"Darf sich nicht wiederholen": Bundestagsdebatte über Fehler beim ÖRR - epd medien

26.02.2026 14:34

Nachdem das ZDF KI-generierte TV-Bilder nicht gekennzeichnet hat, spricht die AfD-Fraktion im Bundestag von einer gezielten Manipulation des Publikums. In einer Aktuellen Stunde auf Antrag der Partei erkannten Vertreter von CDU, SPD, Grünen und Linken zwar einen schweren Fehler, betonten aber auch die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die Demokratie.

Bundestagssitzung am 25. Februar 2026

Berlin (epd). Der kulturpolitische Sprecher der AfD, Götz Frömming, hat ARD und ZDF vor dem Hintergrund der jüngsten Versäumnisse in der Berichterstattung bewusste Beeinflussung vorgeworfen. "Man versucht nicht zu berichten, sondern man versucht, Meinungen zu erzeugen, man manipuliert das Publikum", sagte er am 25. Februar im Bundestag in einer Aktuellen Stunde auf Antrag seiner Fraktion zum Thema "Schwerwiegende Fehler bei der Berichterstattung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk".

Frömming forderte die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der ein "Relotius-System" sei. Vertreter von CDU, Grünen, SPD und der Linkspartei stellten sich dagegen hinter den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Im weiteren Verlauf der Debatte wurde fast ausschließlich die KI-Panne beim ZDF thematisiert. Die medienpolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Ottilie Klein (CDU), sagte, dem ZDF sei in seiner Berichterstattung "ein schwerer Fehler" unterlaufen. "Ein Fehler, der sich nicht wiederholen darf und der viel Vertrauen gekostet hat." KI-Videos hätten in Nachrichten "nichts verloren", kritisierte sie. "Journalistische Grundstandards wurden hier klar missachtet und das ZDF muss sich diese Kritik auch gefallen lassen."

Es ist gut, dass sich das ZDF zur Verantwortung bekennt.

Zugleich lobte Klein, dass das ZDF auf den Vorfall reagiert und Konsequenzen gezogen habe. "Es ist gut, dass sich das ZDF hier klar zu seiner Verantwortung bekennt", sagte sie. "Unser Land benötigt auch weiterhin starke Verlage, Sender und Medienportale, die ihre wichtige Aufgabe für unsere Demokratie erfüllen können. Dazu gehört natürlich bei mancher Kritik auch ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der neutral und unabhängig berichtet. Daran wird er immer zu messen sein, und für diese Vielfalt in den Medien setzen wir uns als CDU/CSU weiter ein."

Der Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Sven Lehmann (Grüne) sagte, das ZDF habe Fehler gemacht, und diese müssten klar benannt werden. Auch er verwies darauf, dass sich der Sender für diese Fehler entschuldigt und sie transparent gemacht habe. Zudem seien "sehr schnell" personelle Konsequenzen gezogen worden. Dass es dennoch eine Aktuelle Stunde im Deutschen Bundestag dazu gebe, zeige, worum es der AfD eigentlich gehe, "nämlich natürlich nicht um Aufklärung, sondern um einen Generalangriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt".

ÖRR als "demokratische Infrastruktur"

Der medienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Martin Rabanus, sprach von einem "schwerwiegenden Fehler" und einer "Panne" beim ZDF. Dies dürfe nicht passieren, denn es verfälsche die einzelne Nachricht erheblich und entspreche damit nicht dem Anspruch, "den wir alle zu Recht an das ZDF anlegen und den das ZDF in aller Regel auch erfüllt".

Ein solcher Vorfall beschädige auch das Vertrauen in das System insgesamt, sagte Rabanus. "Und natürlich und wie man sieht, nutzen die Feinde des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der qualitätvollen Nachrichtenberichterstattung das sofort zum Gegenangriff." Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei "demokratische Infrastruktur". Die AfD wolle die Demokratie schwächen. "Kritische Fragen sollen möglichst ganz verstummen, damit am Ende nur noch die Lautesten bestimmen, was denn die Wahrheit sei und niemand mehr dazwischenfunkt." Das werde man nicht durchgehen lassen: "Wir verteidigen die demokratische Infrastruktur der öffentlich-rechtlichen Medien und der Zivilgesellschaft."

Auch der medienpolitische Sprecher der Linken im Bundestag, David Schliesing, kritisierte die Forderung der AfD nach einer Zerschlagung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: "Wir als Linke sagen Nein zu jeglicher Diffamierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks." Dieser sei trotz aller berechtigten Kritik für die mediale Teilhabe und Grundversorgung unerlässlich, sagte er. "Er ist durch das Instrument des Rundfunkbeitrags der Profitlogik entzogen und leistet einen unverzichtbaren Beitrag zum publizistischen Wettbewerb und zur inhaltlichen Vielfalt."

Klare Regeln für den Einsatz von KI

Der Fall zeige, dass es dringend klare Regeln brauche für den zulässigen Einsatz generativer KI und die redaktionelle Verantwortung, sagte Schliesing. "Inhalte, die mithilfe von KI erstellt oder verändert wurden, müssen für alle ersichtlich und einheitlich gekennzeichnet werden", forderte er.

Hintergrund ist die Verwendung eines nicht gekennzeichneten, KI-generierten Fake-Videos in einem "Heute Journal"-Beitrag vom 15. Februar über Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE. Die ZDF-Journalistin Nicola Albrecht hatte außerdem älteres Archivmaterial eingebaut, das in keinem Zusammenhang mit den ICE-Einsätzen stand. Das ZDF berief Albrecht inzwischen als Korrespondentin in New York ab und kündigte eine Prüfung an.

Wegen fehlerhaft zusammengeschnittener TV-Bilder in einem Beitrag in der Sendung "Bericht aus Berlin" vom 20. Februar über die Wiederwahl von Friedrich Merz (CDU) zum Parteichef steht derzeit auch die ARD in der Kritik.

nbl



Zuerst veröffentlicht 26.02.2026 15:34 Letzte Änderung: 26.02.2026 15:59

Schlagworte: Medien, Bundestag, Rundfunk, NEU

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