17.09.2026 03:35
Wildeshausen (epd). Die Bildungsexpertin Silke Müller hat die Pläne der EU-Kommission zum Mindestalter für soziale Medien als unzureichend kritisiert. Die Altersgrenze von 13 Jahren stehe bei vielen Plattformen längst in den Nutzungsbedingungen, ohne dass sie zuverlässig durchgesetzt werde, sagte die Bestseller-Autorin und frühere Schulleiterin aus der Nähe von Oldenburg dem Evangelischen Pressedienst (epd).
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Mittwoch ein Mindestalter für soziale Medien angekündigt. Demnach soll der Zugang für Unter-13-Jährige nicht mehr möglich sein und ein eigenes Nutzerkonto erst ab dem 15. Lebensjahr erlaubt werden.
Zwar sei dies ein weitgehender Ansatz, sagte Müller. Aber viel entscheidender sei es, welchen Inhalten Jugendliche in den sozialen Medien ausgesetzt seien und wie konsequent Regeln durchgesetzt würden, unterstrich Müller. "Wir haben kein Erkenntnisproblem mehr, sondern ein Umsetzungsproblem." Mit einer neuen Zahl allein sei kein Kind geschützt.
Die Plattformen seien mit dem sogenannten "Digital Services Act" der EU bereits zum Schutz von Minderjährigen verpflichtet, und personalisierte Werbung bei Nutzerprofilen von nachweislich Minderjährigen sei verboten, unterstrich Müller. "Diese Regeln müssen konsequent durchgesetzt und dort verschärft werden, wo sie nicht ausreichen." Es brauche eine wirksame, datensparsame Altersprüfung und ein Ende von abhängig machenden Mechanismen der Plattformen
Zudem brauche es Grenzen für KI-generierte Täuschungen, betonte Müller. Anbieter, die sich nicht an die Regeln hielten, müssten die Konsequenzen spüren. Eine gemeinsame europäische Regelung habe zwar den Vorteil von vergleichbaren Schutzstandards gegenüber internationalen Plattformen. Doch auch Deutschland könne eigene, mit europäischem Recht vereinbare Altersregeln voranbringen.
Mit Blick auf Empfehlungen einer Expertenkommission für die Bundesregierung mahnte die Bestseller-Autorin spürbare Schritte an. "10 entschlossen umgesetzte Maßnahmen wären für Kinder wertvoller als 56 Empfehlungen, die am Ende vor allem ein schönes Heftchen ergeben", unterstrich Müller. Sie erwarte von den Verantwortlichen einen verbindlichen Umsetzungsplan mit klarer Zuständigkeit und konkreten Fristen.
Müller wandte sich entschieden gegen eine Entweder-oder-Debatte über Verbote und Bildung. "Social Media und KI können jungen Menschen großartige Möglichkeiten eröffnen." Deshalb brauche es neben Schutzregeln eine verbindliche Medien- und KI-Bildung von Anfang an und regelmäßige verpflichtende Fortbildungen für Lehrkräfte.
"Kinder müssen verstehen, wie Plattformen ihre Aufmerksamkeit steuern, wie Künstliche Intelligenz Fotos, Informationen und Meinungen beeinflussen kann und wie sie durch eigene Erfahrungen, Gespräche und Widerspruch eine selbstständige Haltung entwickeln", sagte die Autorin, die unter anderem den Titel "Wir verlieren unsere Kinder" schrieb. Dazu gehörten auch Smartphone-freie Schulzeiten, damit die Schule ein Ort bleibe, an dem Kinder sich wirklich begegneten.
Die Expertin erinnerte zudem an die Vorbild-Funktion von Erwachsenen. "Kinder erleben, wie wir beim Essen aufs Handy schauen, wie wir im Netz über andere Menschen sprechen und ob wir überhaupt noch Zeit füreinander haben." Sie bräuchten Erwachsene, die zuhörten, Grenzen setzten, und auch dann da seien, wenn online etwas schiefgehe.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
Zuerst veröffentlicht 17.09.2026 05:35
Schlagworte: EU, Medien, Internet, Jugend, INT
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