06.11.2026 10:37
Berlin (epd). Die Intendantin der Deutschen Welle Barbara Massing hat einen Schutz für journalistische Leistungen vor der Abschöpfung durch Künstliche Intelligenz (KI) gefordert: "Journalistische Leistung muss geschützt und bezahlt werden", sagte Massing am Donnerstagabend in Berlin bei der Veranstaltung "Who owns the news? Journalismus im Zeitalter der KI". Zu viele KI-basierte Geschäftsmodelle lebten von fremder Leistung, sagte Massing. Die Politik müsse "ein Modell für finanzierbaren und auffindbaren Journalismus" entwickeln.
Auch der Medienrechtler Martin Senftleben, Professor für Geistiges Eigentum und Direktor des Instituts für Informationsrecht an der Universität Amsterdam, betonte, dass Journalismus eine nachhaltige, faire und durchlaufende Vergütung für journalistische Inhalte brauche. "Und er braucht Sichtbarkeit: Der KI-Nutzer muss wissen, wo Inhalte und Wissen herkommen", sagte Senftleben. Er regte einen Vergütungsmechanismus nach dem Modell der Verwertungsgesellschaft Wort an, den Unternehmen, die journalistische Leistungen durch KI abschöpfen, an die Medienhäuser zahlen müssten.
Torsten Welling (CDU), für Medien zuständiger Staatssekretär im Land Rheinland-Pfalz, benannte die "KI-Abwärtsspirale", mit der sich viele Medienhäuser konfrontiert sähen: "Weniger Sichtbarkeit der Inhalte bedeutet weniger Erlöse und weniger Erlöse bedeuten weniger journalistische Leistung." Er zeigte sich überzeugt, dass der neue Digitale-Medien-Staatsvertrag, den die Länder derzeit erarbeiten, dieser Entwicklung etwas entgegensetzen könne. In dem neuen Staatsvertrag soll unter anderem die Nutzung von KI reguliert werden. Außerdem sollen die großen Plattformbetreiber verpflichtet werden, Medieninhalte bevorzugt sichtbar zu machen.
Der Medienfachanwalt Joerg Heidrich, der KI-Beauftragter bei Heise Medien ist, warnte vor einer "Überregulierung durch KI-Blockierungsgesetze". Er sei "begeisterter KI-Nutzer", sagte er. Wichtig sei seiner Ansicht nach, dass KI-Modelle ausreichend Trainingsmöglichkeiten mit Inhalten bekommen, um dadurch schlechte Inhalte besser erkennen zu können. Allerdings dürften Inhalte nicht ohne Kennzeichnung der Quellen veröffentlicht werden, betonte er.
Simon Uhl, bei der Deutschen Welle für Künstliche Intelligenz zuständig, warnte vor der Veränderung des Journalismus durch die KI-Zusammenfassungen, die beispielsweise die Suchmaschine Google liefere. Häufig blieben die Nutzer bei den Zusammenfassungen hängen und klickten nicht mehr auf die Quellen. Die Medienhäuser würden die Auswirkungen bereits spüren, weil die Nachfrage nach journalistischen Inhalten beträchtlich nachlasse.
Lutz Mache, Government Affairs & Public Policy Manager bei Google, verwies darauf, dass 80 Prozent der Medienunternehmen in Deutschland Verwertungsverträge mit Google abgeschlossen hätten. Sein Haus sei für solche Themen ansprechbar. Julia Becker, Verlegerin der Funke Mediengruppe hielt dagegen: Sie habe die Vereinbarung mit Google aufgekündigt, weil das Unternehmen die Nutzung weiterer Verwertungsstufen verlangt habe. Die Mediengruppe habe jetzt eine eigene KI entwickelt und mit der Nachrichtenagentur dpa eine Kooperation vereinbart, die den Angeboten von Funke sichtbaren Nutzen bringe.
infobox: Die Veranstaltung "Who owns the news? Journalismus im Zeitalter der KI" wurde von der Deutschen Welle und dem Institut für Medienrecht und Kommunikationsrecht der Universität zu Köln gemeinsam organisiert.
jhu
Zuerst veröffentlicht 06.11.2026 11:37
Schlagworte: Medien, Medienrecht, KI, Journalismus, Huber
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