26.03.2026 14:04
Berlin (epd). Der Filmemacher und Autor Alexander Kluge ist tot. Er starb am Mittwoch mit 94 Jahren in München, wie der Suhrkamp Verlag am Donnerstag unter Berufung auf die Familie mitteilte. Kluge wurde in den 60er und 70er Jahren als einer der einflussreichsten Vertreter des Neuen Deutschen Films bekannt, den er in Theorie und Praxis mitbegründet und weiterentwickelt hat. Der promovierte Jurist war Filmemacher, Schriftsteller, Theoretiker und Fernsehunternehmer in einer Person.
Kluge kam 1932 in Halberstadt in Sachsen-Anhalt. Dort erlebte er als Heranwachsender die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg. Als seine Heimatstadt im letzten Kriegsjahr 1945 von den Alliierten bombardiert wurde, detonierte wenige Meter neben ihm eine Bombe. Er überlebte unverletzt, aber das Erlebnis prägte ihn: Kluge kam immer wieder auf den Krieg in seiner Heimatstadt zurück.
Sein kritischer Blick auf die deutsche Gesellschaft der 50er Jahre mit ihrer Kombination aus Wiederaufbau und Restauration führte ihn nach einem Studium der Rechtswissenschaft, Geschichte und Kirchenmusik zur Kritischen Theorie Theodor W. Adornos und Max Horkheimers. Sie analysierte den Einfluss des Kapitalismus auf den Einzelnen und beherrschte in den 60er Jahren die Soziologie. Kluge wurde Mitarbeiter der "Frankfurter Schule".
Adorno vermittelte den vielseitig interessierten Kluge an den Filmregisseur Fritz Lang ("Metropolis"). In den folgenden Jahren wurde Kluge zu einem der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films. Er war Mitinitiator des Oberhausener Manifestes, das "Papas Kino" für tot erklärte und zu einer Blüte des deutschen Autorenfilms führte.
Neben der Filmarbeit beschäftigte ihn die Frage, wie die Kritische Theorie nach dem Tod Adornos weitergeführt werden könnte. Das Ergebnis waren die Bücher "Öffentlichkeit und Erfahrung" (1972) und vor allem "Geschichte und Eigensinn" (1981) - das Werk wurde zu einem Theorieklassiker der Post-68er-Generation.
Als das Privatfernsehen aufkam, gelang Kluge ein Coup: Er wurde Ende der 80er Jahre zum Fernsehunternehmer. Mit seiner Produktionsfirma DCTP gelang es ihm, sich Sendefenster bei RTL und Sat.1 zu sichern. Kluge konterte alle Vorwürfe, mit seinen hochwertigen Kultursendungen die Zuschauer zu verschrecken, mit den Worten: "Besser ein Quotenkiller als eine Quotennutte."
In einem Interview mit dem epd betonte Kluge 2019, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland ein hohes Gut sei. Man dürfe "nicht unterschätzen, was ein intaktes öffentlich-rechtliches System vermag." Der öffentlich-rechtliche Rundfunk dürfe nicht "die Erfolge des privaten Fernsehens" nachahmen, mahnte Kluge.
kfr/sca
Zuerst veröffentlicht 26.03.2026 12:51 Letzte Änderung: 26.03.2026 15:04
Schlagworte: Medien, Film, Personalien, NEU
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