RBB will 254 Stellen abbauen - Demmer spricht von Befreiungsschlag - epd medien

30.01.2025 18:59

Der RBB kommt nicht in ruhige Fahrwasser: Neben der weiter laufenden Aufarbeitung der Jahre unter Intendantin Schlesinger schlägt deren Nachfolgerin Demmer jetzt einen harten Sparkurs ein und kürzt beim Personal. Das kommt bei den Gewerkschaften nicht gut an.

Beim RBB stehen tiefe Einschnitte an

Berlin (epd). Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) plant umfangreiche Einsparungen. So sollen die Kosten für Personal und Honorare um 10,2 Prozent oder 22 Millionen Euro gekürzt werden, wie der RBB am Donnerstag in Berlin mitteilte. Das entspreche einem Volumen von 254 Vollzeitstellen in fester und freier Mitarbeit. Intendantin Ulrike Demmer sagte am Abend vor dem RBB-Rundfunkrat: "Wir müssen sparen, um investieren zu können."

Der Personal- und Honoraraufwand des RBB beläuft sich den Angaben zufolge derzeit auf 215 Millionen Euro. Der Sender brauche einen Befreiungsschlag, so Demmer. Er habe lange über seine Verhältnisse gelebt. Aktuell gebe es eine Finanzierungslücke von 9 Millionen Euro. Diese soll geschlossen werden, um die Zahlungsfähigkeit ab 2026 zu sichern. Weitere 13 Millionen Euro benötige der Sender, um die digitale Erneuerung des gesamten Senders fortzuführen und in das Programm zu investieren.

Strukturentscheidungen im Laufe des Jahres

Die RBB-Führung hatte den Verwaltungsrat des Senders am Mittwoch über die Sanierungspläne informiert. Belegschaft und Rundfunkrat wurden am Donnerstag unterrichtet. Als Nächstes stünden Gespräche mit den Sozialpartnern an, hieß es. Laut Mitteilung des Senders sollen die für eine Reduktion notwendigen Strukturentscheidungen im Laufe des Jahres 2025 fallen".

Demmer betonte in der Mitteilung, ein nachhaltiger Umbau sei unausweichlich. Der RBB sei trotz mehrjähriger, erheblicher Sparanstrengungen "weiterhin finanziell nicht solide aufgestellt": "Das können wir nur ändern, wenn wir Aufwände und Erträge grundsätzlich wieder in ein gutes Verhältnis bringen."

Zukunftsvereinbarung angestrebt

Der Personalabbau müsse sozialverträglich realisiert werden, sagte sie weiter. Oberstes Ziel sei es, die programmliche Leistungsfähigkeit des RBB auf allen Ausspielwegen dauerhaft zu sichern. Es gehe darum, die Erwartungen der Beitragszahler zu erfüllen.

Die notwendigen Rahmenbedingungen für die Neuausrichtung des Senders sollen in einer Zukunftsvereinbarung definiert werden. Daraus solle sich dann ergeben, "welche Bereiche des RBB von den Einsparungen und der strukturellen Umgestaltung wie betroffen sind".

Kritik an den Sparplänen

Aus den Gewerkschaften und aus der Politik wurde Kritik an den Sparplänen laut. Der Deutsche Journalisten-Verband in Berlin (DJV) forderte, mit dem geplanten Stellenabbau "oben zu beginnen". Nötig sei ein radikaler Abbau von Hierarchien und Führungskräften. Der Berliner DJV-Vorsitzende Steffen Grimberg betonte, Leidtragende dürften nicht erneut diejenigen sein, "die für diese Krise nicht die geringste Verantwortung tragen".

Ver.di-Bundesvorstand Christoph Schmitz-Dethlefsen erklärte, die Beschäftigten des RBB versuchten unter verschärften Rahmen- und Arbeitsbedingungen alles, um ein gutes Programm zu machen. Deshalb habe die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Finanzierung des Senders oberste Priorität. Intendantin Demmer müsse sicherstellen, dass der öffentlich-rechtliche Sender die nötigen Mittel erhalte, "um seine Programmaufgaben zu erfüllen und gleichzeitig die Arbeitsplätze seiner Mitarbeitenden zu sichern".

Björn Lüttmann, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Brandenburg, nannte den angekündigten Stellenabbau beim RBB einen "Schlag ins Gesicht all jener Mitarbeitenden, die trotz eines jahrelangen Missmanagements hervorragende Arbeit geleistet haben".

lob



Zuerst veröffentlicht 30.01.2025 15:12 Letzte Änderung: 30.01.2025 19:59

Schlagworte: Medien, Rundfunk, RBB, Demmer, RBB-Rundfunkrat, lob, NEU

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