08.09.2026 11:21
Köln (epd). Der Philosoph Richard David Precht fordert ein "gesellschaftliches Brainstorming ohne Denkverbote", um die aktuellen technologischen und politischen Herausforderungen zu bewältigen. Die deutschen Leitmedien müssten sich davon verabschieden, sofort mit Empörung zu reagieren, "wenn sich jemand mal einen Cursor-Klick vom gesellschaftlichen Mainstream entfernt", sagte Precht am Dienstag beim Kongress "Digital X" der Deutschen Telekom in Köln. Die "kühne, mutige Idee" müsse mehr gewürdigt werden.
Der nötige Wandel in der Politik müsse durch einen Wandel in den Medien begleitet werden, sagte der 61-jährige Bestseller-Autor. Precht bezeichnete die Revolution durch Künstliche Intelligenz (KI) als "Beginn des zweiten Maschinenzeitalters". Wenn Maschinen Fähigkeiten des menschlichen Geistes übernähmen, bedeute dies "das Ende der Gesellschaft, wie wir sie kannten". Doch diese Revolution werde derzeit nicht angenommen, obwohl die Zeit knapp werde: "Wir haben noch zehn Jahre Zeit, um die liberale Demokratie gut umzubauen."
Gelinge dies nicht, drohe eine Re-Feudalisierung, weil riesige Macht bei nur wenigen großen Tech-Konzernen liege, warnte Precht. Er nannte Beispiele für politische Maßnahmen, mit denen gegengesteuert werden könnte. So sei es denkbar, Bundestagswahlen nur alle sieben Jahre und ohne Wiederwahl-Möglichkeit abzuhalten. Im Steuersystem müssen dem Umstand Rechnung getragen werden, dass weniger Menschen arbeiten und Maschinen viele Aufgaben übernehmen. Eine Besteuerung der Maschinenarbeit könne etwa über eine Besteuerung der Unternehmensgewinne erreicht werden.
Beim Kongress "Digital X Köln" der Deutschen Telekom diskutierten Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über die digitale Zukunft. Im Fokus standen Chancen und Herausforderungen durch KI.
rid
Zuerst veröffentlicht 08.09.2026 13:21 Letzte Änderung: 08.09.2026 14:05
Schlagworte: Medien, Kongresse, Digitalisierung, NEU
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