17.03.2026 13:50
Dresden/Leipzig (epd). MDR-Intendant Ralf Ludwig sieht für seinen Sender weitere Sparnotwendigkeiten in Millionenhöhe, wenn der Rundfunkbeitrag gar nicht oder nicht wie ursprünglich geplant steigt. "Sollten ab 2027 lediglich die 18,64 Euro kommen, müssen wir bis Ende 2028 allein als MDR zusätzliche weitere 30 Millionen Euro sparen", sagt Ludwig der "Sächsischen Zeitung" (14. März). "Käme gar keine Erhöhung des Beitrags, wären es 60 Millionen Euro zusätzlich zu den bereits genannten 160 Millionen bis Ende 2028."
Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hatte im Februar empfohlen, den Rundfunkbeitrag ab dem 1. Januar 2027 um 28 Cent auf 18,64 Euro anzuheben. Die Empfehlung liegt deutlich unter der 2024 empfohlenen Anhebung auf 18,94 Euro zum 1. Januar 2025. Die KEF begründete dies damit, dass die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag und die Finanzerträge der öffentlich-rechtlichen Sender höher ausfielen als 2024 geschätzt.
Die Empfehlung einer Anhebung auf 18,94 Euro hatten die Bundesländer nicht umgesetzt, weswegen ARD und ZDF vor das Bundesverfassungsgericht zogen. MDR-Intendant Ludwig verwies in dem Zeitungsinterview darauf, dass die Karlsruher Richter bislang nicht über die Beschwerde entschieden haben. Das Sparpaket in Höhe von 160 Millionen Euro bis 2028 hatte der MDR bereits 2024 angekündigt. Ein erheblicher Teil sollte über Einschnitte beim Programm umgesetzt werden.
Ludwig sagte der "Sächsischen Zeitung" nun, bisherige Einsparungen beträfen alle Bereiche des MDR. "Bei erforderlichen zusätzlichen Maßnahmen werden wir über weitere Einschnitte ins Programm reden müssen sowie generell im Haus", kündigte er an. Vorwürfe, wonach zu wenig an der Verwaltung gespart werde, gingen an der Sache vorbei: Die Verwaltungskostenquote liege beim MDR nur bei vier Prozent.
Zu seinem Jahresgehalt in Höhe von rund 280.000 Euro sagte Ludwig: "Ich habe im Schnitt eine 70- bis 80-Stunden-Woche, bin im Jahr 70.000 Kilometer unterwegs, trage Verantwortung für 4.000 feste und freie Beschäftigte. Wenn man die Summe runterrechnet, kommt man auf einen durchschnittlichen Stundensatz von rund 80 Euro. Ich überlasse es Ihrer Einschätzung, ob das zu viel oder zu wenig ist. Ich bin der Meinung, es ist angemessen."
Daneben äußerte sich Ludwig zu den möglichen Konsequenzen einer von der AfD geführten Landesregierung in Sachsen-Anhalt. "Eine Kündigung des MDR-Staatsvertrags in Sachsen-Anhalt wäre eine Austrittskündigung aus dem MDR", sagte er. "Der Vertrag würde weiter zwischen Sachsen und Thüringen bestehen." Das Bundesverfassungsgericht habe zudem entschieden, dass ein staatsferner öffentlich-rechtlicher Rundfunk vorzuhalten sei.
"Die AfD müsste also, falls sie die Verträge kündigt, ein eigenes verfassungskonformes Modell für Sachsen-Anhalt vorlegen", so Ludwig. Zudem betrage die Kündigungsfrist zwei Jahre. In Sachsen-Anhalt soll am 6. September eine Landtagswahl stattfinden.
rid
Zuerst veröffentlicht 17.03.2026 14:50
Schlagworte: Medien, Rundfunk
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