Montenegro: Gericht untersagt Verkauf von Medien an Alpac Capital - epd medien

14.09.2026 06:59

Das Handelsgericht von Montenegro hat einen Medien-Deal gestoppt. Vorkaufsrechte von Minderheitsaktionären blockieren den Verkauf der Mediengruppe Daily Press und des Fernsehsenders TV Vijesti an den portugiesischen Fonds Alpac Capital (AC), der auf dem Balkan im großen Stil einkauft. Kritiker sorgen sich um die Unabhängigkeit der Medien.

Podgorica (epd). Mittels einstweiliger Verfügungen hat das Handelsgericht von Montenegro der Luxemburger United Media (UM) Ende August die Veräußerung ihrer Mehrheitsbeteiligungen an der montenegrinischen Mediengruppe Daily Press und dem Fernsehsender TV Vijesti an den portugiesischen Investmentfonds Alpac Capital (AC) vorerst verwehrt. AC betreibt auch den TV-Sender Euronews.

Einem Bericht des zu Daily Press gehörenden Onlineportals "Vijesti" zufolge untersagte das Gericht in Podgorica United Media die für den 9. September angesetzte Abhaltung einer außerordentlichen Hauptversammlung, auf der die Eigentumsübertragung der montenegrinischen Medien an das Adria News Network (ANN) beschlossen werden sollte. Im Februar hatte United Media 14 Medienbeteiligungen in Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Slowenien, Kroatien und Serbien im Adria News Network gebündelt, um sie im Paket an Alpac Capital zu verkaufen.

Minderheitsaktionäre machen Vorkaufsrechte geltend

Während die serbische Wettbewerbsbehörde die Übernahme der UM-Medien durch AC bereits billigte, gab das montenegrinische Handelsgericht einer Klage von UM-Minderheitsaktionären statt, die Vorkaufsrechte an den Medien geltend machen. Die Bekanntgabe des Übernahmegeschäfts zwischen United Media und Alpac Capital löste bei Medienschaffenden und in der öffentlichen Debatte in den Balkanländern Befürchtungen um die redaktionelle Unabhängigkeit der betroffenen Medien aus.

In Serbien zählten ANN-Medien wie die TV Sender N1 und Nova S sowie die Tageszeitung "Danas" (Heute) zu den wenigen verbliebenen Medien mit kritischer Haltung gegenüber dem Regime von Staatspräsident Aleksandar Vucic. UM bestritt die Möglichkeit redaktioneller Einflussnahmen der neuen ANN-Eigentümer mit Verweis auf einen Passus im Verkaufsvertrag, der solche ausdrücklich ausschließe.

Satire-Sendung abgesetzt

Am 8. September wurde unterdessen bekannt, dass der TV-Kanal Nova S seine Satire-Sendung "24 Minuten mit Zoran Kesic" einstellt. Die Macher der Sendung werteten dies als Maßnahme im Hinblick auf die für den 25. Oktober angesetzten Parlamentswahlen. "Ich habe den Eindruck, dass die Serie nicht aus finanziellen, sondern aus politischen Gründen abgesetzt wurde", zitierte "Danas" Zoran Kesic.

Vanesa Valcheva von der in Brüssel ansässigen Balkan Free Media Initiative (BFMI) schrieb in einem Artikel für den "EU Observer" unter der Überschrift "Hungary’s Orban-style media takeover playbook lands in Serbia before elections", AC-Geschäftsführer Pedros Vargas David habe dem ungarischen Orban-Regime nahegestanden. Den Kauf von Euronews im Jahr 2022 habe er unter anderem mit ungarischen Staatsgeldern finanziert.

fst



Zuerst veröffentlicht 14.09.2026 08:59

Schlagworte: Montenegro, Balkan, Alpac Capital, fst, Stier, Hintergrund

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