Leben auf der Überholspur - epd medien

24.09.2026 08:10

Hannes Rossacher erinnert in der Dokumentation "Falco - Mon Amour" an den österreichischen Popstar, der sich in den 80ern zur ikonischen Figur stilisierte und mit seinen Songs "Der Kommissar" und "Rock Me Amadeus" die Charts stürmte.

Dokumentation "Falco - Mon Amour" von Hannes Rossacher

In "Falco - Mon Amour" zeichnet der Regisseur und Filmproduzent Hannes Rossacher die Geschichte des österreichischen Sängers nach

epd Er zählt zum österreichischen Kulturgut wie die Mozartkugel und der Wiener Opernball. Und er war der erste und bislang einzige deutschsprachige Sänger, der in den USA auf Platz Eins der Charts stürmte. Eine österreichische Dokumentation widmet sich dem Popstar Falco und ergründet dabei auch den Menschen Hans Hölzel hinter dieser Kunstfigur. Hannes Rossacher, der sich bereits in einer Dokuserie dem Thema Austropop widmete, erzählt die Geschichte des womöglich ersten deutschsprachigen Rappers aus der Perspektive der Frankokanadierin Caroline Perron. Sie war die letzte Frau, mit der Falco längere Zeit zusammenlebte. Mehr als 25 Jahre nach seinem Tod wandelt sie durch die Räume jener Niederösterreichischen Villa in Gars am Kamp, die heute zu einem mondänen Falco-Museum umfunktioniert wurde.

Die junge Kanadierin, damals als Fotomodel tätig, wusste zunächst nicht, dass ihr Freund ein weltberühmter Popstar ist. Diese Anekdote ist zwar aus den Klatschspalten längst bekannt. Doch Perrons persönliche Erinnerungen an das Zusammenleben mit dem Sänger, die in der Dokumentation viel Raum einnehmen, sind ein gelungener Einstieg in Falcos Biografie. Sie verdeutlichen, dass Hölzel ein tragisches Klischee durchlebte, an dem zahlreiche Popstars vor ihm zugrunde gingen: "Ich habe mitbekommen, wie Falco sein Leben zerstört hat."

Hedonistisches Lebensgefühl der 1980er Jahre

Archivfilme zeigen den Anfang 20-Jährigen, der zunächst in kleinen Clubs auftrat. Schon damals, so seine Bandmitglieder Peter Vieweger und Thomas Rabitsch, verkörperte er jene exaltierte Figur, die zu seinem Markenzeichen werden sollte. Die Single "Der Kommissar" katapultierte den damals 24-Jährigen 1981 über Nacht in den Orbit der Popstars. Die Mischung aus gerappten Strophen mit gesungenem Refrain sowie die Mixtur aus Hochdeutsch und Wienerisch mit englischen Einsprengseln, musikalisch zusammengehalten von einer Mischung aus New Wave, Synth-Pop, Funk und Rap - hob Falco seinerzeit vom britischen New Wave sowie von der Neuen Deutschen Welle ab. Auf dieses innovative Alleinstellungsmerkmal hätte die Doku pophistorisch etwas differenzierter eingehen können.

Mit dem folgenden Album, zu dem Hannes Rossacher zusammen mit Rudi Dolezal den Musikfilm "Falco - Helden von heute" drehte, gelang dem jungen Musiker zwar noch nicht der große Durchbruch. Er hinterließ aber markante Spuren. Mit zahlreichen Ausschnitten aus Musikclips taucht die Dokumentation tief ein in die Ästhetik und das hedonistische Lebensgefühl der 1980er Jahre, das auch Falco mit seiner Kunstfigur zelebrierte.

Extremer Erwartungsdruck

Indem er den klassischen Komponisten Mozart als punkiges Party-Animal interpretierte und sich selbst dabei als dekadenten Wiener Dandy stilisierte, gelang Falco mit "Rock me Amadeus" 1985 ein Megahit. Dass Milos Formans Kinoerfolg "Amadeus" kurz zuvor eine weltweite Mozart-Begeisterung losgetreten hatte, wird nur beiläufig erwähnt. Das Zusammenspiel zwischen Pop-Industrie und Innovation hätte die Dokumentation aber etwas präziser aufdröseln können.

Der Film erinnert daran, dass Falco sich auf dem Gipfel des Ruhms nicht lange zu halten vermochte. Die Verkaufszahlen der folgenden Platten waren hoch, blieben aber hinter den extremen Erwartungen zurück. In dieser angespannten Situation, so zeigt die Doku, identifizierte sich der Sänger immer mehr mit seiner eigenen Kunstfigur und deren atemloser Performance. Drogenexzesse taten ihr Übriges. 1998 verunglückte Falco tödlich mit dem Auto in seiner Wahlheimat, der Dominikanischen Republik.

Prunkvolle Beisetzung

Der Film rekonstruiert die vielfältigen Elemente der Kunstfigur Falco, an der auch der österreichische Modeschöpfer Helmut Lang mit seiner Mischung aus Minimalismus und Avantgarde seinen Anteil hatte. Trotz seiner stilisierten Arroganz erscheint Falco in dieser Dokumentation nahbar. Wenn seine Mutter Maria Hölzel in einem Archivfilm berichtet, dass ihr Sohn Hans der einzige Überlebende einer Drillingsschwangerschaft war, menschelt es sehr.

Allerdings stiftet nicht jeder Kommentar eines Zeitzeugen Erkenntnisgewinn. So erschließt sich nicht wirklich, was die Performancekünstlerin Valie Export zu dem Popstar beizutragen hat. Aufschlussreicher sind medienhistorische Fußnoten wie der Kommentar des Moderators Dieter Kronzucker, der in einer ZDF-Sendung von 1986 Falcos Lied "Jeanny" scharf kritisierte. Der Sänger würde "mit Gewalt- und Missbrauchsbildern spielen". Leider erwähnt die Dokumentation nicht, dass Kronzuckers Kinder 1980 entführt wurden, und der TV-Journalist deshalb auf das Thema, das Falco spekulativ aufgriff, sensibel reagierte.

Bilder von Falcos prunkvoller Beisetzung, die wie das Begräbnis eines großen Staatsmannes anmuten, gehen unter die Haut. Mit seinem Blick zurück auf ein Leben auf der Überholspur schafft es Rossacher, das gewisse Etwas aufleuchten zu lassen, das diesen Künstler einzigartig machte.

infobox: "Falco - Mon Amour", Dokumentation, Regie: Hannes Rossacher, Kamera: Daniel Waldhecker, Produktion: Kobalt (Arte/ZDF/ORF, 18.9.26. 21.45-22.40 Uhr, Arte-Mediathek bis 16.12.26)

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Zuerst veröffentlicht 24.09.2026 10:10

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Musikdokumentation, Rossacher, Riepe

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