15.09.2026 07:52
ZDF-Serie "Serial Cleaner" mit Aylin Tezel
epd Wenn die kleine Luca (Hanna Heckt) nicht einschlafen kann, singt Mutter Teri (Aylin Tezel) ihr ein Lied: "Luca baute eine Rakete, mit der sie durch die Milchstraße schwebte ..." Nach dem Kinobesuch fragt sie die Tochter: "Hat’s Ihnen gefallen, Commander Luca?" Der Astronauten-Spleen ist der Weg, den beide gefunden haben, damit umzugehen, dass das Mädchen aufgrund einer Immunkrankheit mit Schutzanzug und Helm herumlaufen muss, um sich kein Virus einzufangen. Zu Hause, das heißt in der Wohnung ihrer ebenfalls alleinerziehenden Schwester Alida (Deleila Piasko), hat Teri ein Isolations-Plastikzelt aufgebaut. Eine schwer zu ergatternde Artemis-Studientherapie erscheint als Lucas einzige Chance auf Heilung.
Es grenzt an emotionale Erpressung des Zuschauers, wie herzerweichend Regisseur Andreas Menck diese enge Bindung und den Löwinnen-Kampf der Mutter um die Gesundheit ihres einzigen Kindes inszeniert. Oft zoomt die Kamera nah ans Gesicht von Aylin Tezel, zeigt, wie sich ihre Augen mit Tränen füllen, während sie gleichzeitig der Tochter Zuversicht vermittelt. Könnte es etwas geben, das man diesem tapferen Duo nicht verzeihen würde?
Voilà, hier das Dilemma: Als Putzkraft im Luxushotel des reichen Unternehmers Vincent Karanz (Stefan Gorski) arbeitend, wird Teri Zeugin eines Mordes und als solche entdeckt. Um ihr Leben zu retten, bietet die abgebrochene Medizinstudentin an, nicht nur dichtzuhalten, sondern auch den Tatort so fachgerecht mit Tensiden, Wasserstoff-Peroxid und kaltem Wasser zu reinigen, dass keine Spuren nachweisbar sind. Vincent, der ältere Bruder des Todesschützen Christian Karanz (Rick Okon), lässt sich darauf ein und avanciert zu Teris Beschützer und finanziellem Unterstützer. Gegen permanente Verfügbarkeit für weitere Einsätze, versteht sich.
Wer diese hanebüchene Prämisse - die von der argentinischen Vorlage "La chica que limpia" und der US-Adaption "The Cleaning Lady" übernommen wurde - akzeptiert, bekommt im ZDF-Sechsteiler "Serial Cleaner" viel Wiederholung des gleichen Plot-Musters geboten. Die Redundanz ist gewissermaßen schon im Titel angelegt. Erst kauft Vincent für Luca den zuvor unerreichbaren Therapieplatz, aber Lucas Leberwerte sind zu schlecht, erlauben keine Teilnahme. Dann hilft Vincent Teri, einen abgesprungenen Stammzellen-Spender nicht ganz gesetzeskonform doch noch zu überzeugen, aber nach der Transplantation steigen Lucas Entzündungswerte, die fremden Zellen greifen ihren Körper an.
Schließlich soll es ein in Deutschland noch nicht zugelassenes Medikament aus den USA richten. Damit Vincent ihr auch das für Unsummen auf dem Schwarzmarkt besorgt, muss Teri immer wieder die Putzhandschuhe überstreifen oder auch mal eine Not-OP vornehmen. Moralische Zweifel? Bitte hintanstellen, suggeriert die Inszenierung.
Ab Folge zwei interessiert sich immerhin auch das Landeskriminalamt für den Fall, in Gestalt der schroffen Kommissarin Antonia Demir (Jana Julia Roth). Die Ermittlerin, die schon länger an der Karanz-Familie dran ist, hat durch den Mord ihren Informanten verloren und will nun Teri für Spitzeldienste gewinnen. Da Vater Ludwig Karanz (László I. Kish) und Mörder Christian sie als Sicherheitsrisiko weiterhin mit dem Tod bedrohen, hätte Teri durchaus Interesse an Polizeischutz. Andererseits fühlt sie sich Vincent zunehmend verpflichtet und zugetan. Der ältere Karanz-Bruder wiederum wird von Teris unerschütterlichem Einsatz für ihre Tochter angezogen: "Wenn es darum geht, die Familie zu schützen, gibt es kein Richtig oder Falsch", formuliert er einmal seine mafiöse Grundüberzeugung.
Zugegeben: Der doppelte Spannungsbogen aus Therapie-Hoffnungen und kriminellen Verstrickungen entfaltet einen gewissen Sog. Aylin Tezel liefert als hyperdisziplinierte, unbeirrbare Putzfrau mit Agenten-Potenzial eine schauspielerische Tour de force ab. Rick Okon hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als blondierter, tätowierter, mit Drogen dealender Bad Guy, der sich sowohl an Luca als auch an Alida heranwanzt. Und in Folge fünf gibt es ein stimmungsvolles Outro, in dem die Kamera zu den Klängen von Sophie Hungers "Le vent nous portera" nacheinander die Protagonisten in ihrer Einsamkeit einfängt.
Spätestens aber, wenn Mutter und Tochter nach einem Tiefgaragen-Shootout im von Vincent gecharterten Privatflieger nach Boston sitzen (es gibt da die Chance auf eine Gen-Therapie!), wenn einmal mehr schmutziges Geld die nächste Hoffnung kaufen soll, bleibt beim Zuschauer der Eindruck zurück, im großen Stil emotional über den Tisch gezogen worden zu sein.
infobox: "Serial Cleaner", sechsteilige Thrillerserie, Regie: Andreas Menck, Buch: Andreas Gutzeit, Swantje Oppermann, Florian Puchert, Kamera: Lars Petersen, Produktion: Story House Pictures (ZDF-Mediathek, seit 14.9.26, ZDFneo, ab 30.9.26 jeweils mittwochs, 21.45-23.15 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 15.09.2026 09:52
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Thriller, Serie, Menck, Gutzeit, Oppermann, Puchert, Luley
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