Moderator Ehring: Satire hat es heute schwerer als vor 50 Jahren - epd medien

15.09.2026 06:00

Vor 50 Jahren startete der Norddeutsche Rundfunk die Satiresendung "Extra 3". Ihr derzeitiger Moderator Christian Ehring meint, Satire habe es heute "ungleich schwerer" als in den Anfangsjahren.

Christian Ehring im Studio von "Extrra 3"

Hamburg (epd). Zum 50-jährigen Bestehen der Satiresendung "Extra 3" sieht ihr aktueller Moderator Christian Ehring (53) satirische Formate stärkerer Kritik ausgesetzt als früher. Durch soziale Medien habe der Ärger empörter Zuschauender "eine ganz neue Dynamik" bekommen, sagte Ehring im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Satire habe es heute "ungleich schwerer" als vor einem halben Jahrhundert. "Ein Shitstorm läuft schneller an als man 'Merz' sagen kann."

"Alles, was in irgendeiner Form veröffentlicht, gesendet, gepostet wird, wird heute wahrgenommen und beurteilt", sagte Ehring. Angriffe kämen aus allen Richtungen. "Auch Menschen, die sich als links und progressiv definieren, können extrem ungemütlich werden." Spürbar würden Attacken aber insbesondere, wenn sie orchestriert seien. "Da hatte für mein Gefühl in früheren Zeiten die katholische Kirche das beste Netzwerk. Heute sind es die Rechtspopulisten."

Satire sollte "relevant sein"

Zum Umgang der Redaktion von "Extra 3" mit Hasskommentaren im Netz sagte Ehring: "Was justiziabel ist und menschenverachtend, wird gelöscht." Er selbst werde gelegentlich vom Sender gefragt, ob er persönliche Beleidigungen anzeigen wolle. "Das ist aber nicht mein Stil. Ich finde, wer austeilt, muss auch einstecken können."

Danach gefragt, was für ihn eine gute Satire ausmacht, sagte der Moderator: "Sie sollte witzig sein. Sie sollte überraschend sein. Sie sollte auf wahren Prämissen beruhen, also nicht lügen. Sie sollte relevant sein und irgendeine Form von Erkenntnis bieten."

Satire hat offenbar auch tröstende Funktion.

Über den Sinn und Zweck von Satire sagte Ehring: "Als ich anfing, dachte ich, Ziel der Satire sei es, Gewissheiten zu zertrümmern, anzugreifen, bloßzustellen, aufzuklären und Salz in Wunden zu streuen." Mit fortgeschrittenem Alter stelle er fest: "Satire hat offenbar auch eine tröstende Funktion." Dass Satiriker pointiert zu Dingen Stellung nähmen, die gerade viele in unserer Gesellschaft belasteten, scheine "einen gewissen therapeutischen Effekt zu haben". Menschen fühlten "sich verbunden mit anderen, die ähnlich denken".

"Extra 3" startete am 21. September 1976 im Regionalfernsehen des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Inzwischen ist die Sendung auch im Ersten sowie im Internet ein gefeiertes Format. NDR-Programmdirektor Frank Beckmann sagte: "Von Brücken, die ins Nirgendwo führen bis hin zur großen Weltpolitik - wenn Irrsinn real wird und Politik unverständlich, dann braucht es ‚Extra 3‘." Seit 50 Jahren gelinge es der Sendung, den Blick auf die Welt mit pointierter Satire und zugespitztem Humor zurechtzurücken. "Dabei erfindet sich ‚extra 3‘ immer wieder neu: Im NDR Fernsehen, im Ersten, auf den digitalen Plattformen und vor großem Publikum. Und so wie es aussieht, werden der Redaktion auch in Zukunft die Themen nicht ausgehen."

infobox: Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums zeigt das Erste am Donnerstag, 17. September um 22.50 Uhr die Jubiläumsshow "50 Jahre extra 3 - Die Show" und im Anschluss "50 Jahre extra 3 - Die Doku". Beide Sendungen gibt es auch in der ARD-Mediathek zu sehen.

lnh/dir



Zuerst veröffentlicht 15.09.2026 08:00

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Satire, Ehring, lnh

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