22.12.2025 09:11
Bonn (epd). Die Deutsche Welle (DW) will sich von der Einstufung der russischen Regierung als "unerwünschte Organisation" nicht unterkriegen lassen: Sie startete auf der Videoplattform TikTok den russischsprachigen Kanal "dw_russian". Die Menschen in Russland verließen sich darauf, dass die DW sie mit unabhängigen Informationen versorgten, teilte der Sender in Bonn mit. Das wolle der Kreml verhindern. "Wir machen mit noch mehr Verve weiter", sagte Alexandra von Nahmen, Leiterin der DW-Programme für Russland, die Ukraine und Osteuropa.
Mitte Dezember hatte die Staatsanwaltschaft in Russland den deutschen Auslandssender DW als "unerwünschte Organisation" eingestuft. Anfang Februar 2022 hatten die russischen Behörden bereits ein Sendeverbot gegen die DW verhängt, Ende März desselben Jahres folgte eine Einstufung als "ausländischer Agent". Die DW wurde zur Schließung ihres Studios in Moskau gezwungen. Es folgten die Blockade der Internetseiten des Senders in Russland und die sukzessive Sperrung der sozialen Medien.
Die Einstufung als "unerwünschte Organisation" stelle eine weitere Verschärfung der Maßnahmen gegen die DW dar, erklärte der Auslandssender. Wer mit "unerwünschten Organisationen" zusammenarbeite, mache sich in Russland strafbar und müsse mit hohen Geldstrafen, im Extremfall sogar mit Haft rechnen, teilte der Sender mit.
Trotz Einschränkungen nutzten viele junge Russinnen und Russen TikTok. "In diesen Markt gehen wir rein", sagte von Nahmen. Bislang gibt es laut DW auf der Social-Media-Plattform kaum seriöse Medien mit russischsprachigen Angeboten. Die DW wolle diese Nische besetzen und der jungen Generation einen Raum für Reflexion und eigene Meinungen anbieten. Den Angaben nach sagte DW-Intendantin Barbara Massing im ersten Post: "Russland mag uns als 'unerwünschte Organisation' einstufen - abschrecken wird uns das nicht."
Das russischsprachige Programm der DW erreicht nach eigenen Angaben trotz Blockaden und Zensur jede Woche zehn Millionen Menschen über YouTube, Facebook, Twitch und andere soziale Medien sowie über Newsletter, das Satellitenprojekt "Svoboda” von "Reporter ohne Grenzen” und die DW-Website. Technologien zur Umgehung der russischen Internet-Zensur wie die DW Access App spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch russischsprachige Exilmedien übernehmen Inhalte der DW.
Der neue TikTok-Kanal richtet sich außerdem an Menschen in Belarus, Kasachstan, Georgien, Armenien, Lettland, Serbien und weiteren Länder Osteuropas und des postsowjetischen Raums, in denen russischsprachige Minderheiten leben.
cd
Zuerst veröffentlicht 22.12.2025 10:11
Schlagworte: Medien, Russland, Pressefreiheit, DeutscheWelle, DW, cd, ema
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