15.04.2026 08:23
Bonn (epd). Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des deutschen Programms der Deutschen Welle (DW) haben die Sparpläne der Senderführung in einem offenen Brief scharf kritisiert. "Neben der DW dürfte es wohl keine staatlich finanzierte/öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt auf der Welt geben, die ihre Landessprache für so irrelevant hält wie die DW und dermaßen zusammenstreicht", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben.
Nach den Kürzungen werde die DW für das deutsche Programm noch knapp 0,5 Prozent ihres Etats ausgeben. "Mehr ist es ihr nicht wert. Man muss davon ausgehen, dass das deutsche Programm in den kommenden Jahren sogar komplett verschwindet", warnen die Mitarbeiter. Die Kürzungen widersprächen zudem dem DW-Gesetz, das dem Sender die Förderung der deutschen Sprache und der Angebote auf Deutsch vorschreibt.
Nach der Kürzung des Bundeszuschusses für die DW hatten Rundfunkrat, Verwaltungsrat und Geschäftsleitung im vergangenen Februar ein Sparpaket in Höhe von 21 Millionen Euro für den Zeitraum 2026 und 2027 vorgelegt. Vorgesehen ist unter anderem der Abbau von 160 Vollzeitstellen, die Einstellung des Griechisch-Dienstes und die Reduzierung des journalistischen Angebots in weiteren Sprachen.
Das deutschsprachige journalistische Angebot soll mit den Deutschlernkursen zusammengelegt werden, "mit nahezu halbiertem Budget", wie die DW damals mitteilte. Unabhängiger Journalismus und integrierte Sprachlernelemente auf Deutsch würden zu einem Gesamtprodukt verbunden. "Menschen, die so gut Deutsch sprechen, dass sie sich auf Deutsch aktuell journalistisch informieren, greifen digital auf die bekannten Marken deutschsprachiger Medien und Verlagshäuser zu", so die DW.
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des offenen Briefes "bitten Politik und Gesellschaft, die in immer größeren Schritten stattfindende Marginalisierung der deutschen Sprache bei der Deutschen Welle kritisch zu hinterfragen". Sie dringen darauf, "eine schnelle Kursänderung anzustoßen, bevor auch das letzte bisschen Deutsch bei der DW verschwindet".
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte im November vergangenen Jahres entschieden, den Zuschuss zum Betriebsetat des Auslandssenders im Haushalt 2026 auf 395,4 Millionen Euro zu senken. Der Regierungsentwurf hatte noch 405,5 Millionen Euro vorgesehen. Die DW erhält darüber hinaus weitere 20 Millionen Euro Zuschuss für Investitionen, sodass der Etat des Senders 2026 bei insgesamt 415,5 Millionen Euro liegt.
nbl
Zuerst veröffentlicht 15.04.2026 10:23
Schlagworte: Medien, Rundfunk, Fernsehen
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