14.10.2026 09:19
Fernsehfilm "Frau ohne Namen" mit Marleen Lohse
epd Mit Verlaub - was für eine mit Einfällen überladene und krude Story! Eine Hamburger Psychologie-Professorin riskiert ihren offenbar höchst lukrativen Job (wenn man aus Luxus-Wohnung und Fahrzeug aufs Einkommen schließt), um in einem Mordfall zu ermitteln. Der geht sie zwar nichts an, aber als Tochter einer suchtkranken Mutter hat sie wundersamerweise gelernt, die wahren Gefühle von Menschen in Bruchteilen von Sekunden anhand von "Mikroexpressionen" mit absoluter Sicherheit zu decodieren. Und sie mag keine Lügen.
Als notorische Mimik-Checkerin glaubt sie zu wissen, dass eine junge Frau, die laut Zeugen in Notwehr einen jungen Mann getötet hat, dies gar nicht in Notwehr, sondern in mörderischer Absicht getan habe. "Wo Unrecht herrscht, ist Handeln die einzige Antwort", steht auf einem Zettel in dem Glückskeks, den die Professorin in ihrem Lieblingsrestaurant bekommt. Na, wenn der Glückskeks das sagt! Professor Marlene Nielsen (Marleen Lohse) ermittelt.
An diesem TV-Thriller-Brei haben nicht weniger als drei Köchinnen, darunter die Hauptdarstellerin, als Autorinnen oder Ideengeberinnen zehn Jahre gerührt. Vielleicht war das einfach zu lang, womöglich hatten sie zu viele Einfälle gesammelt, von denen sie sich nicht wieder trennen wollten. Oder hätte die Regie das Buch nicht so konventionell im üblichen NDR-Hamburg-Schick umsetzen dürfen? Hätte sich ein schrägerer Stil finden lassen?
Wie dem auch sei: Hauptsache, dem Zuschauer (m/w/d) ist und bleibt klar, dass er gerade Glückskeks-Psycho-Fiktion guckt. Fange niemand an, solche Geschichten für realistisch zu halten - oder gar zu glauben, dass staatliche Massenuniversitäten so gepflegt aussehen wie die private Bucerius Law School, die im NDR-Fernsehfilmland als die Uni Hamburg ausgegeben wird.
Auf verschlungenen und nicht immer nachvollziehbaren Pfaden, die nach Dänemark führen, kommt Marlene der Wahrheit schließlich auf die Spur. Bis endgültig feststeht, ob sie recht gehabt hat, flimmert viel Ungereimtes über den Bildschirm. Warum, zum Beispiel, versucht Marlene nicht, das Fenster direkt neben sich zu öffnen, um an frische Luft zu kommen, wenn sie in einem Keller festsitzt, in den Gas geleitet wird? Nein, lieber sinkt sie malerisch zu Boden.
Der dubiose Vater des getöteten jungen Mannes wird von Stephan Kampwirth routiniert gegeben. Marlene zur Seite steht der wohlmeinende Polizist Deniz Kurt (Serkan Kaya). Es scheint, als habe sich die am Buch beteiligte Marleen Lohse, die hier die fast gleichnamige Professorin Marlene spielt, eine Rolle auf den Leib schreiben können. Entsprechend gut füllt sie die Rolle aus. Eine Rolle, die man als Schauspielerin sonst nicht so leicht bekommt: spröde, eigen, ungewöhnlich.
Die interessanteste Figur spielt aber Sara Hort Ditlevsen als vermeintliche Täterin. Das ist eine wirklich interessante Drehbuchidee: Was ist, wenn jemand, der eines Verbrechens verdächtigt wird, nichts sagt? Nicht mal den eigenen Namen? Schade, dass man diesem Film so wenig glauben konnte, er hätte sonst interessant werden können.
infobox: "Frau ohne Namen", Fernsehfilm, Regie: Lynn Oona Baur, Buch: Anne-M. Keßel nach einer Idee von Lynda Bartnik, Anne-M. Keßel und Marleen Lohse, Kamera: Fee Strothmann, Produktion: Triple Pictures (ARD/NDR, 14.10.26, 20.15-21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek)
Zuerst veröffentlicht 14.10.2026 11:19
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KNDR, Fernsehfilm, Kaiser
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