06.10.2026 18:30
Berlin (epd). Erstmals in der Geschichte der beiden renommierten Journalistenpreise Wächterpreis und Theodor-Wolff-Preis hat eine gemeinsame Jury über die Gewinner beider Auszeichnungen entschieden. Der Journalist Bastian Berbner bekam am Dienstag in Berlin den mit 6.000 Euro dotierten Wächterpreis 2026 zuerkannt für seinen Text "Ihre Bestellung wird ... vorbereitet ...". Der investigative Beitrag in der Wochenzeitung "Die Zeit" beschreibt Beschaffungsvorgänge zwischen Rüstungsindustrie und Verteidigungsministerium.
Die Jury bescheinigte dem Autor einen "perfekten Text" von hoher politischer und wirtschaftlicher Relevanz, wie der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) mitteilte. Über die "manchmal kafkaesk anmutenden" Vorgänge habe der Autor eine "starke Recherche zum richtigen Zeitpunkt" geliefert.
Preisträger für das mit 10.000 Euro ausgestattete Wächterpreis-Redaktionsstipendiums sind Erik Westermann und die "Braunschweiger Zeitung", die Westermanns Beitrag "Im Bann des Opfers: Anatomie eines Justizversagens" veröffentlichte. Die Jury habe den Text über einen Justizirrtum "atemlos gelesen", hieß es. In dem Bericht schildert Westermann die Geschichte einer jungen Frau, deren Eltern nach ihren Missbrauchsvorwürfen 684 Tage unschuldig in Haft saßen. Neben der herausragenden Recherche hob die Jury die Zusammenarbeit mit der Lokalredaktion der "Braunschweiger Zeitung" hervor.
Die jeweils mit 6.000 Euro dotierten Journalistenpreise des BDZV, die Theodor-Wolff-Preise, vergab die Jury in der Kategorie "Lokales und Zusammenhalt" an Karolina Benedyk für ihren im "Weser-Kurier" erschienenen Text "Ein wahres Tandem". Darin porträtiert sie einen Mann, der mit einem Behinderten Tandem fährt. Im Kleinen werde etwas Großes anschaulich beschrieben, befand die Jury. Der Text sei sprachlich herausragend, das Porträt mache "einfach froh".
In der Kategorie "Gesellschaft und Dialog" zeichnete die Jury Marvin Ku für seinen Beitrag "Nicht von hier" für das "Süddeutsche Zeitung Magazin" aus. Laut Jury verbindet der Autor humorvoll und fundiert das eigene Erleben zum Begriff Migrationshintergrund mit der wissenschaftlichen und politischen Perspektive.
Für seinen Essay "Das Ertrinken im Redefluss", ebenfalls im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" erschienen, gewann Jakob Schrenk in der Kategorie "Zukunft und Verantwortung" die Auszeichnung. Die Jury lobte, der Autor zeige den Wandel der Kommunikationskultur, "warnend, amüsant, präzise".
Der Wächterpreis wurde seit 1969 von der von den Verlegerverbänden getragenen Stiftung "Freiheit der Presse" vergeben. Ende 2025 übernahm der BDZV die Ausschreibung im Auftrag der Stiftung. Der originär vom BDZV vergebe Theodor-Wolff-Preis erinnert an den Chefredakteur des "Berliner Tageblatts". Wolff floh 1933 vor den Nationalsozialisten nach Frankreich, wurde dort verhaftet und der Gestapo ausgeliefert. Er starb 1943 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
Zuerst veröffentlicht 06.10.2026 20:30
Schlagworte: Medien, Journalismus, Auszeichnungen, ZF
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