15.09.2026 16:12
Saarbrücken, Paris (epd). Mehr europäische Kooperation gegen Tech-Unternehmen und politische Unabhängigkeit: Der Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR), Martin Grasmück, und die Präsidentin von France Télévisions, Delphine Ernotte Cunci, haben eine gemeinsame Erklärung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk veröffentlicht. "Unabhängige Medien in Deutschland und Frankreich sind keine nationalen Sparposten, sondern gemeinsame, unverzichtbare demokratische Infrastruktur", erklärte Grasmück als Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Französischen Journalistenpreises (DFJP) am Dienstag in Saarbrücken. "Was wir derzeit in Frankreich und Deutschland erleben, ist im Kern dieselbe Auseinandersetzung: Wer den öffentlich-rechtlichen Rundfunk über die Finanzierung unter Druck setzt, greift seine Unabhängigkeit an."
In Deutschland setzt sich zurzeit das Bundesverfassungsgericht mit der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auseinander. ARD und ZDF waren im November 2024 nach Karlsruhe gezogen, weil die Bundesländer die von der unabhängigen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) empfohlene Anhebung zum 1. Januar 2025 um 58 Cent auf monatlich 18,94 Euro nicht umgesetzt hatten. In Frankreich wurde im April ein Bericht einer parlamentarischen Untersuchungskommission zur Neutralität, der Funktion und der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks veröffentlicht. Darin werden unter anderem Kürzungen und Zusammenlegungen von Sendern vorgeschlagen.
"Sender zu streichen bedeutet nicht, ein Programm zu reorganisieren - es bedeutet, die Substanz dessen anzugreifen, was öffentlich-rechtliche Medien für die Gesellschaft leisten", erklärte Ernotte Cunci als stellvertretende DFJP-Vorstandsvorsitzende. Die gemeinsame Erklärung von Grasmück und Ernotte Cunci wirbt für eine unabhängige Finanzierung, eine europäische Kooperation und digitale Souveränität gerade mit Blick auf die Dominanz globaler Tech-Konzerne. Anstatt weiter über Strukturen zu sprechen, die die Sender zurzeit reformierten, müsse es auch um den Umgang mit Desinformation und Plattformdominanz gehen. Des Weiteren dürfe es keine staatlichen Durchgriffsrechte auf Personal- und Programmentscheidungen geben.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
lwd
Zuerst veröffentlicht 15.09.2026 18:12
Schlagworte: Medien, Deutschland, Frankreich
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