12.09.2026 10:15
ZDF-Krimi "Die Polizistin und die Todesstille" von Lars Becker
epd Mit dem zweiten Film, in dem Thelma Buabeng die BKA-Ermittlerin Gloria Acheampong spielt, ist "Die Polizistin" dort gelandet, wo sich die Geschichten von Autor und Regisseur Lars Becker meistens entwickeln: in der Großstadt. Während Beckers langjährige ZDF-Reihe "Nachtschicht" in Hamburg spielt, ermittelt Acheampong nun im Frankfurter Bahnhofsviertel. Vor zwei Jahren tauchte sie zur Premiere der neuen Reihe noch an der friesischen Nordseeküste auf. Ihr Spielfeld ist also weiträumig angelegt. Was kommt als Nächstes? Bayern? Sachsen-Anhalt?
Auch im hessischen Drogenmilieu ist Acheampong die souveräne Herrin der Lage - soweit das in einem Becker-Krimi mit seinen irrlichternden Typen möglich ist. Dabei hat die Kommissarin einen persönlichen Verlust zu verkraften. Denn der Tote, der erschossen im Kofferraum eines Autos auf dem Land entdeckt wird, ist ein ehemaliger Freund, der zuletzt als verdeckter Drogen-Ermittler und als Barkeeper in einem Nachtclub gearbeitet hat. Am Fundort ist sie sichtlich erschüttert, was auch ihrem Chef Boris Lambert (Tobias Oertel) nicht entgeht.
Es entspinnt sich folgender Schlagabtausch: "Du kennst ihn?" - "Ja, ich kenne ihn." - "Kennst du ihn gut?" - "Ich kenne ihn gut." - "Du kennst ihn besser als gut." - "Ja, besser als gut." - "Dann muss ich dich von dem Fall wieder abziehen." - "So gut auch wieder nicht." - "Was also?" - "Nur vom Sehen." Der lakonisch-absurde Dialog ist bezeichnend: Die Figuren reden derart knapp und prägnant, dass ihre Drehbuch-Sätze mühelos in Sprechblasen passen würden. Auch sonst meint man häufig das Storyboard buchstäblich vor Augen zu haben. Ein Film wie ein Comic.
"Die Polizistin und die Todesstille" ist also nicht still, dafür aber voller tragikomischer Figuren und Einfälle, ein ereignis- und wendungsreicher Krimi, direkt, schnell, unvermittelt und ohne den Ballast allzu großen psychologischen Tiefgangs. Ein bisschen unverfroren auch, denn das Spiel mit dem Zufall wird hier nicht verschämt bemüht, weil dem Autor nichts Besseres einfiel, sondern selbstbewusst an den Anfang gesetzt.
Acheampong ist gerade aus ihrem Urlaub in Ghana zurückgekehrt und plaudert noch im Flughafen-Shuttle mit Flugbegleiterin Emma Caspari (Haley Louise Jones). Wenig später begegnen sich beide in einer Villa auf dem Land im Taunus wieder. Emma und ihr drogensüchtiger Mann Nikki (Marc Benjamin), ein früher erfolgreicher DJ, wollen das Haus eines prominenten Rappers kaufen. Allerdings wird das Auto mit dem ermordeten Polizisten in Sichtweite gefunden. Natürlich ist das kein Zufall.
Die Handlung ähnelt dem Flug, den die Kommissarin und die Flugbegleiterin gerade hinter sich haben: Es gibt Turbulenzen und ein ständiges Auf und Ab. Und wie häufig bei Lars Becker sind es die Frauen, die in einem Umfeld krimineller, vollgedröhnter, korrupter oder kindischer Männer den Überblick bewahren, Vernunft walten lassen oder sich erfolgreich zur Wehr setzen.
Gloria Acheampong, von Thelma Buabeng wunderbar unaufgeregt und klar gespielt, ist inmitten des herausragenden, divers zusammengestellten Ensembles der unerschütterliche Ruhepol. Der Kommissarin mit der imposanten Statur verleiht sie eine Ausstrahlung und Autorität, die über jeden Zweifel erhaben ist und jeden Türsteher mühelos weichkocht.
Dass sie schwarz ist, erleichtert bisweilen den Zugang zu anderen Protagonisten, die ebenfalls der People-of-Color-Community angehören. Sonst aber spielen Herkunft und Hautfarbe keine Rolle, denn Beckers Figuren, egal ob schwarz oder weiß, sind alles mögliche, nur nicht langweilig.
infobox: "Die Polizistin und die Todesstille", Krimi, Regie und Buch: Lars Becker, Kamera: Alexander Sachs, Produktion: Studio Zentral (ZDF-Mediathek, seit 12.9.26, ZDF, 21.9.26, 20.15-21.45 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 12.09.2026 12:15
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Krimi, Becker, Gehringer
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