Frauenanteil bei Film- und Fernsehproduktionen gestiegen - epd medien

16.10.2026 08:30

Knapp ein Drittel der Mitarbeitenden bei Kino- und Fernsehproduktionen sind laut einer Studie mittlerweile Frauen. In den vergangenen zehn Jahren gab es einen Anstieg, zuletzt stagnierte die Entwicklung jedoch.

Beim NDR-Film "Frau ohne Namen" führte eine Frau Regie, das Drehbuch wurde von einer Frau geschrieben und auch hinter der Kamera stand eine Frau

Strassburg (epd). Der Anteil der Frauen bei der Produktion von Kino- und Fernsehfilmen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Einer Studie der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle zufolge waren im vergangenen Jahr 27 Prozent der an der Produktion europäischer Kinofilme Beteiligten Frauen. Bei der Produktion von Fernseh- und Streamingfilmen sowie Serien lag der Frauenanteil im Jahr 2024 bei 31 Prozent.

Seit 2015 ist die Repräsentanz von Frauen damit um sechs Prozentpunkte gestiegen. Allerdings sei der Fortschritt in Richtung Parität ins Stocken geraten, erklärte Agnes Schneeberger, Verfasserin des Berichts und Analystin der Informationsstelle für TV- und Video-On-Demand-Märkte. Das deute auf dauerhafte Hindernisse hin.

Der "Regisseurinnen-Effekt"

Schneeberger nennt drei Faktoren hinsichtlich Geschlechterrepräsentanz: Es gebe weniger Frauen unter den aktiven Beschäftigten, die Aktiven erhielten weniger Aufträge, und die Arbeit werde häufiger mit anderen Kollegen gemeinsam ausgeführt. Drehbuchautorinnen zum Beispiel würden häufiger im Team schreiben als ihre männlichen Kollegen.

Die meisten Teams in der europäischen Film- und Fernsehproduktion bestehen mehrheitlich aus Männern. Frauen sind eher in teamorientierten Rollen wie Produktion und Drehbuch stärker vertreten. Umgekehrt sind Frauen eher unterrepräsentiert in Rollen, die in der Regel von einer einzelnen Person ausgefüllt werden, wie Regie, Kamera oder Komposition. Doch selbst bei Rollen, in denen mehrere Menschen für Drehbuch oder Produktion eines Films verantwortlich zeichnen, sind die Teams mehrheitlich mit Männern besetzt.

Eine Beobachtung: Wenn eine Frau Regie führt, werden auch andere kreative Schlüsselrollen eher mit Frauen besetzt. Dieser "Regisseurinnen-Effekt" ist in der Kinofilmbranche stärker ausgeprägt. In der Filmbranche gingen 76 Prozent der Drehbuchaufträge bei Projekten unter weiblicher Regie an Frauen. Dieser außergewöhnlich hohe Wert ist in Teilen darauf zurückzuführen, dass sich die Rollen Regie und Drehbuch häufig überschneiden. In der audiovisuellen Fiktion hingegen, wo diese Rollen stärker voneinander abgegrenzt sind, entfielen 53 Prozent der Drehbuchaufträge für Werke unter weiblicher Regie auf Frauen.

In Österreich ist die Parität erreicht

Bei der Kinofilmproduktion 2025 war Österreich das Land mit dem insgesamt höchsten Anteil an Aufträgen, die an Frauen vergeben wurden (46 Prozent). Das Land hat in dieser Kategorie bei den Aufträgen für Regie, Drehbuch und Montage Parität erreicht oder sogar übertroffen. Lettland hat Parität bei den Produzentinnen (54 Prozent) erreicht. Der europäische Durchschnitt lag bei Betrachtung aller Rollen in der Kinofilmproduktion bei 24 Prozent.

Bei der Produktion audiovisueller Fiktion haben Griechenland und Irland 2024 bei Regie beziehungsweise Drehbuch Geschlechterparität erreicht: In Griechenland führte bei 51 Prozent aller audiovisuellen Produktionen eine Frau Regie, in Irland wurden 57 Prozent aller Drehbücher von Frauen geschrieben. Der europäische Durchschnitt lag bei der Regie audiovisueller Produktion bei 26 Prozent, bei den Drehbüchern bei 37 Prozent. Bei Betrachtung aller Rollen in der audiovisuellen Produktion wies Finnland mit 35 Prozent den höchsten Gesamtanteil an von Frauen übernommenen Aufträgen auf. Der europäische Durchschnitt lag hier bei 26 Prozent. Deutschland schaffte es in keiner Kategorie auf einen Spitzenplatz.

Am niedrigsten war der durchschnittliche Anteil der Kamerafrauen sowohl bei der Filmproduktion als auch bei der Produktion audiovisueller Fiction in Europa: Bei 13 Prozent der Kinofilme und nur bei 11 Prozent der audiovisuellen Produktionen stand eine Frau hinter der Kamera.

koe/dir



Zuerst veröffentlicht 16.10.2026 10:30

Schlagworte: Medien, Frauen, Produktion, Europa, Studie, Europäische Audiovisuelle Informationsstelle

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