13.10.2026 09:18
Berlin (epd). Künstliche Intelligenz (KI) hat einer Umfrage zufolge in Medienhäusern zwar Fuß gefasst, aber bislang noch zu keiner nachhaltigen Transformation geführt. "Effizienzgewinne sind sichtbar, doch Kosteneinsparungen, Nutzerbindung und Erlöse bleiben hinter den Erwartungen", heißt es im KI-Reifegrad-Report 2026, den der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) sowie der KI-Spezialist Retresco am Dienstag in Berlin veröffentlichten.
Grundlage ist eine Befragung von 114 Führungskräften und KI-Verantwortlichen. Oft seien journalistische und wirtschaftliche Ziele nur pauschal formuliert, Anwendungen würden isoliert eingeführt und Erfolge nicht an wirtschaftlich nachweisbaren Ergebnissen gemessen.
Der Anteil der Medienhäuser mit KI-Strategie stieg laut dem Report binnen eines Jahres um 19 Prozentpunkte auf 79 Prozent. Doch 49 Prozent der Befragten nennen Infrastruktur und Integration als Hürden bei der technischen Umsetzung. In fast allen anderen Bereichen klaffen Erwartungen und Ergebnisse auseinander. 92 Prozent erwarten schnellere Prozesse, verbesserte Workflows und Entlastung der Mitarbeitenden. 80 Prozent haben entsprechende Effekte festgestellt. Kosteneinsparungen erwarten 63 Prozent, messen konnten sie bislang nur 20 Prozent.
Bei neuen Formaten und Erlösmodellen stehen einer Erwartung von 62 Prozent lediglich 31 Prozent Ergebnisse gegenüber. Höhere inhaltliche Qualität erhoffen sich 60 Prozent, nachweislich erfasst haben sie nur 32 Prozent. Gesunken sind sogar die Hoffnungen auf mehr Reichweite durch KI - ein Effekt, der unmittelbar mit KI-Übersichten und -Suchen zusammenhängen dürfte. 38 Prozent der Befragten stellen deutliche Reichweitenrückgänge fest, 37 Prozent sehen keine signifikante Veränderung und 25 Prozent können diese Entwicklung aktuell nicht belastbar bewerten.
"Wir müssen den Blick von der reinen KI-Adoption auf ihre messbare Wirkung richten", sagte Retresco-Chef Johannes Sommer. KI müsse ihren Beitrag zur Nutzergewinnung und -bindung sowie zu messbaren Erlösen nachweisen. Holger Kansky, Leiter Digitales und Vermarktung beim BDZV, warnte: "KI kann Fehler machen und damit die Glaubwürdigkeit von Medienmarken gefährden." Medienhäuser müssten deshalb KI breit ausrollen, aber zugleich Qualität und Verlässlichkeit ihrer Angebote sichern.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
koe
Zuerst veröffentlicht 13.10.2026 11:18
Schlagworte: Medien, Umfragen, KI, #sagsmir
zur Startseite von epd medien