06.02.2026 11:33
Brüssel (epd). Die EU-Kommission hat bei Tiktok Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) festgestellt. Die Video-Plattform verletze die EU-Verordnung wegen einer manipulativen, Abhängigkeit fördernden Struktur und Gestaltung, teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit. Sollte das zum chinesischen Tech-Unternehmen Bytedance gehörende Unternehmen nicht einlenken, drohen Millionen-Strafen.
Die Kommission beklagte nach eingehender Prüfung insbesondere, dass User unendlich scrollen könnten, hoch personalisierte Empfehlungen erhielten und die Video-Clips automatisch starteten. Dies könne die physische und mentale Gesundheit von Nutzerinnen und Nutzer beeinträchtigen.
Als Beispiel nannte die Kommission die permanente "Belohnung" der Nutzer mit neuen Inhalten. Dies befeuere den Drang, weiterzuscrollen und das Gehirn auf "Autopilot" zu schalten. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass dies zu zwanghaftem Verhalten führe und die Selbstkontrolle der Nutzer darunter leide.
Auch Minderjährige unterlägen dem Nutzungszwang. Dies zeige sich unter anderem darin, wie lange sie nachts durch die Videos scrollten und wie oft sie die App öffneten. Das von der Plattform eingerichtete Zeitmanagement und eine Elternkontrolle seien nicht wirksam. "Tiktok scheint daran zu scheitern, vernünftige, angemessene und effektive Maßnahmen zu ergreifen, um die Risiken, die von ihrem Abhängigkeit fördernden Design ausgehen, abzumildern", erklärte die EU-Kommission.
Tiktok kann nun auf die Anschuldigung reagieren und grundlegende Änderungen vornehmen. Die EU-Kommission schlug unter anderem vor, Bildschirm-Pausen einzuführen und den Empfehlungs-Algorithmus zu ändern. Setzt die Plattform die Hinweise nicht um, drohen Strafen. Im Dezember 2025 verhängte die Kommission auf Basis des DSA gegen die Internetplattform X von US-Milliardär Elon Musk eine Geldstrafe von 120 Millionen Euro.
Gegen Tiktok hatte sie das Verfahren im Februar 2024 eröffnet. Unter anderem verlangte die EU-Kommission mehr Transparenz bei Nutzer- und Werbedaten. Zu beidem erzielte die Kommission im vergangenen Jahr mit TikTok eine Einigung.
cd
Zuerst veröffentlicht 06.02.2026 12:33 Letzte Änderung: 06.02.2026 12:44
Schlagworte: EU, Medien, Internet, NEU
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