09.10.2026 15:59
Frankfurt a.M. (epd). Der geplante Digitale-Medien-Staatsvertrag sollte nach Darstellung von Experten Social-Media-Plattformen verpflichten, glaubwürdige journalistische Inhalte hervorzuheben. "Guter Journalismus hat keine gute Chance mehr, auf Social Media sichtbar zu werden", sagte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse.
Die Algorithmen der Tech-Konzerne bevorzugten nicht gründlich recherchierte Inhalte, sondern provozierende, verzerrende und extreme Positionen, kritisierte Mihr. Die Mehrheit der Deutschen beziehe nach der ARD/ZDF-Medienstudie ihre politischen und anderen Informationen inzwischen über Social-Media-Plattformen.
Das Medienrecht schreibe digitalen Anbietern wie etwa Magenta TV der Deutschen Telekom vor, journalistisch relevante Inhalte so hervorzuheben, dass sie gefunden werden können, sagte der Kölner Medienrechtler Jörg Frederik Ferreau. Der Entwurf des Digitale-Medien-Staatsvertrags sehe darüber hinaus vor, dass "Angebote mit vielfaltförderndem Mehraufwand" in Suchmaschinen, Social Media und KI in hervorgehobener Weise berücksichtigt und gekennzeichnet werden müssen.
Organisationen wie Reporter ohne Grenzen hätten für glaubwürdigen Journalismus einen internationalen "Industriestandard" entwickelt, erklärte Mihr. Dieser werde inzwischen von 1.200 Medien weltweit angewandt. Ein entsprechendes Software-Modul könne in Algorithmen eingebaut werden und diese Medien hervorheben, aber nur die Suchmaschine Bing binde es bisher ein.
Von politisch rechtsextremer Seite, etwa der AfD, werde die Medienregulierung mit einem Angriff auf Meinungsfreiheit verwechselt, kritisierte Mihr. Es gebe rechtsorientierte Online-Angebote, die Social-Media-Arbeitsweisen so gut beherrschten, dass sie von Algorithmen vor journalistischen Inhalten bevorzugt würden. Statt durch die Regulierung Chancengleichheit herzustellen, wolle etwa die AfD in Sachsen-Anhalt die Medienstaatsverträge kündigen.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
lmw
Zuerst veröffentlicht 09.10.2026 17:59
Schlagworte: Medien, Medienpolitik, Internet, #sagsmir
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