04.04.2025 14:40
Berlin (epd). Dem RBB und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen umfangreiche Veränderungen bevor. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) plant im Zuge des geplanten Stellenabbaus wegen eines Finanzdefizits umfangreiche Reformen in Verwaltung und Programm. Bei einer Belegschaftsversammlung am Freitag seien rund 150 Vorschläge für entsprechende Maßnahmen vorgestellt worden, teilte der Sender in Berlin mit.
Damit sollen in diesem Jahr rund 22 Millionen Euro eingespart werden. Das entspricht einer Verringerung des Personal- und Honoraraufwands um rund 250 Vollzeitstellen oder 10,2 Prozent der aktuellen Personal- und Honorarkosten. Diese liegen derzeit bei 215 Millionen Euro.
Intendantin Ulrike Demmer erklärte, "ein nachhaltiger Umbau des RBB ist unausweichlich, und er ist schmerzhaft". Es solle "so programmschonend wie möglich" gespart werden. Starke Marken sollten gestärkt werden.
Geplant ist unter anderem laut RBB-Mitteilung, das "erfolgreiche Fernsehformat 'Der Tag'" auf den Samstag auszuweiten. Dabei soll das bisher am Samstag laufende "Heimatjournal" inhaltlich übernommen werden. Bei den Angeboten für das jüngste Publikum will sich der Sender auf die Marke "Unser Sandmännchen" konzentrieren.
Die Produktion des Podcasts "Ohrenbär" soll eingestellt werden. Außerdem sollen die Nachrichtenredaktionen aller Radioprogramme zusammengeführt werden. Regionalstudios und -büros des Senders blieben von den Reformen weitgehend unberührt.
In der Mitteilung ist von einer "Verschlankung von Strukturen", der Verringerung des Produktionsaufwands, vom Abbau von Führungsebenen, der Zusammenlegung von Organisationseinheiten, der Optimierung von Prozessen sowie von Veränderungen des Programmangebotes die Rede. Weiterhin soll in Innovation und Programmentwicklung investiert werden. Der Umfang der Einsparungen beim Personal sei in der Geschichte des RBB bislang einmalig.
Die Gewerkschaft ver.di kritisierte das Sparpaket des RBB. Viele der geplanten Maßnahmen seien unsinnig, weil sie dem Sender massiv schadeten. Zudem sei zweifelhaft, ob alle Maßnahmen nötig seien, da tatsächlich nur knapp neun Millionen Euro bis zum Jahresende eingespart werden müssten, erklärte Marika Kavouras, Sprecherin des ver.di-Senderverbands im RBB.
Wozu die übrigen 13 Millionen Euro, die von der Geschäftsführung für die "digitale Transformation" vorgesehen seien, eingesetzt werden sollen, sei noch offen. Unklar sei auch, warum dieser Betrag bereits in diesem Jahr eingespart werden müsse, monierte die Gewerkschaft.
Ver.di-Landesleiterin Andrea Kühnemann betonte, Leidtragende seien jetzt die Beschäftigten und Nutzer des RBB. Sie müssten die Konsequenzen unter anderem aus den Affären um Ex-Intendantin Patricia Schlesinger und den hohen Beraterhonoraren tragen.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten ab kommender Woche schriftlich zu den vorgeschlagenen Maßnahmen Stellung beziehen und alternative Maßnahmen zur Konsolidierung vorschlagen, teilte der Sender mit. Die Rückmeldungen der RBB-Belegschaft würden dann in gemeinsamen Workhops "reflektiert".
Daran sollen sich ab Ende Mai Gespräche mit den Mitarbeitervertretungen und Gewerkschaften anschließen. Ziel sei es, "möglichst schnell zu Entscheidungen" zu kommen, um die Phase der Unsicherheit für alle Mitarbeiter kurzzuhalten. Um betriebsbedingte Kündigungen und Beendigungen möglichst zu vermeiden, plant der RBB "Programme zu Vorruheständen oder der einvernehmlichen Aufhebung von Arbeitsverhältnissen", wie es heißt.
Intendantin Demmer hatte Ende Januar einen radikalen Sparkurs angekündigt. Neun Millionen Euro will der Sender einsparen, um seine Zahlungsfähigkeit im kommenden Jahr zu sichern. Weitere 13 Millionen Euro benötigt der RBB nach eigenen Angaben, um in die digitale Transformation des Senders und das Programm zu investieren.
lob
Zuerst veröffentlicht 04.04.2025 12:32 Letzte Änderung: 04.04.2025 16:40
Schlagworte: Medien, RBB, Demmer, lob, NEU
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