Der Erfinder der Tigerente ist tot: Janosch stirbt mit 95 Jahren - epd medien

04.11.2026 14:54

Der Kinderbuchautor und Illustrator Janosch ist tot. Er hinterlässt mit dem kleinen Tiger, dem kleinen Bär und der Tigerente ein Werk, das die Bedeutung von Freundschaften und Bescheidenheit ins Zentrum stellte.

Janosch in seinem Haus auf Teneriffa (Archivbild)

Frankfurt a.M./Tübingen (epd). Janosch ist tot. Der bekannte Kinderbuchautor und Illustrator starb am Dienstag im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa, wie sein Verleger Bernhard Feil am Mittwoch in Tübingen mitteilte. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte ihn in einem Kondolenzschreiben als Künstler mit unbändiger Fantasie, der mit seinen Geschichten und Figuren die Menschen begeistert habe.

Der Kinderbuchautor und Illustrator schuf mehr als 150 Kinderbücher, die in mehr als 150 Sprachen übersetzt und weltweit millionenfach verkauft wurden. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören "Oh, wie schön ist Panama", "Post für den Tiger" und "Komm wir finden einen Schatz", er erzählte von den Erlebnissen des kleinen "Hannes Strohkopp" und vom "Quasselkasper" aus Wasserburg und von "Rasputin, dem Vaterbär". Seine Geschichten vermitteln Werte wie Freundschaft, Freiheit, Zufriedenheit und Bescheidenheit. Sein besonderer Zeichenstil verband emotionale Geschichten mit Humor und leiser Gesellschaftskritik.

Steinmeier erinnert an "Oh, wie schön ist Panama"

Steinmeier erinnerte an Janoschs wohl bekanntestes Werk "Oh, wie schön ist Panama" mit dem kleinen Bären und dem kleinen Tiger. Die Figuren, die Janosch erschuf, könnten Kindern Mut zum Träumen machen, schrieb er: "Die Reise der beiden hat so viele Menschen bezaubert, dass sie durch einen wirklichen Besuch kaum zu übertreffen ist." Ohne Janosch werde die Welt "ein gutes Stück ärmer, aber er hat uns ja mit seinen Büchern und Einfällen längst reich beschenkt."

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) würdigte "den unverstellten Blick für das, was wirklich zählt", den sich Janosch bis ins hohe Alter bewahrt habe. Seine Abenteuergeschichten zeigten Kindern und Erwachsene, dass "das wahre Glück im Leben oft im vermeintlich Kleinen und eigentlich ganz Großen liegt: in Freundschaft und in Freiheit", erklärte Weimer.

Schwierige Kindheit

In seiner Kindheit habe sich Janosch einen Tuschkasten mit den Farben Gold, Silber und Rosa gewünscht, schrieb die Beltz Verlagsgruppe in einer Würdigung. "Mit bewusst unbeholfenem Strich" habe er Bilder gezeichnet, die "einerseits voller Emotionalität und Sentimentalität, andererseits voll leiser Ironie und Widerstand gegen Instanzen und Obrigkeiten" steckten. Heute gebe es kaum ein Kinderzimmer, in dem nicht eines seiner Werke im Regal stehe.

Janosch wurde am 11. März 1931 in Zabrze (Polen) als Horst Eckert geboren und kam nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Eltern nach Deutschland. Später studierte er einige Probesemester an der Kunstakademie in München, bevor er freier Maler wurde. 1960, im Alter von 29 Jahren, zeichnete er sein erstes Kinderbuch: "Die Geschichte von Valek dem Pferd". Auf Anraten seines Verlegers nahm er zu dieser Zeit den Künstlernamen Janosch an. Mit "Oh, wie schön ist Panama" gelang ihm 1978 der Durchbruch. Dafür erhielt er 1979 den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Der SWR benannte die ARD-Kinder-Show "Tigerenten Club" nach einer der bekanntesten Figuren von Janosch, die Show beging in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. SWR-Intendant Kai Gniffke sagte, Janoschs Geschichten hätten die Kindheit und das Erwachsenwerden von vielen geprägt. "Sie haben uns gelehrt, die Welt mit wachem Blick und warmem Herzen zu betrachten. Janoschs Tigerente ist Teil unseres kollektiven Gedächtnisses - und sie hat mit dem 'Tigerenten Club' im Kinderfernsehen des SWR und der ARD ihren festen Platz gefunden."

Dem SWR sei es ein Anliegen, in Janoschs Sinn weiterzumachen, teilte der Sender mit: "Kinder ernst nehmen, ihnen neugierige, offene Fragen stellen, ihnen Mut machen und ihnen Geschichten erzählen, die Herz und Verstand gleichermaßen berühren"

Fragen an Wondrak

1980 zog Janosch nach Teneriffa. 2010 kündigte er von Teneriffa aus an, er werde keine weiteren Bücher schreiben. Fortan widmete er sich ganz dem Malen. 2013 übernahm er im "Zeit-Magazin" eine wöchentliche Bilderkolumne. Der Autor habe sofort eine Idee für die Kolumne gehabt, schrieb der "Zeit"-Redakteur Tilmann Prüfer, der die Kolumne betreute, in einem Nachruf in der "Zeit": "Er wollte einen Helden zeichnen. Das klang groß. Ich war skeptisch. Passte das überhaupt in unsere Zeit? Aber wahrscheinlich spürte Janosch, dass wir bald Helden würden brauchen können. Der Held, den er schuf, war Wondrak."

Die Kolumne sei in einem regelmäßigen E-Mail-Verkehr mit Janosch entstanden, schrieb Prüfer: "Ich stellte eine Frage an seine Lieblingsfigur Wondrak, er beantwortete sie. Wenn es uns beiden gefiel, wurde eine Zeichnung für das 'Zeit-Magazin' daraus." So seien mehrere Hundert Zeichnungen und einige Wondrak-Bücher entstanden.

Freundschaft und Glück

Die Leiterin des Bilderbuchmuseums in Troisdorf bei Bonn, Pauline Liesen, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), Janoschs Protagonisten wie Tigerente, Bär und Tiger gingen "einfach zu Herzen: Darüber hinaus freut man sich über Geschichten, die oftmals tief empfundene Freundschaft und ein Glück thematisieren, das nicht mit Geld und Macht, sondern mit Zufriedenheit und Bescheidenheit einhergeht."

Janosch, der als Eigenbrötler galt, gab 1999 im Anschluss an eine große Werkschau seine Bilderbuch-Originalillustrationen als Dauerleihgabe an das Bilderbuchmuseum in den Räumlichkeiten der Troisdorfer Burg. Später kaufte das Haus mehr als 2.700 weitere Originale zu Janosch an. "Damit sind wir das Museum mit dem größten Janosch-Schatz, zumindest was die Bilder - und Kinderbücher anbelangt", sagte Liesen.

"Wörterbuch der Lebenskunst"

Der Durchbruch als Kinderbuchautor gelang ihm 1978 mit "Oh, wie schön ist Panama", das mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde: Wegen des unvergleichlichen Dufts einer Bananenkiste machen sich die Freunde Tiger und Bär mit ihrer gelb-braun gestreiften Tigerente auf den Weg nach Panama, dem Ort ihrer Sehnsucht. Am Ende sind sie wieder zu Hause - und glücklich. 1980 kam der genauso erfolgreiche Band "Post für den Tiger" in die Buchhandlungen.

Janosch illustrierte und schrieb auch für Erwachsene. Im Reclam-Verlag erschienen im typischen Kleinformat auch große Werke. Etwa das "Wörterbuch der Lebenskunst", das "Notizbuch für alle Lebenslagen", "Rasputin der Lebenskünstler" oder auch - als kleine Hommage an Ernest Hemingway - "Der alte Mann und der Bär - eine Weihnachtsgeschichte."

Seine Protagonisten brauchten nicht viel, um glücklich zu sein: einen Freund, zu essen und zu trinken, viel Sonnenschein, Muße zum Träumen, viel Zeit und eine gesunde Umwelt mit Bächen, in denen sich Forellen wohlfühlen, und mit Wäldern, in denen Pilze und Beeren wachsen.

Kindheit war "die Hölle"

In Interviews mit seiner Biografin Angela Bajorek erzählte Janosch von seiner Kindheit, die alles andere als idyllisch war: Armut, beengte Wohnverhältnisse, ein strenger Pfarrer machte ihm Angst vor Gott, der Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker, die Mutter eine vermeintlich fromme, kalte Frau. "Die Hölle", so erinnerte sich Janosch an seine Kindheit. Die ersten Lebensjahre hätten seine Persönlichkeit völlig zerstört.

Prüfer schrieb über ihn, Janosch habe nie einen Zweifel daran gehabt, was für ein grausames Wesen der Mensch ist: "Vielleicht hat er deswegen so oft Tiere zu den Helden seiner Geschichten gemacht. Und wenn er Menschen auftauchen ließ, dann waren das immer beschädigte Gestalten. So wie der alte Onkel Poppoff, der aber fliegen kann."

infobox: Zum Gedenken an Janosch änderte der SWR am 4. November sein Programm im Fernsehen und sendete die Dokumentation "Da wo ich bin, ist Panama - Die Lebensreise des Herrn Janosch". Der Film ist auch in der ARD Mediathek abrufbar sein.

kfr/lig/are/dir



Zuerst veröffentlicht 04.11.2026 15:54 Letzte Änderung: 04.11.2026 16:00

Schlagworte: Literatur, Kunst, Kinder, Personalien, BIO, KORR, #erklärsmir, NEU

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