03.04.2025 14:19
Berlin (epd). Die unabhängige Untersuchungskommission zur fehlerhaften RBB-Berichterstattung über den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar hat dem Sender schwere journalistische Fehler und ein problematisches Vorgehen der Chefredaktion attestiert. Dies geht aus der Zusammenfassung des 96-seitigen Abschlussberichts hervor, die der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am Donnerstag in Berlin veröffentlicht hat. Die Kommission hat nach eigenen Angaben Gespräche mit 13 RBB-Mitarbeitenden geführt sowie E-Mails, Protokolle, Stellungnahmen, Videobeiträge, Textbeiträge, Podcasts und Hörfunkbeiträge ausgewertet.
Empfohlen wird im Bericht unter anderem, dass die Chefredaktion künftig die Einbeziehung von Investigativteams bei brisanten Recherchen sicherstellt. Die umfangreichen Aufgaben der Chefredaktion dürften nicht "zulasten der journalistischen Aufgaben und Sorgfaltspflichten gehen". Gegebenenfalls sollten diese Aufgaben dort "auf mehrere Schultern verteilt werden".
Der RBB hatte Ende des Jahres 2024 über Belästigungsvorwürfe gegen Gelbhaar berichtet, die dieser zurückgewiesen hatte. Später hatte der Sender "schwerwiegende Fehler" bei der Berichterstattung eingeräumt und einen Großteil davon zurückgezogen. Der damalige Bundestagsabgeordnete geriet im Zuge der Anschuldigungen kurz vor der Bundestagswahl am 23. Februar ins politische Aus.
Im März hatte der Sender als Konsequenz aus der fehlerhaften Berichterstattung unter anderem die zwingende Einbeziehung von Investigativteams bei entsprechenden Recherchen angekündigt. Chefredakteur David Biesinger und Programmdirektorin Katrin Günther legten ihre Ämter nieder.
In der Zusammenfassung der Kommission heißt es unter anderem, die an der Recherche und dem RBB-Beitrag Beteiligten hätten keine Erfahrungen im investigativen Journalismus gehabt. Sie hätten "gegen journalistische Grundregeln verstoßen" und "schwere journalistische Fehler begangen".
Der Chefredakteur habe sich trotz der Tragweite der erhobenen Vorwürfe nur "rudimentär" über die Recherche und das Zustandekommen der Berichterstattung informieren lassen, heißt es dort.
Noch Ende Dezember habe er gegenüber dem RBB-Justitiariat erklärt, "das Projekt liege in guten Händen". Eine eigene inhaltliche Befassung durch ihn habe nicht stattgefunden. Dies sei mit einer seit langem im Sender geltenden Arbeitsweise der "delegierten Verantwortung" im Bereich der Chefredaktion begründet worden, die die inhaltliche Verantwortung für Recherchen und Berichte nicht bei der Chefredaktion sehe.
"Dieses Organisationsmodell lässt offen, wie der Chefredakteur seiner Aufgabe und Verantwortung nachkommt, für die Einhaltung der journalistischen Standards zu sorgen", heißt es dazu in der Zusammenfassung der Kommission: "Darüber hinaus ist nicht erkennbar, welche Sorgfalt und Prüfung er beim Delegieren der Aufgaben anwendet."
RBB-Intendantin Ulrike Demmer erklärte am Donnerstag, inzwischen sei ein Maßnahmenpaket geschnürt worden, "mit dem die Glaubwürdigkeit der verlässlichen und unabhängigen Berichterstattung des RBB wiederhergestellt werden" könne. Auch die redaktionellen Abläufe in der Chefredaktion würden überarbeitet.
lob
Zuerst veröffentlicht 03.04.2025 16:19 Letzte Änderung: 03.04.2025 17:34
Schlagworte: Medien, Rundfunk, RBB, Gelbhaar, Demmer, lob, NEU
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