ORF kündigt Roland Weißmann nach Prüfung von Vorwürfen - epd medien

08.04.2026 14:54

Der ORF entlässt den ehemaligen Generaldirektor Roland Weißmann. Weißmann war sexuelle Belästigung vorgeworfen worden, eine interne Prüfung konnte dies nicht bestätigen. Die Anwälte Weißmanns kündigten rechtliche Schritte gegen den ORF an.

ORF-Radiodirektorin Ingrid Thurnher wurde am 12. März vom Stiftungsrat mit der Geschäftsführung des ORF betraut

Wien (epd). Nach einer internen Prüfung wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung hat der ORF angekündigt, das Angestellten-Dienstverhältnis mit Roland Weißmann, Ex-Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF), aufzulösen. Wie der ORF am Mittwoch in Wien mitteilte, hat die Prüfung der Vorwürfe ergeben, dass eine sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn im konkreten Fall nicht vorliege. Allerdings verlange der Sender von seinen Führungskräften "nicht bloß die Einhaltung zwingenden Rechts, sondern ein sehr hohes Maß an Integrität und Unterlassung jeglichen Verhaltens, das geeignet ist, dem Unternehmen zu schaden".

Weißmann war im März als Generaldirektor zurückgetreten, nachdem eine Mitarbeiterin des Senders ihm gegenüber Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben hatte. Er hatte die Vorwürfe bestritten und war wieder in sein Dienstverhältnis als ORF-Angestellter eingetreten. Die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher veranlasste die Prüfung der Vorwürfe durch die Compliance-Stelle sowie externe Compliance-Expertinnen und -Experten.

Anwalt kündigt rechtliche Schritte an

Der ORF teilte mit, sowohl Weißmann als auch die Mitarbeiterin hätten sich der Befragung durch die Compliance-Stelle freiwillig gestellt und Unterlagen vorgelegt, um ihre jeweiligen Standpunkte zu untermauern. Das Unternehmen werde "aus Gründen des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte keine weiteren Details der Untersuchung veröffentlichen und ersucht, Spekulationen zu den Abläufen und den beteiligten Personen zu unterlassen".

Der Rechtsanwalt von Weißmann, Oliver Scherbaum, teilte mit, der Vorwurf der sexuellen Belästigung sei in sich zusammengebrochen. "Dass der ORF dennoch von angeblichen Verstößen gegen 'ethische Standards' spricht, ist ein durchschaubarer Versuch, trotz klarer Entlastung ein Fehlverhalten zu konstruieren. Dafür gibt es weder eine tatsächliche Grundlage noch eine rechtliche Rechtfertigung", sagte Scherbaum. Weißmann werde dieses Vorgehen nicht hinnehmen. Der Anwalt kündigte rechtliche Schritte gegen die "fortgesetzte rufschädigende Darstellung" durch den ORF an.

Thurnher will rasche Aufarbeitung

Scherbaum teilte mit, der "Anschein eines unangemessenen Verhaltens" von Weißmann stütze sich "ausschließlich auf private Kommunikation zwischen zwei erwachsenen Personen". Weißmann habe "stets eine klare Trennung zwischen privatem und beruflichem Verhalten eingehalten". Ein arbeitsrechtlicher Bezug werde vom ORF "lediglich behauptet, aber nicht belegt".

Thurnher dankte Weißmann für seinen Einsatz. Sie sagte: "Um das Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher in die Programme des ORF abzusichern, ist eine rasche und konsequente Aufarbeitung der offenen Compliance- und Governance-Themen von großer Bedeutung." Die ORF-Geschäftsführung werde dies gemeinsam mit dem Transparenz-Beirat, den sie im März eingesetzt habe, zügig umsetzen.

ema/dir



Zuerst veröffentlicht 08.04.2026 16:54 Letzte Änderung: 08.04.2026 17:05

Schlagworte: Medien, Österreich, Rundfunk, NEU

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