30.10.2026 16:24
Frankfurt a.M. (epd). In der Auseinandersetzung der jüdischen Loge B'nai B'rith in Frankfurt am Main mit dem Hessischen Rundfunk strebt HR-Intendant Florian Hager "eine einvernehmliche Lösung" an. Es sei völlig unstreitig, dass der Loge in der NS-Zeit durch die Enteignung von Grundstücken schweres Unrecht angetan worden sei, sagte Hager in einer Sitzung des Rundfunkrats am Freitag. "Es geht um die Frage, ob die Entschädigungsregelung von 1952 diesem Sachverhalt vollständig Rechnung getragen hat." Der HR stehe in engem Austausch mit der Loge und bereite gemeinsam mit ihr ein Vermittlungsverfahren vor.
Das Rundfunkratsmitglied René Rock (FDP), Vizepräsident des Hessischen Landtags, kritisierte, dass der Rundfunkrat erst nach der öffentlichen Berichterstattung in den vergangenen Wochen in die Auseinandersetzung eingebunden worden sei. "Die Restitution ist für mich nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine moralische Frage", sagte Rock. Fälle der Wiedergutmachung seien juristisch oftmals nicht zugunsten der Betroffenen geregelt worden.
Die Loge B'nai B'rith hatte sich nach den Worten ihres Präsidenten Ralph Hofmann bereits im Juli 2024 an den HR-Intendanten gewandt, um über Grundstücksgeschäfte des HR in der Nachkriegszeit zum Nachteil der früheren jüdischen Eigentümer zu sprechen. Ihre enteigneten und zwangsverkauften Grundstücke gelangten über die Reichsrundfunk GmbH an den HR. In einem Vergleich 1951/52 habe der HR 160.000 DM an die Loge gezahlt, wobei das größte enteignete Flurstück unberücksichtigt geblieben sei. Der HR habe die Grundstücke 1953 für drei Millionen Mark an die Stadt Frankfurt weiterverkauft.
Die Loge sei monatelang hingehalten worden, die wenigen Gespräche danach hätten kein Ergebnis erbracht, kritisierte Hofmann. Erst der Gang an die Presse habe den HR in Bewegung gebracht. Zuerst hatte "Der Spiegel" über den Fall berichtet. In der Folge hatte der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann, sein Amt im Aufsichtsrat der hr werbung GmbH aus Protest niedergelegt.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
lmw
Zuerst veröffentlicht 30.10.2026 17:24
Schlagworte: Medien, Judentum, NS-Zeit, #sagsmir
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