Nach dem Akt ist vor dem Akt - epd medien

23.10.2026 08:09

"Friends, Sex and Games" heißt die deutsche Adaption der mexikanischen Serie "El juego de las llaves". Erzählt wird von Erotik, Träumen, Bindung und Kommunikation. Der Ton ist mal leicht und humorvoll, mal aber auch von sensibler Ernsthaftigkeit.

Serie "Friends, Sex and Games" bei Prime Video

Valentin (Martin Brauckmann, zweiter von links) und Anna (Paula Kalenberg, rechts) bei einem Essen mit den Freunden

epd Eigentlich ist alles gut bei Anna (Paula Kalenberg) und ihren Freundinnen. Mit Bella (Mona Pirzad) und der gemeinsamen Hochzeitsplanungsagentur hat sie ihre romantischen Bedürfnisse zum Beruf gemacht. Berge von künstlichen Blüten in strahlenden Farben bilden im Office die Kulisse. Es gilt schließlich, Paaren zu Premieren mit Glanz und Gloria zu verhelfen. Der Alltag kommt früh genug. Freundin Julie (Salka Weber) ist Künstlerin, formt als Bildhauerin Menschen nach ihrem Gusto.

Auch mit den Partnern hätten die Frauen es schlechter treffen können. Annas Mann Paul (Fridolin Sandmeyer), ein Werbefilmproduzent, ist ein witziger Nerd, wie er im Buch steht, Bellas Partner Leo (Pascal Houdus) zeichnet beruflich Karikaturen und Julies Lebensgefährte Valentin (Martin Bruchmann) ist ebenso perfekt vorzeigbar wie das luxuriöse, überaus geschmackvoll eingerichtete Haus des Paars. Auch die Männer verstehen sich bestens und treffen sich.

Adaption einer mexikanischen Serie

Sie treffen sich und reden und reden vor allem über Sex. Offenherzigkeit ist Programm in der achtteiligen Amazon-Prime-Serie "Friends Sex and Games". Es gibt viele sorgfältig choreographierte Sexszenen. Ein Plus dieser Adaption des mexikanischen Originals "El Juego de las Llaves", ist die Bedeutung, die Sex hier neben dem physischen Kontakt zweier oder mehrerer Menschen erhält. Es geht um Intimität (oder deren Abwesenheit), erotische Praxis als Selbstausdruck oder Geschenk. Sex ist hier eigennützig, abenteuerlich, gefährlich oder vertraut, Indikator der Lebendigkeit der Personen, ihrer Bindungsbereitschaft, ist Form der Kommunikation und, vor allem bei Anna, Anzeige der Sehnsüchte.

Alle diese Dimensionen der Körperlichkeit werden nicht nur behauptet oder besprochen, sondern mit sorgfältiger Figurenzeichnung und überzeugender Darstellung vermittelt. Das gefilmte Hochglanzmilieu wirkt zunächst oberflächlich. Auch wenn die Frauen an die "Vorstadtweiber" des ORF erinnern, auch wenn sie sich benehmen wie in "Sex and the City", gibt es hier mehr Witz, Ironie, Melancholie und Tiefe. Nicht zuletzt auch bei den Männern.

Häusliches Chaos

Es wird kompliziert, als Annas ehemaliger Schulfreund Samu (Eric Cordes) mit seiner Freundin Siena (Lilja van der Zwaag) auftaucht, vor den Augen der Hochzeitsplanerinnen, die die beiden beim Vorspiel am See entdecken, als gerade eine perfekt geplante Feier über die Bühne gehen soll. Anna und Samu können die Augen nicht voneinander lassen. Man tauscht Kontakte, trifft sich zu acht, und spielt das Was-Wäre-Wenn-Spiel erst mal in der Fantasie.

Paul hat sich vor Kurzem geweigert, Anna einen Klaps beim Sex zu geben, sie hat die Nase voll von der Hausmannskost. Paul ist unsicher. Hätte sie nicht einen viel besseren Mann haben können? Wenn sie nicht direkt nach dem Abitur schwanger geworden wäre? Bella und Leo dagegen haben ständig Sex und genießen immer neue Rollenspiele, verstecken sich dabei vor ihren beiden Monsterkindern, die keine Grenzen kennen. Der Preis der ständigen Lustbereitschaft ist häusliches Chaos. Bis Leos Mutter daheim für Disziplin sorgt.

Ein Spiel mit Konsequenzen

Bei Valentin und Julie, die sich ein Kind wünscht, ist dagegen tote Hose. Äußerlich haben sie alles, aber besonders in dieser Nebenhandlung setzt "Friends Sex and Games" erfolgreich auf sensible Ernsthaftigkeit. Valentin lernt den Besitzer einer queeren Bar kennen und ist plötzlich hin- und hergerissen zwischen den Geschlechtern. Für Julie hat das Spiel, auf dass die vier Paare sich auf Sienas Vorschlag - manche zögernd, manche hoffend - einlassen, ungeahnte Konsequenzen.

"Game of Keys" heißt das Spiel und es ist schleierhaft, warum die Serie nicht bei diesem Titel geblieben ist. Alle Männer legen ihre Hausschlüssel in eine Schale, jede Frau zieht einen und damit ihren Partner für die Nacht. Es gelten Regeln, Safe Sex, nur Ja heißt Ja, alles kann, nichts muss. Keine Eifersucht, keine Gefühle.

Leicht und humorvoll

Leo und Siena werden direkt als öffentliches Ärgernis von der Polizei erwischt. Bei Anna und Samu knistert es gewaltig. Samu inszeniert die Serie als muskelbepackten, unwiderstehlich romantisch-coolen Typ. Ein DJ, der auf Ibiza und Mykonos auflegt. Für Anna die Versuchung, die irgendwann kommen musste. Es wird komplizierter, bevor zum Ende der achten Folge, in der Siena eine Geburtstagsparty gibt, die zur Orgie wird, alles wieder hübsch und ein bisschen zu sehr sortiert wird.

So vielversprechend, leicht und humorvoll "Friends Sex and Games" sieben Folgen lang die Zusammenhänge von Sex und Freiheit, Vertrauen, Freundschaft, Sicherheit und Liebe diskutiert, so eindeutig und moralisch wird es am Ende der achten Folge. Sehenswert ist die Serie trotzdem, es wäre zu wünschen, dass eine zweite Staffel anknüpft. Nach dem Akt ist vor dem Akt, zumindest in dieser gelungenen Serie.

infobox: "Friends Sex and Games", achtteilige Serie, Regie: Barbara Kronenberg, Sinje Köhler, Buch: Vivien Hoppe, Antonia Rothe-Liermann (Headautorinnen), Ben Brooks, Marlene Melchior, Kamera: Jan-Marcello-Kahl, Jien Yi, Produktion: UFA Fiction (Amazon Prime Video seit 16.10.26)



Zuerst veröffentlicht 23.10.2026 10:09

Heike Hupertz

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KPrimevideo, Serie, Kronenberg, Köhler, Hoppe, Rothe-Liermann, Hupertz

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