27.01.2026 05:40
Speyer (epd). Die evangelische Medienbischöfin Dorothee Wüst hält den Social-Media-Konsum von Kindern und Jugendlichen für bedenklich. "Eine Altersgrenze von 14 Jahren fände ich daher sinnvoll", sagte die pfälzische Kirchenpräsidentin dem epd mit Blick auf die seit Monaten laufende Debatte zum Thema. Als Mutter finde sie es problematisch, wie viel Zeit Kinder heute mit dem Smartphone verbringen und was sie dort zu sehen bekommen. "Wir können das als Eltern nicht permanent kontrollieren."
Zugleich räumte sie ein, dass wohl viel Energie darauf verwendet würde, Altersgrenzen zu unterlaufen, "wie wir das heute bei explizit jugendgefährdenden Inhalten, bei Pornografie zum Beispiel, auch schon erleben". "Dann ist ein Verbot wiederum wenig wert", gab die 60 Jahre alte Theologin zu bedenken, die seit rund einem Jahr an der Spitze des Aufsichtsrates für das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) steht.
Wüst hält es für falsch, die großen Internet-Plattformen zu dämonisieren. Aus ihrer Sicht braucht es "Rechtsregeln, die junge wie ältere Menschen davor schützen, dass sie auf Inhalte stoßen, die nicht vertretbar sind". "Und wir müssen früher mit Medienbildung anfangen und diese deutlich ausbauen. Kinder sind schon längst zu Hause in dieser ganzen Welt der Netzwerke, bevor irgendeiner mal pädagogisch den Finger hebt", sagte die leitende Geistliche der Evangelischen Kirche der Pfalz.
Zu den Bemühungen, die Plattformen zu regulieren, stellte Wüst die Frage: "Wie komme ich gegen Konzerne an, die tatsächlich gar nicht in meinem Zugriffsbereich sind, sondern vor allem in den USA sitzen?" Aus ihrer Sicht habe die EU durchaus Fortschritte gemacht. "Sicher wird man es nicht komplett regulieren können. Aber wir können mit den EU-Regeln zum Beispiel beim Datenschutz, beim Jugendschutz und Ähnlichem zumindest die schlimmsten Auswüchse eindämmen", sagte Wüst.
Das GEP, dessen Aufsichtsrat Wüst vorsitzt, hat seinen Hauptsitz in Frankfurt am Main. Das Gemeinschaftswerk ist die zentrale Medieneinrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ihrer Landeskirchen und Werke sowie der evangelischen Freikirchen. Zum GEP gehört unter anderem die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd).
Zur Zukunft der evangelischen Publizistik angesichts schwindender kirchliche Finanzkraft sagte Wüst: "Ich glaube, dass wir es uns nicht leisten können, keine evangelische Publizistik mehr zu haben." Sie sei ein wichtiges Korrektiv und ein Ort, den wir ansonsten in unserer verfassten Kirche und in der weltanschaulich neutralen Medienlandschaft nicht hätten. "Die evangelische Publizistik ist für uns als Kirche ein Wert an sich", sagte Wüst. Das setze eine Finanzierung voraus, die eine gewisse Sichtbarkeit und Reichweite ermögliche.
kfr
Zuerst veröffentlicht 27.01.2026 06:40
Schlagworte: Medien, Kirchen, Wüst, Social Media, kfr, ema, INT
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