ORF-Generaldirektor Roland Weißmann zurückgetreten - epd medien

09.03.2026 15:09

ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist nach Vorwürfen gegen ihn wegen sexueller Belästigung zurückgetreten. Er bestreite die Vorwürfe, teilte der ORF mit. Der Stiftungsrat fordert eine "rasche und transparente Aufklärung".

ORF-Generaldirektor Roland Weißmann im Februar bei der Vorstellung des Sicherheitskonzepts des ORF für den Eurovision Song Contest

Wien (epd). Roland Weißmann, Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF) ist zurückgetreten. Wie der ORF am Montag mitteilte, informierte Weißmann den Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und den stellvertretenden Vorsitzenden Gregor Schütze am Sonntag über den Rücktritt von seiner Funktion mit sofortiger Wirkung. Nach Angaben des ORF hatte eine Mitarbeiterin des Senders gegenüber dem Generaldirektor Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Weißmann bestreite diese Vorwürfe, teilte der Sender mit.

Der Vorwurf verlange laut Stiftungsrat "dennoch eine rasche und transparente Aufklärung in enger Kooperation mit der ORF-Compliance-Stelle, bei der die Wahrung des Schutzes der betroffenen Person das oberste Ziel sein müsse", teilte der ORF mit. Der Stiftungsratsvorsitzende und sein Stellvertreter dankten Weißmann für seine Verdienste und die 30-jährige Tätigkeit im ORF. Seit 2022 ist Weißmann (57) Generaldirektor des Senders.

Null Toleranz für sexuell übergriffiges Verhalten.

Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum teilte am Montag mit, seinem Mandanten sei "seitens des Stiftungsrats eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt" worden, um seinen Rücktritt zu erklären, "obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte". Weißmann sei, "um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher am Sonntag mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück".

Der Stiftungsratsvorsitzende Lederer verteidigte im "Mittagsjournal" des Radiosenders Ö1 das Vorgehen. Es gebe "Dokumente, die den Vorwurf darstellen lassen", sagte er. Wie nachhaltig diese seien, müsse Weißmann klären: "Das ist seine Aufgabe, das aus der Welt zu bringen." Lederer und sein Stellvertreter hätten Weißmann eine Frist gesetzt, "dass er relativ schnell diese Sachen klärt und sich mit dem Anwalt der betroffenen Person austauscht". Der Stiftungsratsvorsitzende stellte klar: "Es gibt null Toleranz für sexuell übergriffiges Verhalten."

Ingrid Thurnher übernimmt Geschäfte des Generaldirektors

Die Sitzungen des ORF-Stiftungsrats in dieser Woche werden nach Angaben des Senders wie geplant stattfinden. In der Plenarsitzung am Donnerstag solle die amtierende Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher auf Vorschlag von Schütze und Lederer mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des Generaldirektors beauftragt werden. Thurnher ist seit vier Jahren Radiodirektorin des ORF. Zuvor war sie Moderatorin der Abendnachrichten "Zeit im Bild" des ORF und Chefredakteurin des Informations- und Kultursenders ORF III.

Lederer teilte mit, es sei die Verantwortung des Gremiums, "nun rasch die nötigen Schritte zu setzen, damit die erhobenen Vorwürfe transparent und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden können und die reibungslose Fortführung der Geschäftsführung garantiert ist". Im August soll ein neuer Generaldirektor für den ORF gewählt werden. Der Termin steht bereits seit Juni 2025 fest, damals hatte sich der Stiftungsrat neu zusammengesetzt.

dir



Zuerst veröffentlicht 09.03.2026 16:09 Letzte Änderung: 09.03.2026 17:49

Schlagworte: Medien, Österreich, Rundfunk, NEU

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