07.10.2026 08:54
Berlin (epd). Der Investigativjournalist Daniel Drepper startet eine eigene Fachredaktion für Umwelt- und Klimathemen. Das neue Projekt trägt den Namen "Otter News", wie er am 6. Oktober in seinem Newsletter mitteilte. Seit Jahren lasse ihn das Thema der immer dramatischeren Umwelt- und Klimakrise nicht mehr los, so Drepper. "Ich möchte, dass meine und alle anderen Kinder weiterhin auf einem gesunden Planeten leben können", erklärte der Journalist.
Wälder gingen kaputt, der Grundwasserspiegel sinke, die Meere würden wärmer und immer mehr Tierarten seien bedroht. "Wir verbrennen so viele Klimagase wie niemals zuvor. Und es wird nicht besser", schrieb Drepper auf der Finanzierungsplattform Steady. Seit Jahren arbeiteten Regierungen daran, die Lebensgrundlagen auf der Erde zu zerstören. "Sie geben den Interessen der Industrie und der fossilen Lobby nach, statt Natur und Umwelt zu schützen."
Konkrete Pläne für die neue Redaktion hatte Drepper nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Jahr gefasst. In seinem Jahr als Nieman Fellow in Harvard habe er entsprechende Kurse belegt, sich mit Fachleuten ausgetauscht, über den Winter mit Unterstützung den Newsroom entwickelt und sich anschließend Gedanken über die Finanzierung für die ersten Monate gemacht. Mehrere Unterstützer hätten ihm die Arbeit bis zum Ende des Jahres finanziert.
Ab nächstem Jahr soll sich "Otter News" durch seine Mitglieder tragen. Ziel sei es, mindestens 3.000 Menschen zu finden, "die für 8 Euro im Monat zum Otter werden wollen". Und die es so ermöglichten, ein auf Umwelt- und Klimarecherchen konzentriertes Medium in Deutschland zu haben, erklärte Drepper.
Es gebe zu wenig starken Journalismus über Umwelt- und Klimathemen, zu wenig investigative Recherchen zu strukturellen Problemen und über die Verantwortlichen der Umwelt- und Klimakrise, beklagte der Journalist. Auch gebe es zu wenig Geschichten über diejenigen, "die für eine lebenswerte Zukunft kämpfen".
Zuletzt ist die Berichterstattung nach Dreppers Beobachtung in dem Bereich sogar zurückgegangen. "Ich finde, dass große Teile des deutschen Journalismus ihrer Verantwortung nicht gerecht werden", schrieb er. Zu viele Medien schauten zu sehr auf Klick- und Abrufzahlen. Dabei müssten Umwelt- und Klimakrise jeden Tag Topthema in den Medien sein.
Mit "Otter News" wolle er möglichst viele Menschen mit Umwelt- und Klimathemen erreichen und zugleich einen Ort schaffen, an dem Interessierte diskutieren können. Die Inhalte will Drepper über Videos, Podcasts und Newsletter "manchmal etwas roh und ungeschliffen, aber immer ansprechbar und transparent" verbreiten. Zudem will er Recherchen "sehr viel öffentlicher führen als viele es bisher vom investigativen Journalismus gewohnt sind".
Für die ersten 100 Tage versprach Drepper 100 Videos über den Aufbau von "Otter News". Zudem kündigte er den Podcast "Feuer!" an. "Wenn ich nichts tue, werde ich mir das bis an mein Lebensende vorwerfen", erklärte er. "Ich muss etwas beitragen für eine lebenswerte Zukunft."
2014 gehörte Drepper zu den Mitbegründern des Recherche-Netzwerks Correctiv. Später war er Chefredakteur bei "BuzzFeed News" Deutschland und Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" geleitet. Ehrenamtlich ist er Vorsitzender des Netzwerks Recherche. Seine Ehefrau, die Wissenschaftsjournalistin Sanaz Saleh-Ebrahimi, ist Content Creatorin mit hunderttausenden Followern in den sozialen Medien. Sie unterstützt laut Drepper den Aufbau der Social-Media-Kanäle von "Otter News". Die frühere Geschäftsführerin der Open Knowledge Foundation, Kristina Klein, unterstützt das Projekt in geschäftlichen Fragen.
cd
Zuerst veröffentlicht 07.10.2026 10:54
Schlagworte: Medien, Journalismus
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