US-Korrespondentin Engel: "Bullying ist salonfähig geworden" - epd medien

04.02.2026 08:36

Für Medien ist die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump zur Bewährungsprobe geworden. Journalisten werden beleidigt, missliebige Redaktionen im Internet angeprangert. Das erschwere auch ihre Arbeit, sagt ARD-Korrespondentin Gudrun Engel.

Gudrun Engel leitet seit 2022 das ARD-Studio Washington

Washington/Frankfurt a. M. (epd). Die Arbeit als Korrespondentin ist für die Leiterin des ARD-Studios Washington, Gudrun Engel, im ersten Jahr der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump "fordernd und anstrengend" geworden. "Es gibt sehr viel mehr Unsicherheiten", sagte die 46-Jährige dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Auf uns kommen neue Herausforderungen zu, die sich nicht nur auf die Inhalte beziehen, auf die wir uns ja eigentlich konzentrieren wollen."

Die WDR-Journalistin Engel, die das ARD-Studio seit 2022 leitet, sagte, wenn Trump Journalisten in Pressekonferenzen beleidige, sei das "unangenehm" und mache ratlos. Es gebe zwar "eine sehr große Solidarität unter den Kolleginnen und Kollegen", aber auch eine gewisse Hilflosigkeit. "Bullying ist wieder salonfähig, seit Trump wieder im Amt ist." Für Trump seien die Medien "the enemy of the people", also Feinde des Volkes.

Verrohung von Sprache, Beschimpfen und Herabwürdigen

Mobbing und Verunglimpfungen richteten sich aber nicht nur gegen Medien, sagte Engel. "Die Verrohung von Sprache, das öffentliche Beschimpfen von Menschen, das Herabwürdigen erleben wir seit einem Jahr." Es sei verrückt, wie sich in der Gesamtheit der Gesellschaft die Wahrnehmung verschoben habe.

Obwohl Trump vielen Medien mit Klagen gedroht habe, habe sich in der täglichen Arbeit für sie nicht viel verändert, sagte die Studioleiterin. Für sie sei die größte Herausforderung zurzeit, "in der täglichen Themenflut das zu transportieren, was man idealerweise in Europa, in Deutschland wissen sollte". Die große Herausforderung sei die Frage, was man weglassen könne, ohne dass etwas Wichtiges fehle.

"Wir haben unsere journalistischen Standards"

In der Redaktion werde regelmäßig darüber diskutiert, "ob sich durch den Druck etwas verändert, ob da eine Schere im Kopf entsteht", sagte Engel. Doch sie habe nicht diesen Eindruck. "Wir haben unsere journalistischen Standards, wir haben Haltung und Rückgrat und wir haben die Unterstützung von unseren Sendern zu Hause."

Sorgen machen der Studioleiterin die Pläne der US-Regierung, die Visa-Regelungen für ausländische Korrespondenten zu ändern. Das Heimatschutzministerium hatte vorgeschlagen, die Visa, die bisher für fünf Jahre vergeben wurden, auf 240 Tage zu verkürzen. "Das hätte für uns massive Auswirkungen", sagte Engel. "Wenn man hier fünf Jahre lebt, hat man natürlich einen ganz anderen Zugang zu Quellen. Inhaltlich wäre es ein Desaster, aber es gibt auch logistische Herausforderungen, denen wir uns dann stellen müssten." Viele Korrespondentinnen und Korrespondenten zögen mit ihren Familien in die USA, das würden sich für acht Monate nicht lohnen.



Zuerst veröffentlicht 04.02.2026 09:36 Letzte Änderung: 04.02.2026 09:41

Diemut Roether

Schlagworte: Medien, USA, Journalismus, INT, NEU

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