Laut, aber nicht schrill - epd medien

31.10.2026 10:05

Die Personality-Doku "Motsi & Oti - Meet the Mabuses" gehört zu den neuen Formaten, die die ARD-Anstalten derzeit entwickeln, um Menschen anzusprechen, die öffentlich-rechtliche Angebote bisher wenig genutzt haben. Sie gibt Motsi Mabuse und ihrer Schwester Oti viel Raum für Selbstdarstellung.

Personality-Doku "Motsi & Oti - Meet the Mabuses"

Die Schwestern Motsi (links) und Oti Mabuse sind die Protagonistinnen der WDR-Doku "Motsi & Oti - Meet the Mabuses"

epd Diese WDR-Personality-Doku über zwei der Mabuse-Schwestern beginnt so glamourös, wie man sich das vorstellt. Motsi Mabuse, frühere Tänzerin und langjährige Jurorin der erfolgreichen RTL-Tanzshow "Let's Dance", feiert ihren 45. Geburtstag. Schwester Oti, Tänzerin bei der britischen Ausgabe, "Strictly Come Dancing", und Jurorin in der irischen Version, ist aus London angereist. Sie, Motsis Mann Evgenij und Kollegen überraschen das "Birthday Girl" gegen Mitternacht in ihrer "Let's-Dance"-Studiogarderobe mit Glückwünschen und Gaben. Am Abend steigt eine Party mit Freunden.

Wie es sich für Diven ziemt, kommen Motsi und Oti zu spät. Alle warten auf den Auftritt. Der kommt mit sprudelndem Temperament und umwerfender Ausstrahlung, körperbewusst, aber nicht überkandidelt, eher ladylike. So kennt man Motsi auch als nachsichtige Bewerterin der Tanzleistung von nicht selten hüftsteifen Promis bei "Let's Dance". Alles schön bunt hier, zwar laut, aber nicht schrill.

Schwestern und Mütter

Die Einstiegsfolge von "Motsi & Oti - Meet the Mabuses" entspricht den Standards, die das Privatfernsehen bei Personality-Dokus gesetzt hat. Die Doku gehört zu den Formaten, die der WDR neu entwickelt hat, um Menschen zu erreichen, die bislang wenig öffentlich-rechtliche Angebote nutzen. Es gibt bequeme Wiedererkennung und Befriedigung der Neugier auf Promis.

Auch wenn vieles inszeniert erscheint, wie der Kampf mit Schwester Oti um die Programmhoheit beim Fernsehgucken, am Schluss weiß man hinterher mehr über Motsis und Otis als Schwestern und Mütter: ihre Leidenschaften, ihre Probleme mit der Vereinbarkeit von Kind und Karriere, Ehefrau und Familie. Wir kennen und fühlen ihre Sorgen, Motsis Disziplin nicht nur in Gelddingen. Auch vom tragischen Suizid des Bruders ist die Rede. Wir wissen, wo für sie Heimat ist, wo und wann sie sich heimatlos fühlen.

Viel Raum für Selbstdarstellung

Wird die ARD solche Themen in Zukunft stärker über Personality- und Unterhaltungsformate vermitteln? Wer sich die derzeit ebenfalls in der Mediathek stehende Doku "No Angels - Das sind Wir!" ansieht, mag das glauben. Hier ist eine zwar nicht neue, aber für die Öffentlichen-Rechtlichen eher ungewohnte Doku-Machart zu sehen. Eine, die der Selbstdarstellung der Protagonistinnen viel Raum gibt.

Diese Machart ist bewusst unkritisch. Wer sich nicht daran stört, dass beide Schwestern die Filmaufnahmen aus zwei Sesseln heraus immer wieder kommentieren oder dass private Selbstdarstellungs-Tiktok-Videos eingestreut werden, wird möglicherweise doch Bedenkenswertes finden. In Windsor, wo Motsi Mabuses Familie Sightseeing macht, möchte das Paar der achtjährigen Tochter Geschichte vermitteln. Abends soll es zum König gehen, anlässlich eines Empfangs zur Vertiefung der britisch-deutschen Beziehungen. Was könnte mehr Glamourappeal haben?

Diskriminierungserfahrungen

Dann aber beginnt Motsi zu erzählen, dass sie vermeidet, für die Tochter in Restaurants nach der Toilette zu fragen. Sie berichtet von Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen.Solche Passagen sind eindrücklich. Wie die Reise nach Südafrika, bei der Motsi ihrem Mann das Land zeigt, aus dem sie kommt. In Pretoria hat sie einst in einer Township gewohnt, ist in eine (weiße) katholische Klosterschule gegangen. Mit 18 versuchte sie ihr Glück als professionelle Tänzerin in Deutschland. Man lernt ihre Eltern kennen, der Vater Anwalt, die Mutter Lehrerin und Psychologin, eine Frau, die einen kommunalen Kindergarten für bildungsbenachteiligte schwarze Kinder gründete, den Motsi nun fördert.

In einem Tanzworkshop für Jugendliche geben Motsi und ihr Mann Lektionen in Tanz und "Empowerment". Von der Familie, insbesondere der bemerkenswerten Mutter, hätte man gern mehr erfahren. Aber die Dramaturgie der Serie verlangt, dass die problematische zweite Schwangerschaft von Oti Mabuse in London in den Vordergrund rückt.

"Motsi & Oti" hat tolle Protagonistinnen und verschweigt auch Schwierigkeiten und Lebenskrisen nicht - so leben Evgenijs russischsprechende Eltern seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine mit im Kelkheimer Haus. Gezeigt werden zwei vorbildliche Ehemänner, die ihre Frauen im Alltag jederzeit unterstützen und es prima finden, nur die zweite Geige zu spielen. Aus der Diven-Nummer ist die Serie nach dem Auftakt schnell heraus. Ab November wird es in der ARD-Mediathek ein weiteres Format mit Motsi Mabuse geben: In "Vibes - Find Your Fire" werden sich neun Frauen in Umbruch-Situationen mit Motsi und einem Expertinnenteam einem "Empowerment-Experiment" unterziehen. Die ARD macht nun auch in Lebenshilfe mit Prominenten.

infobox: "Motsi & Oti - Meet the Mabuses", sechsteilige Personality-Doku, Regie und Buch: Linda Jeschonneck, Kamera: Jasper Engel, Robert Schramm, Carsten Lippe, Produktion: ITV Studios Germany (ARD-Mediathek/WDR seit 19.10.26, WDR ab 31.10.26, jeweils samstags, 0.00-0.30 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 31.10.2026 11:05

Heike Hupertz

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), Streaming, Dokumentation, KWDR, Mabuse, Personality-Doku, Jeschonneck, Hupertz

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