Unesco: Sechs von sieben Morden an Journalisten bleiben ungesühnt - epd medien

05.11.2026 13:32

Ein Unesco-Bericht zeichnet ein alarmierendes Bild der Sicherheit von Medienschaffenden weltweit. Die Verantwortlichen kämen oft straffrei davon.

Paris (epd). Die meisten Morde an Journalistinnen und Journalisten bleiben laut einem Unesco-Bericht straffrei. Erstmals seit der Erfassung im Jahr 2012 sei die weltweite Straflosigkeit sogar leicht gestiegen: Im Zeitraum 2024 bis 2025 lag sie bei 86 Prozent, gegenüber 85 Prozent im vorangegangenen Zweijahreszeitraum, wie die Unesco am Montag in Paris mitteilte. Insgesamt seien im Berichtszeitraum 189 Journalisten getötet worden, 20 Prozent mehr als in den zwei Jahren zuvor. 127, also rund ein Drittel, seien in Konfliktgebieten gestorben.

Unesco-Generaldirektor Khaled El-Enany sagte, Journalisten bezahlten für die Berichterstattung von der Front zunehmend mit ihrem Leben. Viel zu oft würden die Verantwortlichen für ihre Ermordung nicht zur Rechenschaft gezogen. "Ich bekräftige meinen Aufruf zur Einhaltung der Resolution 2222 des UN-Sicherheitsrats, die 2015 einstimmig zum Schutz von Journalisten, Medienfachleuten und zugehörigem Personal als Zivilisten in Konfliktsituationen verabschiedet wurde", erklärte er.

Neue Militärtechnologien verändern Risiken

Als besorgniserregende Entwicklung identifiziert der Bericht den zunehmenden Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge (UAVs) oder Drohnen, um Journalisten zu töten. Im Berichtszeitraum seien 50 Journalisten durch Drohnenangriffe in Konfliktgebieten getötet worden.

Die Unesco dokumentierte zudem sieben Vorfälle, bei denen mehrere Journalisten in einem einzigen Angriff gezielt getötet worden seien, darunter Angriffe auf Medienarbeitsstätten und provisorische Berichterstattungszentren. 15 Journalisten wurden Berichten zufolge getötet, während sie Pressewesten trugen oder sich in Fahrzeugen befanden, die deutlich mit "Presse" gekennzeichnet waren.

Fortschritte in Ländern ohne Konflikte

Der Bericht zeigt einen deutlichen Kontrast zwischen den Entwicklungen in Konflikt- und Nicht-Konfliktgebieten: Während sich die globale Lage verschlechtert habe, sei die Straflosigkeit in Ländern ohne Konflikte weiterhin stetig zurückgegangen - von 94 Prozent im Jahr 2012 auf 77 Prozent im Jahr 2026.

Auch die Zahl der Morde an Journalisten in konfliktfreien Gebieten ging laut Unesco zurück - auf 85 Morde, die niedrigste Zahl seit 18 Jahren. Dies zeige, dass Fortschritte möglich sind, wenn Regierungen in Ermittlungen, Strafverfolgung und den Schutz von Journalisten investieren.

Besondere Risiken für Journalistinnen

Von den 14 Journalistinnen, die in den Jahren 2024 und 2025 getötet wurden, starben 93 Prozent bei der Berichterstattung über Konflikte. Obwohl Frauen einen relativ geringen Anteil ausmachten, seien sie weiterhin in unverhältnismäßig hohem Maße von Missbrauch und Belästigung im Internet und im realen Leben betroffen, erklärte die Unesco.

Die Organisation verweist auf eine Studie von UN Women und dem International Center for Journalists (ICFJ) aus dem Jahr 2025, wonach 75 Prozent der Journalistinnen solchen Übergriffen ausgesetzt waren. Der Anteil der Frauen, die angaben, infolge von Online-Gewalt auch offline Gewalt erlebt zu haben, habe sich seit der letzten Erhebung im Jahr 2020 von 20 Prozent auf mehr als 40 Prozent im Jahr 2025 verdoppelt.

koe



Zuerst veröffentlicht 05.11.2026 14:32

Schlagworte: Medien, UN, Kriminalität

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