18.02.2026 12:23
Berlin (epd). Der Großteil der Zeitungsverlage in Deutschland erwartet innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Deckung der redaktionellen Kosten durch Einnahmen aus dem Digitalgeschäft. Wie aus der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Trendumfrage "Zeitungsbranche 2026" des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) hervorgeht, gehen 68 Prozent der befragten Unternehmen von dieser Entwicklung aus.
Zugleich erwarten die Verlage, dass sich im Jahr 2030 der Anteil von E-Papern an der Gesamtzahl der Abonnements von heute 22 Prozent auf dann 40 Prozent nahezu verdoppelt haben wird. Für den Anteil der digitalen Plus-Abos wird mit einem Zuwachs auf 24 Prozent gerechnet (plus fünf Prozentpunkte), während für Print-Abos ein deutlich reduzierter Anteil von 35 Prozent erwartet wird (minus 24 Prozentpunkte).
Mit dem Ende der gedruckten Zeitung innerhalb der nächsten 15 Jahre rechnen 59 Prozent der befragten Verlage, mehr als ein Drittel erwartet dies bereits in den kommenden zehn Jahren.
Mit Blick auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) erwarten 97 Prozent der Unternehmen ausschließlich positive Effekte, etwa durch Effizienz- und Qualitätsgewinne oder Kosteneinsparungen. Den größten Einfluss von KI sehen sie in den kommenden Jahren in den Redaktionen, mit Abstand folgen die Bereiche Lesermarkt und Service.
Die größten Sparpotenziale durch den Einsatz von KI erwarten die Verlage im Bereich der Verwaltung. Innerhalb von zwölf Monaten wird dieses Potenzial auf 9,3 Prozent geschätzt. Für den Bereich der Redaktion wird ein Sparpotenzial von 8,9 Prozent gesehen.
Durch Googles KI-Zusammenfassungen ("AI-Overviews") erwarten 66 Prozent der Befragten für das Jahr 2026 messbare Auswirkungen auf die Reichweite ihrer Angebote. Der Großteil (85 Prozent) gibt einen möglichen Verlust in der Größenordnung zwischen 0 und 25 Prozent an. Im Oktober hatte der BDZV eine sofortige politische und regulatorische Prüfung des von Google neu eingeführten "KI-Modus" gefordert.
Die größten Chancen der Branche sehen die Unternehmen im Wachstum durch digitale Abo-Erlöse bei E-Papern (77 Prozent) und im Plus-Bereich (51 Prozent) sowie in der Effizienzkosten-Optimierung durch KI (52 Prozent). Die größten Herausforderungen bestehen demnach im Rückgang des Werbemarktes (65 Prozent), im Mindestlohn (54 Prozent) und im stärkeren Rückgang der Print-Vertriebserlöse (42 Prozent).
Seine zwölfte Trendstudie erstellte der BDZV mit der Unternehmensberatung Highberg. 94 Häuser nahmen teil, wobei die Rückmeldungen in diesem Jahr ausschließlich aus der Geschäftsführungsebene stammten.
nbl
Zuerst veröffentlicht 18.02.2026 13:23 Letzte Änderung: 18.02.2026 15:16
Schlagworte: Medien, Presse, Verbände, NEU
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