01.02.2026 09:08
Washington (epd). Die Festnahme von zwei Journalisten, die in einer Kirche einen Protest gegen die Einwanderungsbehörde ICE gefilmt hatten, sorgt in den USA für Empörung. Medien und Journalistenorganisationen übten scharfe Kritik an dem Vorgehen. Seth Stern, leitender Mitarbeiter der Stiftung "Freedom of the Press Foundation", verurteilte am Freitag (Ortszeit) die Festnahmen von Don Lemon und Georgia Fort als "nackte Angriffe auf die Pressefreiheit". Beide Reporter sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.
Der frühere CNN-Moderator Lemon und die Freelancerin Fort hatten am 18. Januar eine Protestaktion während eines Gottesdienstes in der Cities-Kirche in St. Paul im Bundesstaat Minnesota gefilmt. Der Zorn der Protestierenden richtete sich vornehmlich gegen einen Pastor der Kirche, der zugleich in einer örtlichen Führungsposition für ICE tätig sein soll. Laut der vom Fernsehsender MS NOW veröffentlichten Anklage wird Lemon und Fort vorgeworfen, sie seien Teil einer "Verschwörung" mit dem Ziel gewesen, Pastoren und Gottesdienstbesucher einzuschüchtern.
Lemon wurde laut CBS News am Freitag, am Tag nach seiner Festnahme, in Los Angeles einem Untersuchungsrichter vorgeführt und dann ohne Kaution wieder freigelassen. Der freiberuflich tätige Lemon erklärte, er sei nur in der Kirche gewesen, um über die Proteste zu berichten. Auch Fort wurde dem örtlichen Rundfunksender MPR zufolge wenige Stunden nach ihrer Festnahme in Minnesota ohne Kaution freigelassen. Die Staatsanwaltschaft habe vergeblich Untersuchungshaft gefordert.
Der Autoritarismusexperte Steven Levitsky ("Wie Demokratien sterben") sagte dem Mediendienst "status.news", Trump greife härter gegen die Presse durch als andere "starke Männer" wie Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Mitverantwortlich dafür seien die Besitzer großer Medienplattformen, die sich frühzeitig hinter Trump gestellt hätten. Der Verband "Committee to Protect Journalists" sprach von einer zunehmenden Gefahr für Journalisten bei der Berichterstattung. CNN erklärte, die "Festnahme unseres ehemaligen CNN-Kollegen Don Lemon" berühre grundsätzliche Fragen der Pressefreiheit.
Neben den beiden Journalisten waren auf Betreiben von US-Justizministerin Pam Bondi bereits Mitte Januar drei Demonstranten festgenommen worden, die sich an dem Protest in der Kirche beteiligt hatten. Der leitende Pastor der Cities-Kirche, Jonathan Parnell, erklärte, er sei dem Justizministerium dankbar. Die Kirche könne nun weiterhin ihren Auftrag erfüllen, Jesu Botschaft zu verkünden. Die Cities-Kirche gehört zum Südlichen Baptistenverband, einer evangelikalen Kirche.
Im konservativen christlichen Milieu gilt der Protest als "abgrundtief böse". Der führende baptistische Publizist Albert Mohler erklärte, Kirchgänger seien "traumatisiert" worden. Das "Christian Broadcasting Network" zitierte Baptistenprediger Franklin Graham, es sei "ironisch", dass Protestierende die Rechte friedlich Betender niedertrampelten, um sich für die Rechte von illegal in den USA lebenden Menschen einzusetzen. Trumps religiöse Beraterin Paula White forderte, Christen müssten sich für die Festnahme der Protestierenden einsetzen.
Im Großraum Minneapolis, zu dem St. Paul gehört, sind gegenwärtig rund 3.000 häufig vermummte Beamte von ICE und US-Grenzschutz im Einsatz. Bei Aktionen der Einsatzkräfte wurden in den vergangenen Wochen zwei Menschen erschossen, die 37-jährige Renee Good und der 37-jährige Alex Pretti.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
ege
Zuerst veröffentlicht 01.02.2026 10:08
Schlagworte: USA, Migration, Medien, ZFW
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