11.02.2026 10:40
Bonn (epd). Das Presse-Grosso in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Das Bundeskartellamt billigt die Pläne mehrerer Medienkonzerne zur Reform des Pressevertriebs, wie die Behörde am Mittwoch in Bonn mitteilte. Das Konzept stelle sicher, dass der Pressevertrieb diskriminierungsfrei für alle Verlage erfolge und Presseprodukte bundesweit weiterhin verfügbar seien, erklärte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt. "Außerdem ist sichergestellt, dass die Konditionen für den Vertrieb der Presseerzeugnisse bis Ende 2030 stabil bleiben."
Die Verlagsallianz "Fit For Future" (FFF), der elf zumeist große Konzerne wie der Burda-Verlag, die Bauer Media Group oder Axel Springer angehören, will eine zentrale Grosso-Gesellschaft gründen, in der die Verlage zusammen mit vier bestehenden Grosso-Unternehmen als Systempartner den Pressevertrieb in Deutschland neu organisieren. Diese soll die bislang regional jeweils als Vertriebsmonopolisten tätigen Grossisten ersetzen.
Hintergrund ist, dass den Verlagen Sparmaßnahmen der Grossisten in den vergangenen Jahren nicht weit genug gingen. Die "Presse-Grosso-Allianz" (PGA) soll den Plänen zufolge 2026 als Holding von Verlagsgesellschaftern und Grossisten gegründet werden und ab 2027 tätig sein. Bisher führt der Gesamtverband Pressegroßhandel für die Grossisten die Verhandlungen mit den Verlagen über die Verbreitungskonditionen.
Die FFF-Verlagsallianz teilte zur Entscheidung des Bundeskartellamtes mit, die Reform werde "die Systemkosten senken, Handelsspannen stabil halten, Abläufe vereinfachen und so dazu beitragen, die einzigartige Pressevielfalt in Deutschland zu erhalten".
Mitglieder der Verlagsallianz sind der Burda-Verlag, die Bauer Media Group, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die Funke Mediengruppe, Gruner + Jahr, Axel Springer, der Spiegel-Verlag, der Martin Kelter Verlag, die Mediengruppe Klambt, die VF Verlagsgesellschaft und die "Süddeutsche Zeitung". Als Grosso-Systempartner gehören die 4Press, Qtrado, PVG und Trunk und der Partner Presseservice Nord der Gruppe an.
Die acht übrigen Grosso-Unternehmen sollen mit der Zentralgesellschaft der Verlage nicht als Systempartner zusammenarbeiten, sondern als reine Logistiker fungieren. Betroffen sind die Firmen Grossounion Nord (Hannover), Jost (München), Mercura Mietke (Löbau), NPV (Nürnberg), PDG (Bielefeld), Presse-Grosso Südwest (Heidelberg), Pressevertrieb Lütkemeyer (Münster) und SZZ (Esslingen). Sie hatten eine Klage angekündigt, sollte das Bundeskartellamt für die FFF-Pläne grünes Licht geben.
nbl
Zuerst veröffentlicht 11.02.2026 11:40 Letzte Änderung: 11.02.2026 12:03
Schlagworte: Medien, Presse, NEU
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