Bundeskartellamt billigt Pläne zur Grosso-Reform - epd medien

11.02.2025 15:06

Die Verlagsallianz "Fit For Future" erhält für ihre geplante Reform des Pressevertriebs grünes Licht vom Bundeskartellamt. Nicht allen Grossisten gefällt das Vorhaben, sie erneuern ihre Klageandrohung.

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt

Bonn (epd). Das Presse-Grosso in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Das Bundeskartellamt billigt die Pläne mehrerer Medienkonzerne zur Reform des Pressevertriebs, wie die Behörde am Mittwoch in Bonn mitteilte. Das Konzept stelle sicher, dass der Pressevertrieb diskriminierungsfrei für alle Verlage erfolge und Presseprodukte bundesweit weiterhin verfügbar seien, erklärte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt. "Außerdem ist sichergestellt, dass die Konditionen für den Vertrieb der Presseerzeugnisse bis Ende 2030 stabil bleiben."

Die Verlagsallianz "Fit For Future" (FFF), der elf zumeist große Konzerne wie der Burda-Verlag, die Bauer Media Group oder Axel Springer angehören, will eine zentrale Grosso-Gesellschaft gründen, in der die Verlage zusammen mit vier bestehenden Grosso-Unternehmen als Systempartner den Pressevertrieb in Deutschland neu organisieren. Diese soll die bislang regional jeweils als Vertriebsmonopolisten tätigen Grossisten ersetzen. Bei rückläufigen Absatzmengen gedruckter Presseerzeugnisse soll so ein wirtschaftlich tragfähiger Pressevertrieb sichergestellt werden.

Neue Gesellschaft soll 2027 starten

Hintergrund ist, dass den Verlagen Sparmaßnahmen der Grossisten in den vergangenen Jahren nicht weit genug gingen. Bisher führt der Gesamtverband Pressegroßhandel für die Grossisten die Verhandlungen mit den Verlagen über die Verbreitungskonditionen. Die "Presse-Grosso-Allianz" (PGA) soll den Plänen zufolge 2026 als Holding von Verlagsgesellschaftern und Grossisten gegründet werden und ab 2027 tätig sein. Gesellschafter der PGA werden nach Angaben des Bundeskartellamts eine Verlagsholding (40 Prozent), eine Systempartnerholding (rund 39 Prozent) und die 4Press (rund 21 Prozent).

Die Handelsspannen der Grossisten sind bisher in Branchenvereinbarungen festgelegt. Die nun geplante Reform sieht vor, dass die Konditionen bis Ende 2030 unverändert fortgeführt werden.

Die FFF-Verlagsallianz teilte zur Entscheidung des Bundeskartellamtes mit, die Reform werde "die Systemkosten senken, Handelsspannen stabil halten, Abläufe vereinfachen und so dazu beitragen, die einzigartige Pressevielfalt in Deutschland zu erhalten".

PSN wird Logistikpartner

Mitglieder der Verlagsallianz sind der Burda-Verlag, die Bauer Media Group, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die Funke Mediengruppe, Gruner + Jahr, Axel Springer, der Spiegel-Verlag, der Martin Kelter Verlag, die Mediengruppe Klambt, die VF Verlagsgesellschaft und die "Süddeutsche Zeitung". Als Grosso-Systempartner gehören die 4Press, Qtrado, PVG und Trunk der geplanten neuen Gesellschaft an.

Der Grossist PSN habe das Angebot der Systempartner, als Logistikpartner bei der flächendeckenden Versorgung der Auslieferungsgebiete mitzuwirken, bereits angenommen, heißt es im Duldungsschreiben des Bundeskartellamts. Soweit die Grossisten nicht als Logistikpartner mitwirkten, würden die Systempartner eigenständig eine Logistikstruktur aufbauen.

Grossisten erneuern Klage an

Die acht übrigen Grosso-Unternehmen haben Bedenken, als reine Logistiker mit der Zentralgesellschaft der Verlage zusammenzuarbeiten. Betroffen sind die Firmen Grossounion Nord (Hannover), Jost (München), Mercura Mietke (Löbau), NPV (Nürnberg), PDG (Bielefeld), Presse-Grosso Südwest (Heidelberg), Pressevertrieb Lütkemeyer (Münster) und SZZ (Esslingen), die sich im sogenannten "Siegburger Kreis" zusammenschlossen. Sie hatten eine Klage angekündigt sollte das Bundeskartellamt für die FFF-Pläne grünes Licht geben.

Der Gesamtverband Pressegroßhandel (GVPG) erklärte am Mittwoch in Köln, die Grosso-Unternehmen des "Siegburger Kreises" seien "fest entschlossen, die aus ihrer Sicht rechtswidrige Duldung des FFF-Vorhabens gerichtlich überprüfen zu lassen". Dies hätten die Unternehmen dem Verband mitgeteilt. "Ziel ist es, eine Entscheidung herbeizuführen, die sämtliche rechtlichen, wirtschaftlichen und versorgungsrelevanten Aspekte vollständig einbezieht und zu einer ausgewogenen, tragfähigen Bewertung im Interesse der Pressevielfalt und Versorgungssicherheit führt", so der GVPG.

Clearingstelle vorgesehen

Der GVPB rügte, die Beschlussabteilung des Bundeskartellamtes habe wesentliche Aspekte nicht ausreichend gewürdigt. Die Übernahme des Presse-Großhandels durch die Verlagsseite erhöhe das Diskriminierungsrisiko für kleine Verlage. "Defizite in der Presseversorgung stehen zu befürchten." Die Duldung ebne den Weg "für die irreversible Zerschlagung des unabhängigen Presse-Großhandels".

Das Bundeskartellamt teilte dagegen mit, es habe sichergestellt, dass sich alle Presseverlage - je nach Größe direkt oder indirekt - an der PGA beteiligen könnten. Vorgesehen sei zudem eine unabhängige Clearingstelle, an die sich Einzelhändler und Verlage bei Beschwerden wenden könnten. Die Zusammenstellung der auszuliefernden Pressesortimente werde durch eine gesonderte, verlagsunabhängige Gesellschaft erfolgen, um die Neutralität der Sortimentsauswahl sicherzustellen.

Nachdem im Verlauf des kartellrechtlichen Verfahrens wesentliche Verbesserungen des ursprünglich vorgelegten Modells erreicht worden seien, werde das Bundeskartellamt vorerst keine weiteren Maßnahmen ergreifen und stelle das Verwaltungsverfahren daher ein.

nbl



Zuerst veröffentlicht 11.02.2025 16:06 Letzte Änderung: 12.02.2026 15:37

Schlagworte: Medien, Presse, NEU

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