16.10.2026 07:10
"Droneland" mit Oliver Masucci
epd In einem düsteren Europa der nahen Zukunft, das wie ein chaotisches Krisengebiet anmutet, lebt Aart Westerfeld (Oliver Masucci) zurückgezogen in einem ausrangierten Banktresor. Der Ex-Soldat hat nur ein Ziel: Er will den Terroristen Nassim Rachi (Alexander Scheer) aufspüren, denn er glaubt, dass dieser vor sieben Jahren seine Frau Ellen (Astrid Roos) ermordete, die zu Künstlicher Intelligenz forschte und enge Beziehungen zur Regierung hatte. Das ist die Ausgangssituation von "Droneland", einer dystopischen Serie, die Nicolas Steil nach dem Roman "Drohnenland" von Tom Hillenbrand entwickelte.
Die aufwendige europäische Koproduktion ist ein Neonoir-Krimi, der auf den Hauptdarsteller Oliver Masucci zugeschnitten ist. Der Elitesoldat wird reaktiviert durch die Europol-Chefin Katarina Kush (Sibel Kekilli), die sich nach einer schweren Verletzung (über die man nur wenig erfährt) nur mittels eines Exoskeletts bewegen kann. Gemeinsam mit der Agentin Nina Bittermann (Sophie Mousel) soll Westerfeld den Mord an einem Politiker aufklären.
Die polizeilichen Ermittlungen in dieser digitalisierten Zukunft sind das Kernthema des Sechsteilers. Da durch umfassende Drohnenüberwachung die komplette Realität als Backup im Computer gespeichert wird, müssen Polizisten am Tatort nicht mehr physisch anwesend sein. Durch ein neuronal-kybernetisches Interface tauchen sie ein in eine virtuelle Welt namens "Mirrorspace", in der sie den Ablauf des Mordes so lange vor- und zurückspulen, bis sie verborgene Indizien entdecken. Über die Logik dieses Plots macht man sich besser keine Gedanken.
In dieser Cyberkopie der Wirklichkeit stößt Westerfeld auf Ungereimtheiten. Wurde "Mirrorspace" etwa manipuliert, um etwas zu vertuschen? Noch rätselhafter wird es, als der Ermittler in der virtuellen Welt eine geisterhafte Erscheinung seiner toten Frau trifft, die ihm offenbar etwas mitteilen will. Bei seinen Nachforschungen findet Westerfeld heraus, dass Ellen ein auf Künstlicher Intelligenz basierendes forensisches Modell entwickelt hat, das Terroristen identifiziert, bevor sie einen Anschlag ausführen. Was das bedeutet, musste Westerfeld am eigenen Leib erfahren. Wiederkehrende Flashbacks zeigen ihn beim Erstürmen eines voll besetzten Busses, in dem er eine Zielperson eliminieren soll: einen kleinen Jungen.
Der Cberkrimi bedient sich an Science-Fiction-Versatzstücken, die aus "Matrix" und "Minority Report" bekannt sind und warnt vor einer Künstlichen Intelligenz, die sich selbstständig macht. Die Umsetzung wirft jedoch Fragen auf. So erweist sich die Bedrohung durch Terroristen - die arabisch anmuten - als falsche Fährte. Diese Wendung wird allerdings nicht überzeugend vermittelt. Warum auf den Straßen bürgerkriegsartige Zustände herrschen, bleibt im Dunkeln.
Das Für und Wider einer flächendeckenden Überwachung mittels Drohnen wird dialoglastig vermittelt durch eine prätentiöse TV-Wahlkampfrede des korrupten Politikers Hallberger (Marc Limpach). Das Bedrohliche dieser Drohnenschwärme vermittelt sich durch die einfallslose visuelle Umsetzung nicht. Nicht glaubhaft wirken auch der dekadente Tech-Milliardär Tallan (Alexander Scheer) und die Europol-Chefin Kush, die von Sibel Kekilli allzu maskenhaft gespielt wird.
Der Sechsteiler, der vorwiegend auf Action setzt, entfaltet seine Stärken durch die physische Präsenz von Oliver Masucci, der seine Kontrahenten ein ums andere Mal auf schmerzhafte Weise ausschaltet. Akzente setzt auch Sophie Mousel als Cyberpolizistin, doch ihr Zusammenspiel mit Masucci erscheint hölzern, die papierenen Dialoge wurden schon an dem Roman von Hillenbrand kritisiert.
Westerfeld benutzt ein antiquiertes Handy und ein klobiges Laptop, das aus den frühen 1990ern stammen könnte. Seine Fernseher sehen aus wie alte Nordmende-Geräte. Da diese Apparate dennoch wie High Tech eingesetzt werden, erschließt sich der Retrolook nicht. Stimmungsvoll fotografiert und liebevoll ausgestattet sind die Innenräume, besonders Westerfelds Tresor-Büro, in dem er illegal Pflanzen züchtet und nebenbei sogar ein Menü auf den Tisch zaubert. Schauplätze in einem verlassenen Steinbruch und eine Verfolgungsjagd im Wald erscheinen dagegen beliebig.
Das ambitionierte Großprojekt wirkt in der Umsetzung fahrig. Die konventionelle Regie von Felix Koch und Max Zähle setzt wenig Akzente. Die Serie, eine Kooperation von Magenta mit dem ZDF, wird 2027 auch beim ZDF zu sehen sein.
infobox: "Droneland", sechsteilige Serie, Regie: Felix Koch, Max Zähle, Buch: Nicolas Steil (Showrunner), Jan Cronauer, Pierre Majerus, Christophe Wagner nach dem gleichnamigen Roman von Tom Hillenbrand, Kamera: Frank Küpper, Produktion: Iris Group, Syrreal Entertainment GmbH, Topkapi Films, Enter Film (Magenta/ZDF, seit 8.10.26)
Zuerst veröffentlicht 16.10.2026 09:10
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), Streaming, Serie, KMagenta, Hillenbrand, Zähle, Koch, Steil, Cronauer, Riepe
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