11.09.2026 07:45
Prime-Video-Comedyshow "LOL Next" mit Hazel Brugger
epd Millionen Klicks hier, Millionen Follower dort. Wenn junge Comedians aus dem Internet vorgestellt werden, kommt ein kurzer Schnelldurchlauf durch ihr bisheriges Schaffen nicht ohne das inzwischen obligatorische Stakkato beeindruckend hoher Reichweitenzahlen aus. Wie sonst erklärt man einem Massenpublikum die manchmal nur fragmentierte Prominenz, die Online-Ulknudeln wie Aditotoro, Selfiesandra, Helge Mark oder Alina Bock auf Plattformen wie Instagram, Tiktok oder Youtube erlangen konnten?
Dass Prime Video nach sieben Staffeln der Show "LOL: Last One Laughing", in denen überwiegend aus dem Massenmedium Fernsehen bekannte Comedians und Entertainer teilgenommen haben, nun auch jüngeren, im Internet groß gewordenen Comedians ein eigenes Spinoff des Formats spendiert, liegt auf der Hand. Eine immense Anzahl an Fans dürfte diesen Social-Media-Talenten ins Streamingportal von Amazon folgen, um ihnen dort dabei zuzusehen, wie sie einerseits versuchen, ihre Kontrahenten mit absurden Sketchen und spontaner Schlagfertigkeit zum Lachen zu bringen, und sich andererseits bemühen, bloß nicht selbst zu lachen.
Im Spinoff "LOL Next", das nun gestartet ist, wird das allmählich zur Genüge durchgespielte Grundprinzip aus "LOL" weitgehend beibehalten: Zehn Stars verbringen mehrere Stunden gemeinsam in einem Raum und scheiden aus, sobald sie lachen oder auch nur lächeln. Die strengen Regeln wurden im Vergleich zum Ursprungsformat noch verschärft: Die Kandidaten haben nur noch ein statt zwei "Leben", müssen die Show also tatsächlich schon beim ersten Lachen verlassen. Das führt dazu, dass sich das Teilnehmerfeld gnadenlos schnell ausdünnt und bereits nach vier statt wie bislang sechs Episoden feststeht, wer als Staffelsieger 50.000 Euro für den guten Zweck gewinnt. Mit dem höheren Tempo geht ein höherer Verschleiß einher.
"Es ist so ein fürchterliches Spiel, weil man die Leute dafür bestraft, dass sie das Schönste auf der Welt machen, nämlich lachen", fasst Moderatorin Hazel Brugger das Format zutreffend zusammen, als sie einen der Kandidaten aus dem Spiel nehmen muss, nachdem dieser es wagte, seine Mundwinkel zu heben. Und tatsächlich nimmt man es ihr ab, dass sie das rasche Ausscheiden der Teilnehmer bedauert, zumal ein noch so dezentes Lächeln genügt, um von den über 40 Kameras im Studio erwischt zu werden. Sichtlich genießt Brugger ihre Rolle als Spielleiterin im Nebenraum, wo sie mit den bereits ausgeschiedenen Teilnehmern zwanglos lachen darf. Ihr Lachen wirkt ehrlicher und weniger aufgesetzt als bei "LOL"-Stammmoderator Michael Bully Herbig.
Eigentliches Herzstück von "LOL Next" sind wie im Ursprungsformat aber die vielen Sketche und Aufführungen, die entweder von den Kandidaten selbst oder von Gaststars zum Besten gegeben werden. Zwischen Fremdschämnummern wie Paulomucs Pastasorten-Lied oder Freshtorges irischem Stepptanzauftritt im zu knappen neongrünen Tank Top, Aditotoros pointiertem Kurzreferat über seine Schweizer Heimat und Susanne Daubners Gastauftritt als berufsjugendliche "Ehrenfrau von der Yoloschau" ("Hey, was geht, ihr NPCs") liegen mitunter Welten an Raffinesse, Absurdität und letztlich auch Lustigkeit. Die Chancen stehen gut, dass Zuschauer zumindest über manches lachen - und so vielleicht das ein oder andere jüngere Talent erstmals wahrnehmen.
Der Spaß, den Kandidaten dabei zuzusehen, wie sie sich das Lachen zu verkneifen versuchen, indem sie Grimassen schneiden, auf Süßigkeiten kauen oder nervös quer durch den Raum eilen, legt sich hingegen rasch. Manchmal wünscht man sich sogar, die Teilnehmer könnten endlich lachen, damit manch ein - wie Susanne Daubner sagen würde - Cringe-Moment nicht in peinlicher Stille versandet. Zusätzliche Gimmicks wie der Bildschirm an der Kühlschranktür, der aus Standbildern der Kandidaten erstellte Memes zeigt, zünden leider gar nicht.
Ob es "LOL Next" als eigenes Spinoff für junge Online-Stars gebraucht hätte, da doch "LOL" nach fünf Jahren schon an ständig wiederkehrenden Comedians und damit redundanten Casts leidet, ist fraglich. Humor mag zwar auch eine Generationenfrage sein, aber der Ulk aus "LOL Next" hätte gern aus seiner Content-Creator-Blase ausbrechen und sich mit etablierten Talenten der deutschsprachigen Comedyszene messen dürfen.
infobox: "LOL Next", vierteilige Comedyshow mit Hazel Brugger, Regie: Ladislaus Kiraly, Produktion: Constantin Entertainment (Prime Video, seit 10.9.26)
Zuerst veröffentlicht 11.09.2026 09:45
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KPrime Video, Comedy, Brugger, Respondek
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