"Zeit" wehrt sich gegen angedrohte Durchsuchung - epd medien

12.10.2026 16:00

Nach einem Gerichtserlass sollten die Redaktion der "Zeit" sowie die Wohnung einer Journalistin von der Staatsanwaltschaft durchsucht werden. Das Gericht forderte Tonbandaufzeichnungen als Beweismittel für den laufenden Block-Prozess an.

Das Haus der Wochenzeitung "Die Zeit" in Hamburg

Hamburg (epd). Im Zusammenhang mit dem Prozess gegen die "Block-House"-Erbin Christina Block hat das Landgericht Hamburg am Montag die Durchsuchung der Redaktion der "Zeit" angeordnet. Zu der Durchsuchung ist es nach Angaben des Gerichts nicht gekommen, da die "Zeit" die verlangten Unterlagen und Tonbandaufnahmen herausgegeben habe. Auch die Wohnung einer "Zeit"-Journalistin sollte durchsucht werden, wenn die verlangten Unterlagen nicht an die Strafverfolgungsbehörden herausgegeben werden.

Der "Zeit"-Verlag teilte am Montag mit, die Durchsuchungsanordnung betreffe die Herausgabe von Tonaufzeichnungen von Gesprächen, die im Zusammenhang mit dem Podcast "House of Block" angefertigt wurden. Es handele sich um Tonbänder mit 200 Stunden Gespräch. Der Verlag habe Beschwerde eingelegt und wehre sich gegen diesen Angriff auf die Pressefreiheit. Man habe die Unterlagen nur versiegelt übergeben, um einer Verwertung vor Abschluss der rechtlichen Prüfung vorzubeugen.

Erste Podcast-Folge erschien Ende September

Das Gericht erklärte auf Anfrage des Evangelischen Pressediensts (epd), die Tonaufzeichnungen hätten potenzielle Beweisbedeutung und unterlägen keinem Beschlagnahmungsverbot, da es um die Aufklärung eines Verbrechens gehe. In dem Fall geht es um den Vorwurf der Misshandlung Schutzbefohlener.

Christina Block und weitere Angeklagte müssen sich derzeit vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Ihr wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder, die sich beim Vater in Dänemark aufhielten, in Auftrag gegeben zu haben. Zuletzt wurde bekannt, dass die Behörden bei ihren Ermittlungen in dem Fall auch auf das Sicherheitsleck rund um den ehemaligen Chef des Bundesnachrichtendienstes August Hanning gestoßen waren.

Die "Zeit"-Journalistin Anne Kunze hatte für den Podcast "House of Block", dessen erste Folge Ende September erschien, die Kinder von Block interviewt. Die Gespräche fanden kurz nach der mutmaßlichen Entführung am Silvesterabend 2023 in einem "Safe House" in Dänemark statt. Teile davon sind in der ersten Podcast-Folge zu hören.

hei



Zuerst veröffentlicht 12.10.2026 18:00 Letzte Änderung: 12.10.2026 18:10

Schlagworte: Medien, Prozesse, Presse, Justiz, NEU

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