten Fall könnten das bis zur Konstituierung des neuen Rundfunkrats am 2. Dezember der Fall sein. Diese Sitzung könne dann die erste live gestreamte sein.
Über das Internet könnten die Rundfunkratssitzungen "noch einfacher und barrierefreier für die Öffentlichkeit" zugänglich gemacht werden, teilte die Geschäftsstelle mit. Der WDR-Rundfunkrat tagt ab seiner nächsten Sitzung am 16. September in Köln nicht mehr im Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museums, sondern im sanierten Filmhaus des WDR. Seit August läuft im WDR der Umzug in das Gebäude, dessen Umbau zwei Jahre länger dauerte als geplant und rund 240 Millionen Euro kostete.
Der Sitzungssaal, den der Rundfunkrat dort nutzt, ist mit Kameras ausgestattet, die digital mit den Tischmikros verknüpft sind, sodass sie sich bei einer Wortmeldung vollautomatisch auf die sprechende Person ausrichten. Es werde zunächst noch interne Testläufe geben, um die Qualität des Streamings abzusichern, erklärte die Geschäftsstelle des Rundfunkrats. Bei den Übertragungen entstünden "keine nennenswerten direkten Kosten", da alles über die vorhandene interne Infrastruktur des WDR laufe.
Bislang hatte der Rundfunkrat auf ein Streaming verzichtet, weil sich dies am früheren Tagungsort technisch nur mit hohen Zusatzkosten hätte umsetzen lassen. Nach Angaben der Geschäftsstelle ist derzeit nicht geplant, die Sitzungsvideos nachträglich zum Abruf anzubieten. Damit wolle das Gremium unter anderem der Gefahr von Missbrauch vorbeugen. Die unerlaubte Nutzung der Videos oder die Verbreitung von aus dem Kontext gerissenen Ausschnitten könnten "eine hemmende Wirkung auf die freie Mandatsausübung der ehrenamtlichen Gremienmitglieder haben", teilte die Geschäftsstelle mit. Das entspreche den Regeln vor Ort, wo ebenfalls keine Aufzeichnungen zulässig seien. Wenn künftig die Sitzungen des Rundfunkrats gestreamt werden, sei es weiterhin möglich, auch vor Ort an den Sitzungen teilzunehmen.
Bislang übertragen sieben der elf Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ihre Sitzungen im Netz: die Rundfunkräte von BR, HR, NDR, RBB, SR und SWR sowie der ZDF-Fernsehrat. Der WDR-Rundfunkrat kommt dann als achtes Gremium hinzu. Die Rundfunkräte des MDR und von Radio Bremen sowie der Deutschlandradio-Hörfunkrat teilten auf Anfrage des epd mit, sie hätten weiterhin nicht vor, ihre Sitzungen zu streamen.
Die Geschäftsstelle des Gremienbüros von Radio Bremen verwies darauf, dass es bisher "praktisch kein" Interesse daran gebe, die Sitzungen im Netz verfolgen zu können. Daher verzichte der Rundfunkrat darauf, den Sender mit hohen Kosten für eine technisch qualitätsvolle Live-Übertragung zu belasten. Das MDR-Gremienbüro erklärte, der Rundfunkrat habe 2024 mehrheitlich entschieden, seine Sitzungen nicht zu streamen. Seitdem sei das Thema im Rundfunkrat nicht erneut diskutiert worden. Auch der Deutschlandradio-Hörfunkrat beriet darüber zuletzt 2024. Das Gremienbüro teilte mit, damals habe sich das Gremium mehrheitlich dafür ausgesprochen, bis auf Weiteres die Sitzungen nicht online zu übertragen.
vnn
Zuerst veröffentlicht 08.09.2026 09:10
Schlagworte: Medien, Rundfunk, Aufsicht, WDR, Rundfunkrat, vnn
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