Möglicher Interessenkonflikt: Lotto-Chef verlässt SWR-Verwaltungsrat - epd medien

06.03.2026 08:44

Lotto Baden-Württemberg ist Sponsor der samstäglichen Hörfunk-Fußballsendung "SWR1 Stadion". Unter anderem deshalb hat sich jetzt Lotto-Chef Paul Nemeth freiwillig aus dem SWR-Verwaltungsrat zurückgezogen.

Paul Nemeth im Jahr 2021 als Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg

Stuttgart (epd). Der baden-württembergische Lotto-Chef Paul Nemeth hat sich wegen eines möglichen Interessenkonflikts aus dem SWR-Verwaltungsrat zurückgezogen. Maßgeblich dafür sei gewesen, dass Lotto Baden-Württemberg Werbekunde des SWR sei, sagte Nemeth dem epd auf Nachfrage. Seinen Rückzug habe er freiwillig erklärt. Hätte er sein Mandat nicht niedergelegt, "hätte dies möglicherweise zu Interessenkollisionen führen können", so Nemeth.

Lotto Baden-Württemberg ist etwa Sponsor der samstäglichen Hörfunk-Fußballsendung "SWR1 Stadion". Nemeth (61) ist seit Anfang November 2025 Geschäftsführer der staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart. Mitglied des SWR-Verwaltungsrats wurde der ausgebildete Industriekaufmann im September 2020 als einer von drei Vertretern des baden-württembergischen Landtags. Von 2006 bis 2021 gehörte Nemeth dem Parlament als CDU-Abgeordneter an. Bevor er Lotto-Geschäftsführer wurde, arbeitete er beim Energiekonzern RWE als Regionalmanager in Stuttgart.

Frühzeitig sensibilisiert

Nemeth verließ den SWR-Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung am 20. Februar. An diesem Tag fand zuletzt eine Sitzung des Gremiums statt, das vor allem für die finanzielle Kontrolle des Senders und seiner Geschäftsführung zuständig ist. Nach Nemeths Ausscheiden hat der Verwaltungsrat aktuell 17 statt wie vorgesehen 18 Mitglieder. Wenn Anfang September die neue Amtsperiode beginnt, wird das Gremium auf 15 Mitglieder verkleinert.

Nach seinem Amtsantritt bei Lotto Baden-Württemberg nahm Nemeth an der Sitzung des SWR-Verwaltungsrats im November vorigen Jahres teil. Bereits zu Beginn seiner Zeit als Lotto-Chef sei er für das Thema einer möglichen Interessenkollision sensibilisiert gewesen, sagte Nemeth dem epd. Er habe "die rechtliche Bewertung durch unterschiedliche Stellen abgewartet", bevor er seinen Rückzug freiwillig erklärt habe. Grundlage für diesen Schritt seien die Vorschriften im SWR-Staatsvertrag gewesen.

Im vorigen Jahr hatten die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz den Staatsvertrag novelliert. Verankert wurde, dass Mitglieder des Rundfunkrats und Verwaltungsrats "keine wirtschaftlichen oder sonstigen Interessen" haben dürfen, "die geeignet sind, die Erfüllung ihrer Aufgaben als Mitglied zu gefährden" (Paragraf 23a). Damit wurde eine ähnliche, bereits seit Januar 2024 geltende Regelung aus dem Medienstaatsvertrag übernommen.

vnn



Zuerst veröffentlicht 06.03.2026 09:44

Schlagworte: Medien, SWR

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