09.10.2026 09:28
Osnabrück (epd). Der NDR-Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt hat nach eigener Aussage als junger Mensch angesichts von Gewalterfahrungen Trost in der Literatur gefunden. "Mir fehlte die Sorglosigkeit, weil ich einen gewalttätigen Vater hatte", sagte der 70-Jährige der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag). Von ihm sei er "rituell verprügelt" worden: "Rituell heißt aus Gewohnheit. Wenn er ein paar Flaschen Bier intus hatte, hat er meine Lateinvokabeln abgefragt. Er hatte eine Reitpeitsche mit Silberknauf."
Beistand und Hilfe habe er damals in seiner Buchlektüre gefunden, sagte Meyer-Burckhardt: "Ich hatte Sehnsucht nach Orientierung. Das gab es bei mir nicht, also habe ich mir Literaten als väterliche Freunde gesucht, und Literatinnen als mütterliche." Über die literarischen Zitate, die ihm damals geholfen haben, hat Meyer-Burckhardt im August ein Buch veröffentlicht.
Über seinen Vater sagte der Autor und TV-Talker: "Er war stark von der NS-Zeit geprägt, er hatte faschistoide Tendenzen und seine Rolle in der Wehrmacht nie hinterfragt." Heute sehe er seine Konflikte: "Er hatte ein Bein verloren und wäre im hohen Maße therapiebedürftig gewesen." Eine solche Möglichkeit habe es damals aber nicht gegeben.
Meyer-Burckhardt betonte, es gebe keinen Grund, sich mit einer derartigen Situation abzufinden: "Wenn jemand Gewalt in einer Familie ausübt, muss er zur Therapie und unter Umständen auch vor den Staatsanwalt." Deswegen müsse man darüber reden.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
lnb
Zuerst veröffentlicht 09.10.2026 11:28
Schlagworte: Medien, Leute, Literatur, Gewalt
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